30.08.2019 - 15:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jérôme Vezard: "Ich möchte in Weiden sterben"

Wegen der großen Liebe von Paris nach Weiden: Jérôme Vezard lebt seit 1977 in der Oberpfalz - mit einer Unterbrechung. In der neuen Folge von "Zugroast" erzählt der Franzose, wie er Oberpfälzisch gelernt hat.

Jérôme Vezard zog 1977 der Liebe wegen von Paris nach Weiden.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Jérôme Vezarcd: Sturkopf stimmt, Grantler nicht. Das ist, wenn du nach Guadeloupe fliegst, genauso, da sind die gleichen Leute. Aber nach zwei Minuten Gespräch sind sie alle freundlich. Die Oberpfälzer sind direkt, sagen, was sie meinen. Und sie sind gastfreundlich.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich hatte keine, ich war zuvor auch nie in Deutschland. Ich bin einfach zu meiner zukünftigen Frau gekommen. In Weiden wollte ich bleiben und eine Familie gründen. Das war 1977, damals war Weiden noch arm, die Gebäude nicht renoviert. Es gab keine Max-Reger-Halle, keine Thermenwelt, keine Fußgängerzone.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Nein, ich möchte in Weiden sterben. Ich fahre regelmäßig nach Paris, weil dort ein Kind wohnt. Von fünf Kindern wohnen vier in Weiden, eines in Paris. – Zwischen 1986 und 1999 sind wir zurück nach Paris gezogen. Aber die Stadt ist für Urlaub besser geeignet und Weiden ist besser zum Leben.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Unsere Tochter in Paris ist ja in Weiden aufgewachsen. Mit den Enkeln gehen wir ins Schätzlerbad, nach Parkstein, Flossenbürg oder fahren zur Walhalla. Das ist gut für Kinder, dort können sie etwas sehen.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Ja fralle. Durch die Tanzkurse in der ganzen Oberpfalz habe ich viele unterschiedliche Dialekte gehört. Manche haben andere Wörter, in Schwandorf heißt es: "I moch de Mo", wenn eine Frau als Mann tanzt. Ich habe auch lustige Sachen gelernt: Oachkatzlschwoaf – das war schwer zu lernen. Oaschlafsuppn. Goasmaß. Moch des Hosndirl zu.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Moralisch schon. Ich bin für Assimilierung, die Ausländer müssen sich anpassen. Wenn Deutschland gegen Italien Fußball spielt, bin ich für Deutschland. Wenn Deutschland gegen Frankreich spielt, sage ich nicht, für wen ich bin - ich habe immer einen Gewinner. Aber die Deutschen gewinnen eh immer.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne "Zugroast" stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind - und hier eine neue Heimat gefunden haben.

Alle Teile der Serie "Zugroast"

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