Weiden in der Oberpfalz
28.06.2019 - 10:04 Uhr

Journalist mit Herz und Hirn: Oberpfalz-Medien verabschieden Martin Staffe

Dabeisein, aber nie dazugehören, professionelle Distanz wahren, Emotionen zügeln. All das gehört zum Einmaleins des Journalismus. Aber wie manchmal das Kopfrechnen anstrengend ist, sind Journalisten auch nicht gegen Sentimentalität gefeit.

Außer über einen guten Rotwein freut sich Martin Staffe (links) auch über das erste Exemplar einer neuen Medaille mit der Oberpfalz-Medien besonderes Engagement für die Hilfsaktion "Lichtblicke" würdigen. Dazu gratulieren (von rechts) Verleger German Vogelsang, Chefredakteur Norbert Gottlöber und geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang. Bild: Wolfgang Steinbacher
Außer über einen guten Rotwein freut sich Martin Staffe (links) auch über das erste Exemplar einer neuen Medaille mit der Oberpfalz-Medien besonderes Engagement für die Hilfsaktion "Lichtblicke" würdigen. Dazu gratulieren (von rechts) Verleger German Vogelsang, Chefredakteur Norbert Gottlöber und geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang.

Am Donnerstag war in der Redaktion von Oberpfalz-Medien so ein Moment. Martin Staffe (ms) sagte Servus. Jeder wusste, dass der Tag bevorstand, aber als es soweit war, wurden manchen Distanzwahrern und Emotionszüglern doch die Augen feucht.

42 Jahre war Staffe im Medienhaus. "Unkompliziert, ruhig, hilfsbereit", beschreibt geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang den langjährigen Leiter des Ressorts Weiden-Land. Der einstige Volontär in der Außenredaktion Vohenstrauß hat es mit seiner Arbeit zum Träger der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste gebracht. Die erhielt er als Initiator der Hilfsaktion "Lichtblicke", mit der Oberpfalz-Medien seit 25 Jahren Bedürftige unterstützt.

An Energie hat es dem gebürtigen Wiesauer und Stammspieler der NT-Mittwochskicker nie gemangelt. Wo er die hernimmt war manchmal auch Verleger German Vogelsang ein Rätsel. "Ich habe dich immer bewundert, wie du Beruf und Familie vereinbarst." Staffe ist fünffacher Vater und ein inzwischen von acht Enkeln begehrter Großvater.

Deren künftigen Zugriff auf den Opa müssen die Kollegen ausbaden. Die Betriebsräte Thomas Amann und Uwe Ibl - beide Weggefährten aus der Redaktion - sprachen vielen aus dem Herzen. "Da gehen Erfahrung, Kontakte, Wissen und Beziehungen verloren, die für gute Geschichten unverzichtbar sind." Dass der 64-Jährige diese Schätze immer gern geteilt hat, freut Chefredakteur Norbert Gottlöber: "Ich habe oft von den jungen Kollegen gehört, dass sie gern zu ihm gegangen sind, weil er so erklärt, dass man etwas dabei lernt." Einer davon ist heute sein Nachfolger als Deskchef Weiden-Neustadt. Stefan Zaruba hat seinen allerersten Text als 19-Jähriger bei dem ihm damals völlig unbekannten Redakteur abgeliefert. Der habe ihn gleich ermutigt, es doch weiterhin zu probieren. Für solche und Dutzende andere Anekdoten fehlt hier der Platz. Eine muss aber doch noch sein: Staffes erste Berichterstattung über die Kommunalwahl 1978. Im Landratsamt klappte etwas bei der händischen Auszählung der Resultate aus den einzelnen Kommunen nicht. Landrat Christian Kreuzer hat getobt, in der Redaktion näherte sich unerbittlich der Andruck, und die Seiten mit dem amtlichen Endergebnis waren gähnend leer. Staffe war in dieser Situation als Reporter vor Ort. Kurzerhand drückten ihm die nervösen Beamten ebenfalls ein paar Papierbögen zum Nachzählen in die Hand. Und siehe da: Der Jungspund von der Presse stieß sofort auf den Rechenfehler. Alles wurde gut, und Staffe war fortan im Landratsamt mit einem guten Draht in alle Abteilungen gesegnet. Er ist aber auch einer, der immer seine Meinung vertritt, wie Gottlöber betont. Staffes Abschiedsrede war dafür ein Beleg: ein kämpferisches Plädoyer für den klassischen Journalismus, den manche in der heutigen Medienlandschaft infrage stellen. "Mir ist um das gedruckte Wort nicht bange. Im Lokalen liegt die Chance der Tageszeitung." Jetzt aber freue er sich auf die Familie, Urlaube in Italien und überhaupt einen neuen Lebensabschnitt. "Ich weiß bereits jetzt, dass mir die Kollegen fehlen werden", ließ er einen letzten Wehmutstropfen (in diesem Fall darf man das so schreiben) fallen. "Ob ich die Arbeit vermissen werde, weiß ich noch nicht." Wir hoffen es doch. Wir vermissen ihn nämlich auch - als Mensch und Journalist.

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