22.02.2019 - 23:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Integration oft ein langer Weg

Zunächst wurde beim Informationsbesuch von vier Landtagsabgeordneten die Arbeitsmarktbilanz vorgestellt, doch dann ging es hauptsächlich um das Thema Integration der Flüchtlinge

Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger (Erster von links) erläutert den Landtagsabgeordneten (sitzend von links) Annette Karl, Anna Toman, Stephan Oetzinger und Tobias Reiß die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Mit dabei die Geschäftsführer der Jobcenter Weiden Neustadt und Tirschenreuth Peter Witt und Leonhard Merkl (stehend Zweiter und Dritter von links)
von Siegfried BühnerProfil

„Aktuell befinden sich unter den knapp 5000 Arbeitslosen rund 250 Flüchtlinge“, berichtete Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger beim Informationsgespräch mit Landtagsabgeordneten in der Arbeitsagentur Weiden. Annette Karl, Anna Toman, Stefan Oetzinger und Tobias Reiß besuchten die Arbeitsagentur. Sie kamen um die Jahresbilanz des Arbeitsmarktes 2018 kennenzulernen (wir berichteten) und über aktuelle Probleme zu diskutieren.

Breiten Raum nahm das Thema "Integration von Flüchtlingen" ein. Derzeit befinde sich der allergrößte Teil in Integrations- und Sprachkursen und sei deshalb noch nicht in den amtlichen Arbeitslosenzahlen enthalten, erläuterte Würdinger. Und Peter Witt, Geschäftsführer des Jobcenters Weiden-Neustadt ergänzte „der größte Teil der Flüchtlinge spricht einfach noch nicht gut genug Deutsch, um die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu erfüllen“. Betriebe seien grundsätzlich aufnahmebereit, benötigten jedoch mindestens ein B1-Sprachniveau, was bisher in den seltensten Fällen erreicht wurde. Berufsausbildungen drohen vor allem an den schriftlichen Deutsch-Kenntnissen zu scheitern. Spätestens wenn die ersten Fachbegriffe auftauchen, reicht das in den Sprachkursen erworbene Sprachwissen nicht aus.

Toman hält es deshalb für zweckmäßig, betriebliche Praktika bereits während der Integrationskurse einzuplanen, um besser an den beruflichen Sprachschatz heranzuführen. Für Leonhard Merkl, Geschäftsführer des Jobcenters Tirschenreuth, dürfte es in vielen Fällen fünf bis sieben Jahre dauern, bis das auf dem Arbeitsmarkt erforderliche Sprachniveau erreicht ist. Bei Flüchtlingsfamilien hat für die Jobcenter zunächst die Integration des „Vorstands einer Bedarfsgemeinschaft“ Vorrang. Allerdings reiche das dabei erzielbare Einkommen kaum aus um die Hilfebedürftigkeit aller Familienmitglieder zu beseitigen.

Toman berichtete aus eigener Unterrichtserfahrung mit weiblichen Flüchtlingen auch über „kulturelle Hürden, dass Frauen sich fortbilden“. Diskutiert wurde beim Abgeordnetenbesuch auch über Möglichkeiten den harten Kern der Langzeitarbeitslosigkeit allmählich aufzulösen. Das neue Teilhabechancengesetz mit bis zu 100-prozentiger Lohnförderung werde dazu wegen der dafür erforderlichen hohen Ausgaben nur einen kleinen Beitrag leisten können.

Laut Würdinger soll ein Schwerpunkt der Arbeit der Arbeitsagentur in den kommenden Jahren sein, weitere „Hartz-IV-Karrieren zu vermeiden“. Ansätze dazu müssten bereits im Kindergarten erfolgen. Würdinger bedauerte in diesem Zusammenhang, dass nach wie vor ein Datenaustausch zwischen den einzelnen Ausbildungsebenen nicht möglich ist. Sinnvoll wäre es zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten, die sich bereits im Kindergarten sich zeigen, auch den Lehrern der Grundschule mitteilen zu dürfen. Hilfe, allerdings erst in den späteren Jahren der Entwicklung eines jungen Menschen, erhoffen sich die Vertreter der Arbeitsverwaltung von der neuen Jugendberufsagentur. Dort gebe es einen direkten Draht zwischen vielen am Einzelfall Beteiligten.

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