Weiden in der Oberpfalz
28.06.2019 - 09:12 Uhr

KAB Weiden: "Alle wollen eine gute Pflege"

Daniel Bronold von der Caritas Weiden spricht beim Kamingespräch der KAB Weiden mit Alfons Ernstberger über den Pflegenotstand. Eine Problem, das es schon lange gibt. Aber: "Es wird bereits viel getan".

Alfons Ernstberger (links) und Daniel Bronold von der Caritas Weiden diskutieren über den Pflegenotstand in Deutschland. Bild: Kunz
Alfons Ernstberger (links) und Daniel Bronold von der Caritas Weiden diskutieren über den Pflegenotstand in Deutschland.

Eine strukturelle Verbesserung in der Pflege könne man nur dann herbeiführen, wenn sich Politik und Öffentlichkeit verbündeten. Daniel Bronold von der Caritas Weiden setzte beim „Kamingespräch der KAB“ in der „Almhütte“ seine Hoffnung auf eine positivere Stimmung und mehr Wertschätzung für den Pflegeberuf. „Dann ist man auch dazu bereit, mehr Geld zu investieren und mehr Leute sind dazu bereit, diesen Beruf auszuüben.“

Moderator und KAB-Mitglied Alfons Ernstberger sah die Ausgangslage so: „Gute Pflege ist teuer. Deshalb versucht die Politik seit gut 20 Jahren Pflege zu geringen Kosten zu organisieren. Das sorgt für geringe Löhne und schwierige Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte.“ Das System funktioniere nur, weil Hunderttausende Kinder und Ehepartner, vor allem Töchter und Ehefrauen, ihre Lieben zu Hause pflegten. „Dem System droht der Kollaps.“

Bronold: "Eine Pflegekraft verdient gut"

Das wollte Bronold nicht unterschreiben. Denn allen Unkenrufen zum Trotz: Die Bezahlung sei fair. „Die ist in keinster Weise in allen Bereichen schlecht.“ Wohlfahrtsverbände wie Diakonie und Caritas zahlten rund 100 Euro unter dem Deutschen Durchschnittslohn. „Und ich meine den, in dem auch Akademiker aufgeführt sind. Wir liegen weit über 500 Euro über den Löhnen, die Privatanbieter zahlen.“ Das bedeute: Eine Pflegekraft verdiene genauso viel wie ein Mechantroniker.

Ernstberger argumentierte auch, dass es an Heimplätzen und ambulanten Diensten fehle. „Zwar werden Millionen in die Pflege investiert, doch diese kommen oft von Finanzinvestoren, die vor allem am Gewinn und weniger an einer guten Pflege interessiert sind.“ Derzeit herrsche Goldgräberstimmung: „Investoren kaufen in großem Stil Pflegeheime.“ Und die Pfleger seien unzufrieden, wegen des Zeitdrucks, der Personalausstattung und der Bürokratie. Hinzu komme die „seelische Arbeitsbelastung.“

Pflegesituation – ein hausgemachtes Problem? „Finde ich sehr provokant“, sagte Bronold. „Ich frage, welches Problem?“ Die Ausgangslage sei nämlich sehr komplex. „Alle wollen eine gute Pflege. Und trotzdem funktioniert die Pflegelandschaft nicht.“ Warum? „Weil jeder Beteiligte andere Bedürfnisse, andere Ziele hat.“ Der zu Pflegende wünsche sich eine gute Versorgung, wolle aber keinem zur Last fallen. Der Angehörige wolle möglichst wenig bezahlen. Die Anbieter gute Qualität liefern und kostendeckend bis gewinnbringend arbeiten.

Pflegekräfte überlastet

Ähnlich ergehe es den Pflegekräften: „Die wollen sich kümmern, wollen aber auch eine entsprechende Work-Life-Balance haben.“ Die litten extrem an der negativen Außendarstellung. Ausgangspunkt für einen Teufelskreis: „Eine schlechte öffentliche Darstellung sorgt für eine schlechte Reputation. Eine schlechte Reputation ist der Grund dafür, dass immer weniger Leute in die Pflege gehen, weil sie glauben, ihnen geht’s dort schlecht." Weniger Leute in den Pflegebetrieben: Weniger Angebote. "Eine Endlosschleife. Hier muss endlich nachjustiert werden, sonst kollabiert das System."

In der schwierigsten Situation sei die Politik. „Die muss auf Wählerstimmen achten und die Kosten im Blick behalten.“ Dreh- und Angelpunkt sei die Öffentlichkeit, die das Thema inzwischen leider nur noch als Baustelle wahrnehme. „Es interessiert erst dann, wenn man selber betroffen ist.“ Die Probleme seien hinlänglich bekannt. Bronolds Recherchen zufolge, gibt es den Pflegenotstand medial schon seit den 50-er Jahren. Aber die Probleme würden nach und nach gelöst. „Wir haben irgendwann eine Pflegeversicherung eingeführt. Jüngst haben wir die Pflegestärkungsgesetze 1, 2 und 3 auf den Weg gebracht. Mittlerweile ist die Politik mit der Konzertierten Aktion Pflege unterwegs." Es geschehe schon was.

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