Die Energiekosten steigen spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine Ende Februar – gefühlt kommen von der Preisfront jeden Tag neue Hiobsbotschaften. Eine davon trifft die Kunden der Weidener Thermenwelt. Einer hat nun seinem Ärger in einer Mail an Oberpfalz-Medien Luft gemacht: Das Angebot, in diesem Fall die Öffnungszeiten der Saunen, werde kleiner, während die Preise stiegen. All das passiere im Namen der Energieeinsparung. "Lächerlich und vorgeschoben" nennt der Kunde, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, das. Die Folge: Er habe sich für das Bad in Regensburg entschieden – und sei so gezwungen gewesen, mit seiner Fahrt zum Klimawandel beizutragen.
Also, was passiert da gerade in der Thermenwelt? Tatsächlich haben die Stadtwerke bei drei der sechs Saunen die Öffnungszeiten reduziert, wie ein kurzer Hinweise auf der Homepage deutlich macht: Nachdem die Bundesregierung die Bürger zum Sparen aufgefordert hätte, wolle man sich beteiligen, steht dort. Die Folge: Die Birken-, Heu- und Kräutersauna gehen erst später in Betrieb, nämlich täglich ab 15 statt 11 Uhr.
"Einzige Beschwerde
Doch das ist nicht alles, sagt Christina Geiger, die Pressesprecherin der Stadt Weiden. "Die Thermenwelt hat verschiedene Maßnahmen getroffen, um Energie einzusparen." Neben den kürzeren Öffnungszeiten der Saunen spüren Kunden das auch Wasser: Die Temperatur im Whirlpool ist gemindert, die im regulären Becken sowieso schon immer an der Untergrenze, die laut der sogenannten Bäderbau-Bibel bei 24 Grad liegt. Unzufriedenheit, wie in der Leser-Mail vorgebracht, gebe es bisher nicht, sagt Judith Lorenz, die bei den Stadtwerken für das Marketing zuständig ist: "Diese Beschwerde war tatsächlich die einzige, die uns bisher zu diesem Thema erreicht hat." Die aktuelle Situation sei für alle enorm schwierig. "Unser Ziel ist es dennoch, unseren Badegästen auch in diesen schwierigen Zeiten ein – soweit dies möglich ist – unbeschwertes Freizeitvergnügen zu bieten."
Was gerade in der Thermenwelt passiert, könnte der Vorlauf sein für das, was Weiden im kommenden Winter bevorsteht. Mehrere Städte in Bayern bereiten sich auf verschiedenste Arten auf einen möglichen Gas- und Energienotstand vor: In Augsburg gibt es Sparpläne, Würzburg will auf mehr Homeoffice setzen, Nürnberg die Beleuchtung seiner Gebäude zurückschrauben und Regensburg die Straßenbeleuchtung reduzieren.
Und auch in Weiden macht man sich Gedanken, hier prüft eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Dezernenten und Vertretern der Stadtwerken, Einsparpotenziale. Das bestätigt Oberbürgermeister Jens Meyer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Die Gruppe stehe zwar noch am Anfang ihrer Arbeit, doch einige Ideen stehen bereits im Raum – und die klingen gerade für Kunden der Thermenwelt bekannt: Da wären beispielsweise die Absenkung der Wassertemperatur im Realschulbad oder der Raumtemperatur in Sport- und Turnhallen. Auch die Heizungen in Schulen und öffentlichen Einrichtungen sollen geprüft werden. Außerdem will die Stadt die dauerhafte Bestrahlung des Alten Rathauses überdenken und in Abstimmung mit der Polizei nachts bestimmte Ampeln abschalten.
Alles auf dem Tisch
All das soll an höchster Stelle im Rathaus zusammenlaufen: bei Oberbürgermeister Jens Meyer selbst, der die Gruppe auch ins Leben gerufen hat. Einen Zeitplan gebe es nicht nicht, sagt Meyer: "Aktuell werden Sofort-, Mittel- und langfristige Maßnahmen geprüft. Wir wollen sehen, wie wir Strom und vor allem Gas einsparen können." Es soll prinzipiell nichts geben, das nicht zur Diskussion steht: Die Überlegungen, so Meyer, beziehen sich auf "alle städtischen Einrichtungen". Und auch finanziell muss die Stadt umplanen: In seiner Sitzung am Dienstagnachmittag genehmigte der Finanzausschuss einstimmig die Freigabe von 525.000 Euro aus der Reserve der Stadt – um die höheren Energiekosten zu stemmen.
"Die Bundesregierung hat uns alle dazu aufgerufen, zu prüfen, wo wir Energie einsparen können", sagt Jens Meyer. "Das tun wir mit dieser Arbeitsgruppe. Die Stadt Weiden will und muss für den Ernstfall eines möglichen Gas-Notstandes vorbereitet sein." Das könne auch jeder für sich tun: "Maßnahmen sind natürlich auch Symbolik, sollen aber motivieren. Die Gedanken, die wir uns als Stadt machen, können die Bürger auch in ihrem Privatleben anwenden."





















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.