Der einzige Weg aus der Misere herauszukommen, bestehe in einer radikalen Umkehr, wie das auch die Jungen mit ihrer Fridays-for-Future-Bewegung forderten. Daraufhin überschlugen sich die Vorschläge der Zuhörer, wie man Umweltzerstörung und Klimawandel am effektivsten begegnen sollte. An vorderster Stelle stand der Verzicht auf Urlaubsreisen, vor allem mit dem Flugzeug. Man solle doch, wenn schon, auf die Bahn umsteigen. Außerdem sei es aus CO2-technischen Gründen dringend erforderlich, auf übermäßigen Fleischverzehr zu verzichten und Fair-Trade-Produkte zu kaufen.
Die Verzichts-Begeisterung bei der abschließenden Diskussion ging soweit, dass angeregt wurde, zu überdenken, wie unbedingt nötig die Fassadenbeleuchtung an der Josefskirche bis 23 Uhr sei. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. „Für seine Anklage wählte der Papst harte und klare Worte“, sagte Ernstberger.
„Kein Wunder, dass schon bei der Ankündigung dieses Mahnschreibens scharenweise Lobbyisten im Vatikan vorstellig wurden. Doch anders als es bei Politikern gang und gäbe ist, haben sie beim Papst offenbar kein Gehör gefunden.“ Rehaber-Graf erläuterte den Inhalt des päpstlichen Lehrschreibens. „Er wendet sich nicht nur an die Katholiken. Er wendet sich an jeden Menschen, der diesen Planeten bewohnt.“
Dabei spreche der Pontifex in Bildern, die jeder verstehe. Selbst Kinder. „Die Erde ist unser gemeinsames Haus, das wir als Menschheitsfamilie alle bewohnen.“ Mit „Laudato Si“ beziehe sich der Papst auf die Anfangsworte des Lobgesangs von Franz von Assisi, der damals schon Umweltsünden angeprangert habe. Bei der Ausformulierung seiner Enzyklika habe Papst Franziskus Wissenschaftler um Rat herangezogen.
Seine Anklage: „Unser Haus gleicht einer Müllhalde.“ Ferner moniere er den Verlust der Artenvielfalt. „Jedes Geschöpf lobt den Herrn auf seine Weise. Und wie viele Stimmen sind schon verstummt in diesem Gesang?“ Und er verknüpfe die Umweltfrage mit der sozialen Frage.
Für Ernstberger stand fest: Das Kirchenoberhaupt lasse sich von seinem Weg nicht abbringen. „Sonst hätte es wohl kaum die Rettung der Banken während der Finanzkrise als zwecklos abgestraft, das Recht auf Privatbesitz unter die Bestimmung der Güter für die Allgemeinheit gestellt oder gegen die alles gleichmachenden Konzerne gewettert.“
„Die Handlungsempfehlungen reichen vom Konkreten, wie dem Boykott umweltschädigender Produkte, bis zum Abstrakten: Ohne Liebe im Herzen und ohne Frieden mit sich selbst sei keine Rettung der Umwelt möglich.“ Ernstberger weiter: „Die Zivilgesellschaft, zu der auch wir uns zählen, ist die wichtigste Triebkraft gegen die Verengung der G-20-Agenda auf die Interessen mächtiger Nationalstaaten und Großkonzerne.“













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