01.03.2021 - 15:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Impfdrängelei in Pleystein: So läuft eine Corona-Impfung ab

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Kopfschütteln, Empörung und die Frage "Wie kann das sein?": Muss eine Impfdrängelei wie in Pleystein nicht sofort auffallen? BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer klärt auf.

Die Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams klebt in einem Alten- und Pflegeheim in Baden-Württemberg einer Bewohnerin nach einer Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ein Pflaster auf den Arm.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Wie ist der Ablauf bei der Corona-Impfung in einer stationären Pflegeeinrichtung durch mobile Teams? Diese Frage beantwortet BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer für die vier Heime des Kreisverbandes Weiden und Neustadt. Zugleich betont er zum Prozedere: "Das ist bei jedem Heim so."

Schritt 1: Heim meldet Bedarf

Alles fängt an mit einem Anruf des Impfzentrums. Es schickt dem Heim eine Datei zu, in welche die Heimleitung alle impfwilligen Bewohner und Angestellten einträgt. Beim BRK kämen dabei die Senioren zuerst zum Zug: "Sie werden priorisiert bei uns", erläutert Galitzdörfer. Mit der Liste meldet die Pflegeeinrichtung ihren Bedarf an das Impfzentrum, das die Impfstoffmenge dafür eintaktet und einen Termin mitteilt.

Schritt 2: Impfteams rücken an

Wenn die mobilen Impfteams – bestehend aus einem Arzt, einer Medizinischen Fachangestellten und einer Verwaltungskraft – ins Heim kommen, bringen sie nicht nur die erforderlichen Impfdosen mit. Ferner im Gepäck: die Übersicht, mit der die Heimleitung bestätigt hat, wie viele Bewohner und wie viele Angestellte die Impfung erhalten sollen. Anhand dieser Liste arbeiten die Teams vor Ort. Die Einrichtung stelle für die Impfung einen separaten Raum zur Verfügung, in dem alle mobilen Personen das Vakzin injiziert bekommen, informiert der BRK-Kreisgeschäftsführer. Seien unter den Impfwilligen auch bettlägerige Senioren, "gehen die Teams von Zimmer zu Zimmer".

Schritt 3: Doppelte Bestätigung

Für jeden zu Impfenden müssen die Teams einen Impfbogen ausfüllen. Dieser sei vergleichbar mit der Maske bei der Online-Registrierung, merkt Galitzdörfer an. Neben dem Namen müssten auch Arbeitsstätte und Beruf angeführt werden. Mit seiner Unterschrift auf dem Bogen bestätige der Impfwillige – bei Senioren eventuell der gesetzliche Betreuer – diesen Status. Er erkläre also auch selbst, "ob er Bewohner oder Angestellter, also in der Pflege tätig, ist". Der BRK-Kreisgeschäftsführer spricht somit von einer "doppelten Bestätigung" der Angaben: einmal durch die Heimleitung auf der Liste und dann durch den zu Impfenden auf dem Impfbogen. Dies alles sei "schwarz auf weiß" vorhanden, macht er deutlich.

Mehr zur Impfdrängelei in Pleystein

Pleystein

In den vier vom BRK-Kreisverband getragenen Seniorenheimen in Erbendorf, Eschenbach, Hammergmünd und Weiden seien die Impfungen "schon fast alle abgeschlossen", berichtet Galitzdörfer. Die Impfteams seien dabei jeweils mehrmals in einer Einrichtung gewesen. Denn pro Termin seien "immer nur 60 Impfungen" vorgenommen worden, jedes der vier BRK-Heim habe aber mehr Plätze. Impfdosen seien nie übrig geblieben: Wenn eine Impfung ausgefallen sei – zum Beispiel, weil ein Bewohner im Krankenhaus war –, sei das Vakzin einem anderen impfwilligen Bewohner oder Mitarbeiter verabreicht worden, erklärt der BRK-Kreisgeschäftsführer.

Aktuell stünden noch Nachimpfungen von Bewohnern und Angestellten an, teilt er mit. "Es gibt ein paar Nachzügler" – Mitarbeiter, die sich erst später zur Impfung entschlossen haben, neue Bewohner und Personen, "die am Anfang Covid-positiv waren". Denn wessen Infektion länger als sechs Monate her sei, der könne sich jetzt ebenfalls impfen lassen: "Alle, die mal positiv waren, sind für diesen Zeitraum von der Prio-Impfung ausgeschlossen."

Hintergrund:

"Prio-Impfung" auch für Ehrenamtliche, 450-Euro-Kräfte und Hausmeister

  • Laut Coronavirus-Impfverordnung haben "mit höchster Priorität" Anspruch auf Schutzimpfung: "Personen, die in stationären und teilstationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen (...) tätig sind" sowie "Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen".
  • BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer macht darauf aufmerksam, dass die Priorisierungsgruppe I somit alle umfasst, "die im ständigen Umfeld der Altenpflege tätig sind". Darunter fallen auch Ehrenamtliche, die sich in Seniorenheimen oder Hospizen in der Betreuung einbringen, sowie 450-Euro-Kräfte.
  • Zudem verweist Galitzdörfer auf "verschiedene Berufsfelder" im Bereich der Altenpflege. Auch der Hausmeister einer stationären Einrichtung gehöre beispielsweise dazu.
  • "Das ist alles abhängig von der Bestätigung" durch die Heimleitung, erklärt der BRK-Kreisgeschäftsführer zur priorisierten Impfung der Mitarbeiter.

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