10.07.2020 - 15:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kaffeebecher bringt Autodieb in die Bredouille

Ein BMW 525 wird in Erbendorf gestohlen und taucht in Polen wieder auf. Die Spur führt zu einem 23-jährigen Litauer. Vor dem Schöffengericht gab es jetzt ein Urteil.

Symbolbild
von Autor RNSProfil

Zusammen mit einem oder auch mit weiteren Komplizen hat ein 23-jähriger Automechniker aus Litauen am 21. März 2019 gegen 1.20 Uhr in Erbendorf einen BMW 525 entwendet. Außer dessen Fingerabdrücken stellte die Polizei damals auch die DNA einer anderen Person fest. Zusammen mit dieser war der junge Mann schon drei Mal in Grenznähe zu Tschechien aufgefallen. Eine Straftat konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Mittels eines elektronischen Geräts hatten die Diebe das „Keyless go“-System überlistet. Ein Dekra-Techniker erläuterte in der Verhandlung am Donnerstag vor dem Schöffengericht Weiden die Vorgehensweise. Durch das Ortungssystem in dem Firmenwagen gelang es die Fahrtroute und den Standort festzustellen. So fand die Kripo das Auto in einem Wald an der polnisch-weißrussischen Grenze. Es waren bereits russische Kennzeichen angebracht. Der Motor lief.

Hatte der Angeklagte über seinen Anwalt Jacinevicius Mindaugas aus Berlin bei einem früheren Termin noch behauptet, dass er nicht am Diebstahl beteiligt gewesen war, sondern das Fahrzeug nur in Polen übernommen hatte und ein Teilstück gefahren habe, so gab es am Donnerstag eine andere Geschichte. Er habe, so der Litauer, nachdem er gehört hatte, dass das Auto nach Weißrussland und nicht nach Litauen gebracht werden sollte, sich geweigert zu gefahren.

„Wieso war dann sein Kaffeebecher im Auto“ fragte Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Dr. Marco Heß in seinem Plädoyer. Er bezeichnete den Angeklagten als „Berufsverbrecher“, der seit seinem 16. Lebensjahr Autos klaue und dazu mit seiner Bande nach Deutschland einreise. Heß forderte drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe.

Rechtsanwalt Mindaugas, der während des ganzen Verfahrens einen heftigen Konfrontationskurs mit Heß gefahren war, bezweifelte erst die Zuständigkeit des Weidener Gerichts. Da sein Mandant keinen Wohnsitz in Deutschland habe und er das Auto als Fahrer erst in Polen übernommen habe, sei höchstens die polnische Justiz zuständig. Wenn sein Mandant überhaupt verurteilt werden sollte, so solle die Strafe „deutlich unter zwei Jahren“ mit Bewährung liegen.

Bei Richter Hubert Windisch und den beiden Schöffinnen fand das Lügengebäude des Angeklagten keinen Glauben. Sie verurteilten den 23-Jährigen zu zweieinviertel Jahren. Ein „bandenmäßiges“ Begehen der Straftat konnte man ihm nicht nachweisen, da dazu mindestens drei Täter nötig sind. Die acht Monate Untersuchungshaft werden auf das Urteil angerechnet, sechs in Litauen verbrachte Wochen Auslieferungshaft sogar doppelt. Anwalt Mindaugas hatte von menschenunwürdigen Zuständen in litauischen Gefängnissen berichtet.

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