04.03.2021 - 19:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Integrierte Leitstelle in Weiden in Zahlen: 2020 mehr Notfälle mit Kindern

Auch im Coronajahr 2020 meldet die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) eine Vielzahl von Einsätzen. Manche haben direkt mit dem Virus zu tun, andere nur indirekt. Hier folgt eine mitunter überraschende Statistik.

Wegen Verbrühungen oder anderer Verletzungen von Kindern mussten die Rettungskräfte in der Nordoberpfalz 2020 häufiger als in den Vorjahren sonst ausrücken. Das hat auch mit Corona und den Schutzmaßnahmen zu tun, heißt es bei einer Pressekonferenz der ILS.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Einmal im Jahr laden die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) und der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr zur Pressekonferenz ein, um die Einsatzzahlen und Schwerpunkte des vergangenen Jahres darzulegen. Beim Treffen, coronabedingt im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle, wird deutlich: Hinter den Rettungskräften der Nordoberpfalz liegt ein einsatzreiches Jahr 2020.

Auf die Zahlen im Einzelnen gehen ILS-Leiter Jürgen Meyer und Schichtleiterin Sarah Müller ein.

Pressekonferenz der ILS mit Geschäftsleiter Alfred Rast, Landrat Andreas Meier, ILS-Leiter Jürgen Meyer und Schichtleiterin Sarah Müller.

Notfälle mit Kindern

Massiv zugenommen haben die Notfälle, die Kinder betreffen. 794 Einsätze weist die Statistik aus. Meyer und Müller sprechen von der höchsten Zahl an Kindernotfällen seit 40 Jahren. Der Anstieg um 19 Prozent im Vergleich zu 2019 ist aber nicht auf häusliche Gewalt zurückzuführen, wie man in einem Coronajahr vielleicht vermuten könnte, sondern hat damit zu tun, dass die Kinder in diesem Jahr mehr zu Hause waren. Es handelt sich zum Beispiel um Verbrühungen mit heißem Tee oder ein Kind ist beim Spielen auf eine Tischkante gefallen.

Probleme mit der Atmung

Bei 2067 Einsätzen (Plus 10,8 Prozent) ging es um die Atmung, davon war bei 1194 die Atmung vital bedroht. Diese Zahl ist laut Jürgen Meyer auf die Corona-Monate März und April zurückzuführen.

Mehr Bergrettungen

Ebenfalls nach oben kletterte die Zahl der Bergrettungen. Hier gab's einen Anstieg der Fälle um 88 Prozent. 24 Personen mussten aus unwegsamen Gelände gerettet werden, es gab 3 Vermisstensuchen und einen Skiunfall. Meyer führt das darauf zurück, dass die Leute nicht in den Urlaub gefahren sind, aber dafür viel im Wald waren.

In Not im Wasser

Da im Sommer einige Freibäder geschlossen blieben, suchten viele Abkühlung in einem See oder Weiher. Das Resultat: 32 Wasserrettungen (plus 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Dazu zählen auch jene, die dabei verstorben sind. "Wären die Menschen im Freibad gewesen, hätten sie sicher überlebt", sagt Meyer.

Schlägereien

Ein Positives hatte das Coronajahr 2020. Da es keine größeren Feste gab, sind die Einsätze aufgrund von Schlägereien um 31 Prozent zurückgegangen. 88 sind in der Statistik vermerkt.

Thema Suizid

Dagegen war das Thema Suizid präsenter denn je. "Die Leute sind zwar offener als früher und melden sich, wenn sie ein Problem haben", sagt Jürgen Meyer. Dennoch stiegen diese Einsätze 2020 um 27 Prozent an. Bei 212 Einsätzen spielte der Suizidgedanke eine Rolle, 90-mal rückte die Rettungskräfte wegen einem Suizidversuch aus.

Weniger Verkehrsunfälle

Leichte Rückgänge verzeichnet die ILS bei Verkehrsunfällen ohne eingeklemmte Personen (706), kleineren Technischen Hilfeleistungen (2686) und Wohnungsöffnungen (313).

Weniger Einsätze, mehr Arbeitsaufwand

Insgesamt verzeichnet die Statistik für das vergangene Jahr 49.385 Einsätze. Das sind zwar weniger als 2019 (52.029), aber die sind durch Corona arbeitsintensiver geworden. 14.879 Krankentransporte gab es 2020. 4814 sind auf Kreis-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Das ist ein Plus von 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Oft in bestimmten Straßen

Trotz aller Notfälle gibt es auch die Zahlen, die eher zum Schmunzeln anregen. Am häufigsten führten die Einsätze in einer der vielen Neustädter Straßen in der Region. Rang zwei belegt die Neue Amberger Straße und auf Platz drei die Christian-Seltmann-Straße.

Auch Geschäftsleiter Alfred Rast und Landrat Andreas Meier ziehen Bilanz. Hier spielt das ABC wie Alarmierung, Bombe und Corona eine wichtige Rolle. Ein Bericht hierzu folgt.

Den Rettungshubschrauber im Visier

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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