01.10.2018 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Invasion der Stinkwanzen

Sie sitzen auf Fensterbänken, krabbeln über Terrassen oder liegen an Hauswänden und Mauern auf der Lauer: Stinkwanzen treten in diesen Tagen gehäuft auf. Ein vorübergehendes Phänomen oder bereits eine Plage? In jedem Fall ekelig.

von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Auch in der Redaktion sind die Krabbeltierchen Thema. Ob in Waldau, Lennesrieth, Luhe-Wildenau, Weiden oder im westlichen Landkreis, überall haben Kollegen Baumwanzen gesichtet. Die Reaktionen reichen von "Igitt, ich mag gar nicht mehr auf meinen Balkon", "Meine Fenster lass' ich ab sofort zu" bis "Ich find's gruselig".

Zu befürchten hat der Mensch von den bis zu 16 Millimeter großen Tierchen nichts. Zumindest die Grüne Baumwanze (auch Gemeine Baumwanze genannt) lebt bevorzugt in Erlen oder Linden und ernährt sich von Pflanzensaft. Ihre Verwandtschaft, die Marmorierte Baumwanze mit einer auffälligen schwarz-weißen Bänderung am Panzerrand und den Fühlern, ist da nicht ganz so zimperlich. Die in den 90er Jahren über China in die Schweiz eingeschleppte Wanzenart, fühlt sich mittlerweile auch in Deutschland wohl und treibt so manchem Obstbauern Schweißperlen auf die Stirn. Mittels eines Saugrüssels labt sie sich an Äpfeln, Trauben, auch Gurken oder Tomaten. Die Früchte werden dadurch deformiert und unansehnlich.

Baumwanzen mögen es warm. Die Weibchen beginnen mit der Eiablage im Frühsommer. Die kleinen Eigelege werden auf der Blattunterseite der Wirtspflanzen abgelegt. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Nymphen durchlaufen fünf Stadien. In besonders heißen Sommern, wie 2018 einer war, kann auch eine zweite Generation heranwachsen. "Möglicherweise treten deshalb aktuell so viele Krabbler auf", vermutet Elisabeth Brüderer. Die Mitarbeiterin in der Bund-Naturschutz-Geschäftsstelle Weiden-Neustadt hat in diesem Jahr besonders viele grüne Wanzen an der heimischen Gartenmauer gesichtet.

"Sie sitzen in jeder Ritze oder auch am Fenster. Ich finde schon, dass es mehr sind als sonst", sagt Brüderer. Sie habe sich gleich schlau gemacht und stieß im Internet auf die Grüne Stinkwanze. Froh ist sie, dass es sich hierbei um keinen ausgewiesenen Schädling handelt. "Die tun auch dem Mauerwerk nichts." Diese Art ernährt sich von Pflanzensäften. Sein grüner Panzer zeigt, dass es sich um eine Nymphe handelt. Die Wanze kennt sie vor allem vom Blaubeersammeln, erzählt sie. "Die 'Schwoarzbeer Gougln' sitzen gerne in den Sträuchern, und wenn man mit der Hand zugreift, dann stinkt's." Ihre Art, sich bei Bedrohung zu wehren.

"Im Herbst verfärbt sich der Panzer dann dunkel in Richtung braun-grün, und die Wanzen suchen Unterschlupf für den Winter. Jetzt ist es Zeit, die Fenster und Ritzen abzudichten", rät Brüderer. Von einer Bekämpfung mit Pestiziden hält die Naturschützerin nichts. Abhilfe könnte jedoch das Sprühen einer Spülmittellösung schaffen. "Die löst den Panzer auf, und die Wanzen trocknen von innen heraus aus." Auch Knoblauch scheinen sie nicht zu mögen. Brüderer denkt, dass sich das aktuelle Problem in zwei bis drei Wochen eh erledigt hat, wenn es kälter wird.

Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Neustadt/WN sind in den vergangenen Tagen Anfragen zu dem Naturphänomen eingegangen, von einer Plage könne man aber nicht sprechen, wie Pressesprecherin Claudia Prößl auf Nachfrage mitteilt. "Es handelt sich zwar um Schädlinge, aber die Wanzen sind allenfalls lästig. Ob es sich bei der fotografierten Baumwanze um die Marmorierte Art oder die bräunliche Herbstform der Grünen Stinkwanze handelt, konnte die Behörde nicht bestätigen. Vielleicht findet sich ja unter unseren Lesern ein Insektenexperte. Gerne dürfen Sie der Redaktion auch Fotos von der Wanzen-Invasion auf Ihrer Terrasse schicken, per E-Mail an redws[at]oberpfalzmedien[dot]de.

Mehr zur "Schwoarzbeer Gougl":

Zur Familie der Baumwanzen zählen weltweit bis zu 6000 Arten. In Europa sind 187 Arten vertreten, von denen etwa 70 in Mitteleuropa vorkommen, wie Wikipedia weiß. Zu ihnen gehören unter anderem auch die Marmorierte Baumwanze und die Grüne Stinkwanze, die wohl nur Insektenexperten auf Anhieb mit Namen identifizieren dürften. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist meist von Stinkwanzen die Rede. Geraten die Insekten in Bedrängnis, sondern sie ein übelriechendes Sekret ab. Oberpfälzer kennen die Wanze auch als "Schwoarzbeer Gougl", da sie gern in Schwarzbeersträuchern sitzt und beim Einsammeln der Beeren für stinkende Hände sorgt. (shl)

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