10.01.2020 - 18:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Juwel der Altstadt: Weiden feiert Abschluss der Sanierung des Alten Rathauses

Für Oberbürgermeister Kurt Seggewiß war es das schönste Grußwort seiner Amtszeit, als Bauleiter Stefan Landgraf zur Ukulele griff und das Alte Rathaus besang. Ein besonderer Moment für eines der bedeutensten Denkmäler in der Altstadt.

von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Das über 500 Jahre alte Gebäude erstrahlt nach über zwei Jahren Bauzeit rundum im neuen Glanz. Die Sanierung umfasste neben dem historischen Dachstuhl, die Fassade, die Überarbeitung der Holz-Glasfenster, die Instandsetzung der Natursteinelemente und der Freitreppe, die Brandmeldeanlage, Beleuchtung, einen neuen EDV-Raum im Dachgeschoß bis hin zur Sockelabdichtung. Nur die Bleiglasfenster fehlen noch. Die Kosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro, die mit insgesamt 844 000 Euro von Bund, Land und Bezirk gefördert wurden.

Das Alte Rathaus feiert sich

Dafür gab es am Freitag in einer Feierstunde im alten Ratssaal ein dickes Dankeschön von Oberbürgermeister Seggewiß. Und auch für alle Planer, Denkmalschützer, Handwerker und den Stadtrat. "Das Alte Rathaus als Denkmal ist zusammen mit der historischen Altstadt ein unverwechselbares Schmuckstück der Stadt und muss der Nachwelt erhalten bleiben", sagte er und versprach, dass es bald öffentliche Führungen geben werde.

Geduld bewiesen

Der Weg von der Mittelbeschaffung 2014 bis zum Abschluss 2019 sei mühsam gewesen. Doch herabfallende Dachziegel machten allen schnell klar, dass Handlungsbedarf besteht. "Die Sanierung bekam Priorität Nummer 1 in der Hochbauabteilung", sagte der OB. Das Ziel vor Augen, ertrugen alle Betroffenen die Baustelle mit Geduld. Auch die Störche, die vorübergehend ausquartiert werden mussten. Für Seggewiß ist da Alte Rathaus ein "unverwechselbares Juwel, ein Gebäude, das die Geschichte Weidens zum Sprechen bringt".

"Das Gesamtkonzept hat hier gestimmt", lobte Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege München die gelungene Restaurierung. Als er vor zwölf Jahren sein Amt antrat, habe man ihn gewarnt, dass "die Denkmalpflege in Weiden in Minenfeld" sei. "Das habe ich so nicht erlebt. In der Zusammenarbeit habe ich immer nette Partner gehabt." Die haben gut daran getan, sich immer um das Alte Rathaus zu kümmern. Der alte Ratssaal aus der Zeit des Historismus bilde einen würdigen Rahmen für die Feier. Seine Glasfenster von 1915 seien von nationaler Bedeutung.

Denkmalpfleger Karl: "Schönes geschaffen"

Karl dankte dem Stadtrat, dass er das Projekt angegangen sei. Manchmal brauche es etwas Mut. So zum Beispiel auch für die kommenden Bauprojekte in der Schweigerstraße („Hier pressiert’s langsam“) oder die Seltmann-Villa („Ein mühevoller Weg“). „Mit dem Alten Rathaus jedenfalls haben Sie was Schönes geschaffen, das bewahrt werden will“, so der Denkmalpfleger.

„Für die nächsten 100 Jahre ist der Bestand gesichert“, versprach Stefan Landgraf vom Planungsbüro ALS, Amberg. Das Gebäude, dessen Hauptbauphase in den Jahren um 1540 lag, habe allen viel abverlangt. Besonders habe ihn der mächtige Eichen-Dachstuhl aus zwei Epochen („einmalig“) beeindruckt. „Kaputt waren eigentlich nur zehn Prozent, und zwar die Stützen. Kein Wunder bei der enormen Last von 88 Tonnen Dachziegeln. Da machten die Außenmauern die Grätsche.“ Seine Begeisterung zeigte der musikalische Bauleiter zur Überraschung der Anwesenden mit einem „Lied, dass ich fürs Rathaus sing“, und setzte sich damit fast selbst ein Denkmal.

Altes Rathaus bald wieder mit Glockenspiel

Weiden in der Oberpfalz

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