Diesmal hieß die Veranstaltung "Inspiration & Startup Night". Doch das Konzept blieb auch in der fünften Neuauflage in der OTH in Weiden weitgehend unverändert. Die Gruppe meetDigitals hatte wieder alle eingeladen, die sich für Digitalisierung interessieren und dazu Kontakte knüpfen wollen. Zweihundertvierzig Teilnehmer waren vorangemeldet, mehr als jemals zuvor. Im Programm standen Hauptreferate, sogenannte Keynotes, und Workshops, sogenannte Sessions. Die Sessions wurden erneut im Barcamp-Format durchgeführt, was bedeutet, dass sie von den Besuchern selbst inhaltlich gestaltet werden müssen.
Überhaupt wurde am Abend viel Englisch gesprochen und die Vorträge wimmelten von den fachspezifischen Anglizismen der digitalen Sprachwelt. Die Mehrheit der Teilnehmer gehörte der Generation unter dreißig an, das "Du" galt als Norm. Eine Ausnahme in den Altersgruppen bildeten die drei Hauptreferenten, schließlich berichteten diese aus langjähriger Erfahrung. So wie Unternehmer Werner Conrad, der den Digitalisierungsprozess in seinem Elektronikkonzern vorstellte. Alle Hauptreferate hatten ein einziges übergeordnetes Thema. Sie sollten Hilfestellung bei der digitalen Transformation für Startups- und andere Unternehmen geben. Und Conrad stellte die Gegensätze vor, die in einem bestehenden größeren Unternehmen im Digitalisierungsprozess überwunden werden müssen. "Oberpfälzer Heimat und Digital Mindset" würden aufeinander treffen. Die neuen digitalen Techniken seien eine gewaltige Herausforderung für ältere Mitarbeiter. "Raus aus der Komfortzone, in der sich viele eingerichtet hätten" sei gerade in einem Traditionsunternehmen eine besondere Aufgabe. Aus den "Helden von gestern" müssten die "Helden von morgen" gemacht werden.
Zu den Unternehmenswerten Zugehörigkeit und Loyalität gesellt sich neuerdings zunehmend die Veränderungsbereitschaft. Deswegen würden bei der Ehrung von Betriebsjubiläen zunehmend nicht die langjährige Betriebsangehörige, sondern "verdiente Mitarbeiter" ausgezeichnet. Conrad erläuterte auch, dass ein großes Unternehmen nicht so rasch wie ein Startup sich auf die Digitalisierung einstellen könne. Schließlich gelte im Finanzwesen noch immer "Soll ist Soll und Haben ist Haben". Kataloghandel und künstliche Intelligenz müssten nebeneinander bestehen. Mit "Conrad Connect" sei ein konzerneigenes Startup entstanden. Als Zukunftsprojekt kündigte Conrad für das Jahr 2020 eine neue Unternehmensplattform an. Sie soll alle Zugangswege zum Unternehmen, Verkaufskanäle und Dienstleistungen vereinen.
Anders als Conrad sprach im zweiten Referat Unternehmenscoach Claudia Hupprich vor allem junge Startup-Unternehmen und Projektentwickler an. Es waren vor allem Strategien im Umgang mit Widerständen gegen Projektideen und Projekte, die vorgestellt wurden. "Inspirationssaboteuren und Zielpiraten" nannte die Referentin die Gruppe, die sich innovativen Ideen entgegenstellt. "Redet mit Zielpiraten nicht über Euer Ziel" lautete eine Empfehlung. Eine andere hieß "Schaut Euch um mit welchen Glaubenssätzen Ihr durchs Leben geht und modifiziert diese". Über Erfahrungen mit der ICO-Finanzierung, einer speziellen auf Krypto-Währung basierenden Form des Crowdfundings, berichtete Felix Hötzinger. Humorvoll schilderte der mehrfache Unternehmensgründer seine Erlebnisse mit interessierten Anlegern aus aller Welt. "Krypto-Börsen verdienen mehr als alle deutschen Banken zusammen" stellte Hötzinger fest und meinte auch "es gibt unglaublich viel schwarzes Geld". Es wurde ihm unter anderem auch in vollen Koffern angeboten. Nicht schwierig sei es "in Krypto rein, sondern wieder raus zu kommen". Den Abschluss des vierstündigen Programms bildeten die "Sessions" der Besucher. Es ging unter anderem um Kurzvorträge über künstliche Intelligenz, über Krypto-Geld, Datenschutz, die Gründerausbildung an der OTH, die App "Regensburg-Regional" eSport und die Möglichkeit der Beteiligung an einem Online-Unternehmen. OTH, Volksbank Nordoberpfalz und DGO waren Veranstaltungspartner.
Es ist alleine schon sehr bemerkenswert, dass eine Gruppe ehrenamtlicher „junger Digitals“ es immer wieder schafft, einen großen Marktplatz für alle am Digitalisierungsprozess Interessierten zu organisieren. Sie machen dies absolut selbstlos und ohne irgendwelche Werbeabsichten. Die zunehmenden Teilnehmerzahlen beweisen, dass die Gruppe einen Nerv der Zeit getroffen hat. Geradezu ideal geeignet für dieses allmählich zur Großveranstaltung werdenden Ereignisses sind die Räume im Neuen Hörsaalgebäude der OTH in Weiden. Zwei große Hörsäle, dazwischen ein noch größerer Zwischentrakt, bieten die ideale Umgebung für Programme mit parallel laufenden Angeboten. Und noch ein zweiter wichtiger Aspekt ist hervor zu heben. Es sind nicht nur die meetDIGITALs, die in der OTH ihr Programm präsentieren. Immer mehr öffnet sich die OTH der Öffentlichkeit als Veranstaltungsort von Kongressen, Vorträgen, Ausstellungen und anderen Ereignissen. Die OTH wird zur Plattform des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens und verliert den Charakter vom wissenschaftlichen Elfenbeinturm. So profitiert nicht nur der Akademiker-Arbeitsmarkt sondern auch die breite Bevölkerung zusätzlich vom Hochschulstandort.















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