Weiden in der Oberpfalz
13.03.2026 - 00:10 Uhr
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Humus – von Klauen und Hufen zu Reifen

Ein Teil Landwirtschaft, der jeden Wandel überdauert

Von Mathias Beutner

So vieles hat sich in drei Generationen Landwirtschaft getan. Von den Großeltern, die noch mit Pferd und Ochs das Feld bewirtschafteten bis zum Hochleistungs-Traktor mit Hightech Ausstattung. Doch trotz des ganzen Wandels, gäbe es keine fruchtbaren Böden ohne ihn: den Humus. Früher reine Basis des Überlebens, heute Schlüssel zur Nachhaltigkeit.

Was ist Humus?

Manche Nachbarn meinen es gut und bieten Landwirten ihren Hausbau-Erdaushub für das Feld an. Doch das ist nicht der wertvolle, fruchtbare Humus, den diese brauchen. Humus ist ein kleiner, aber für uns alle höchst bedeutsamer Teil in der obersten Schicht unseres Bodens.

Humus entsteht aus abgestorbenen Pflanzenresten, Wurzeln und organischen Düngern (Mist, Gülle, Kompost). Diese werden von Bodenorganismen zersetzt. Dabei entstehen stabile Verbindungen, die die Bodenstruktur verbessern und auch wichtig für den Klimawandel sind. Genug Humus puffert nämlich Wetterextreme ab, verbessert den Wasserhaushalt auch bei Dürre oder Starkregen und sorgt für eine gleichmäßigere Nährstoffversorgung der Feldfrüchte.

Humus ist zudem Lebensraum für ein aktives Bodenleben. Mikroorganismen und Bodentiere fördern die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Gleichzeitig bindet Humus Kohlenstoff und leistet damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Zusammenfassend also ein wahres Allround-Talent! „Es gibt auch das Sprichwort: in einer Hand voll Erde stecken mehr Organismen als Menschen auf der Erde“ fügt Mathias Beutner, Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth-Weiden (AELF), hinzu.

Aufgabe der heutigen Landwirtschaft

„Ein Knochenjob war die Arbeit auf dem Acker früher. Dazu sehr zeitaufwändig und damals musste ein Landwirt noch wesentlich weniger Menschen als heute ernähren.“ so Mathias Beutner. Große Maschinen auf großen Flächen wären diesbezüglich ein Segen für die damaligen Landwirte gewesen. Doch wo Vorteile sind, gibt es auch Nachteile: Verdichtung, Erosion, weniger Artenvielfalt. Das Gute: heute wird Humus wissenschaftlich verstanden, weshalb die Landwirtschaft gezielt ihren Humusgehalt wieder steigert bzw. gezielt aufbaut und erhält.

Wichtige Maßnahmen sind hier vielfältige Fruchtfolgen, der Anbau von Zwischenfrüchten, organische Düngung mit Mist, Gülle oder Kompost. Auch eine schonende Bodenbearbeitung durch z. B. Reifendruckregelanlagen oder „Pfluglos“ hilft. Dass Ernterückstände wie Stroh oder Maisblätter auf dem Feld bleiben, ist ebenfalls gut für den Humus.

„Je mehr wir diese Maßnahmen kombinieren, desto besser können wir Humus aufbauen und unsere Böden widerstandsfähiger machen“, ergänzt Beutner. „Mithilfe unserer Ausbildung in Schulen und Beratung sind die heutigen Landwirte Experten für Boden, der so viele Menschen wie möglich nachhaltig ernährt.“ schließt der AELF-Pflanzenbauberater ab.

Wie Landwirte Humus aufbauen

  • Vielfältige Fruchtfolgen – Kulturen wechseln, um den Boden nicht einseitig zu belasten.
  • Zwischenfrüchte anbauen – Leguminosen oder Gräser schützen den Boden und liefern organisches Material.
  • Organische Düngung – Mist, Gülle oder Kompost tragen langfristig zur Humusbildung bei.
  • Schonende Bodenbearbeitung – Reduzierter Pflug- oder Fräseinsatz verhindert Humusabbau.
  • Rückführung von Ernterückständen – Stroh, Maisblätter oder andere Pflanzenreste auf dem Feld fördern den Humusaufbau

Hinweis: Der Autor ist Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth-Weiden

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