11.02.2019 - 17:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jobcenter zahlt den Lohn komplett

Was Programme wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder Bürgerarbeit früher nur ganz selten geschafft haben will jetzt ein neues Gesetz bewerkstelligen. Langzeitarbeitslose sollen langfristig in Arbeit kommen

Geschäftsführer Peter Witt vom Jobcenter Weiden-Neustadt, Arbeitsagenturleiter Thomas Würdinger und Geschäftsführer Leonhard Merkl vom Jobcenter Tirschenreuth (von links) erklären das neue Teilhabechancengesetz für Langzeitarbeitslose
von Siegfried BühnerProfil

Geht es um den Namen des Gesetzes, werden sich die meisten wenig darunter vorstellen können: "Teilhabechancengesetz für Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt" lautet der bürokratisch klingende Name. Doch was sich dahinter verbirgt, haben die Jobcenter Neustadt-Weiden und Tirschenreuth den Arbeitgebern wohl überzeugend erklärt. Jedenfalls ist die Nachfrage nach dem seit Jahresbeginn geltenden Förderprogramm sehr groß, berichten übereinstimmend die Geschäftsführer Peter Witt (Weiden-Neustadt) und Leonhard Merkl (Tirschenreuth) von den Jobcentern.

Schon 100 Förderwillige

In Weiden sind bereits 60 Förderfälle fest eingeplant, in Tirschenreuth sind es 40. "Für uns ist das Gesetz ein Selbstläufer", sagte Witt. Und sein Kollege Merkl freut sich, dass "endlich wieder viele Kinder sehen, dass ihre Eltern zur Arbeit gehen". Mit dem Gesetz soll der harte und verkrustete Kern der Langzeitarbeitslosigkeit aufgebrochen werden. Trotz der guten konjunkturellen Entwicklung gebe es eine zahlenmäßige große Gruppe von arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen, die seit langem Leistungen der Grundsicherung beziehen, sagte die Bundesregierung in ihrer Gesetzesbegründung.

Die gesetzlichen Fördermöglichkeiten zielen deshalb in der Hauptsache auf diejenigen, die innerhalb der letzten acht Jahre mindestens sieben Jahre im Arbeitslosengeld II-Bezug (Hartz IV) standen. Fast jeder Dritte (30,4 Prozent) aller erwerbsfähigen Leistungsbezieher im Bereich Hartz IV zählt im Agenturbezirk Weiden zu dieser Gruppe. Bayernweit liegt dieser Anteil nur bei 23,6 Prozent.

Da die Eingliederung dieser Menschen besonders schwierig ist, gibt es zwei Jahre lang eine hundertprozentige Lohnförderung in Höhe des Tariflohns. Erst danach sinkt die Zuschusshöhe bis zum fünften Jahr auf 70 Prozent.

Ergänzt wird die Förderung durch pauschalierte Sozialversicherungsbeiträge und durch Übernahme der Kosten von Bildungsmaßnahmen. "Wir brauchen Arbeitgeber, die wegen der Arbeitsmarktferne des Bewerbers zunächst einmal einen Leidensdruck aushalten", sagte Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger bei der Vorstellung des neuen Programms.

Coach begleitet Maßnahme

Hilfe sollen die Arbeitgeber durch das beschäftigungsbegleitende Coaching des ehemaligen Langzeitarbeitslosen durch eine Vermittlungsfachkraft bekommen. Der große Vorteil der Neuregelung gegenüber früheren Programmen besteht darin, dass jede Art von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gefördert werden kann. Einschränkungen, wie zum Beispiel früher bei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, etwa dass die Arbeit zusätzlich und im öffentlichen Interesse sein muss, gibt es nicht mehr. Kleine und mittlere Betriebe sowie öffentliche Verwaltungen gehören derzeit zu den Hauptinteressenten für das Programm.

Einen Nachteil des Programms sehen die Arbeitsmarktexperten jedoch: "Wir gehen Zahlungsverpflichtungen für fünf Jahre ein, bekommen aber immer nur jährlich unser Budget", erläutert Würdinger die Situation. In einem zweiten Programmteil werden auch Arbeitslose gefördert, die mindestens zwei Jahre arbeitslos sind. In diesen Fällen werden im ersten Jahr der Beschäftigung 75 Prozent und im zweiten Jahr 50 Prozent von Arbeitsagentur oder Jobcenter übernommen.

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