11.02.2020 - 10:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kalligrafie-Kurs bei Oberpfalz-Medien

„Die humanistische Kursive, eine klassische alte Schrift aus der Schriftgeschichte, ist heute noch Grundlage der von uns verwendeten Schrift“, erklärte Brigitte Herrneder im Druckzentrum. Sie leitete den Kurs „Ideen zum schönen Schreiben“.

Meist interessieren sich Frauen für die Kalligrafie. Nur einer von 13 Kursteilnehmern ist dieses Mal ein Mann.
von Helmut KunzProfil

Die Bewegung der humanistischen Kursive leite sich ab von der Renaissance, als entschieden worden sei, das deutsche Schriftbild mit Groß- und Kleinbuchstaben zu prägen. Die Großbuchstaben stammten aus römischer Zeit. „Weil die schön anzuschauen, klar und ästhetisch waren." Ergänzt habe man die Schrift durch Kleinbuchstaben aus der Karolingerzeit. „Aus einem ganz anderen Jahrhundert. Damals hatte man diese Zeitverschiebung aber nicht gekannt.“ Die einzige Basis des damaligen Übereinkommens: „Gut lesbar sollte es sein." Was sich damals „radikal“ durchsetzte, sei heute als die lateinische Schrift bekannt.

Im Satzdruck, in der Typographie, sei die Schrift übernommen worden. Namensgeber für alte Bezeichnungen, wie Palatino oder Bodoni, seien die Stempelschneider und Schriftexperten aus der Renaissancezeit gewesen. „Die Buchstaben waren unantastbar und gut lesbar. Deshalb ist man bei ihnen geblieben." Diese altherkömmliche Schreib-Art sei heute Basis für ihren Kurs.

Für die meisten Kursteilnehmer gehe es um den Spaß am Schreiben, erklärte die Kursleiterin. „Einen beruflichen Zweck verfolgt keiner von ihnen." Das Kursangebot sei stark gefragt, weil die Leute gerne schrieben. "So wie der eine gerne Aquarelle malt oder am Haus arbeitet, so schreibt der andere gern in schöner Schrift." Es sei nämlich ein Riesenunterschied ob man etwas mit der Hand schreibe oder einfach tippe.

Natürlich sei es heute notwendig auf dem PC zu schreiben. Aber zu Verstehen, wie diese Buchstaben funktionierten, das bereichere enorm. „Mit der Hand zu schreiben ist körperliche Bewegung. Die Schriftkultur zu erforschen und gleichzeitig Spaß daran haben, das ist der Kern unserer Arbeit.“ Überwiegend versuchten sich Frauen am Schönschreiben mit der Bandzugfeder. Das zeigte sich auch am Samstag. Lediglich ein Mann war unter den Kursteilnehmern. Komisch, denn: „Die großen Kalligrafen, die das beruflich machen, sind Grafiker, sind Männer.“

Nebenher gebe es auch viele Leute, die Urkunden für Vereine verfassten. Auch solche finde man unter ihren 13 Schülern, sagte Herrneder, die von Beruf her Industriekauffrau mit einem Faible für die Schreibkunst ist. „Es gibt sie schon noch, die klassische Tradition der Handschrift. Fast in jedem Betrieb ist einer, der gut schreiben kann. Der muss immer die Urkunden schreiben.“ Immer mehr junge Menschen interessierten sich für das Hobby. „Schaut ja auch schick aus.“ In jüngster Zeit habe die Handlettering-Mode Kalligrafie wieder stärker ins Bewusstsein gerückt.

Dass sich die Schönschrift auch in den Computer hinüber gerettet habe, sei dem Nürnberger Schreibmeister und Typografen Hermann Zapf zu verdanken. Ihm habe Apple-Gründer Steve Jobs, der selbst ein halbes Jahr lang die Kalligrafie studierte, einen seiner Computer geschenkt, mit der Bitte, seine Schriftkunst ins Programm einzuarbeiten. „Microsoft hat das später übernommen. Darüber machen wir uns alle viel zu wenige Gedanken.“

„Ich pflege meine Handschrift, irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, dies als Kurs anzubieten. Ich bin da maximal infiziert.“ Weihnachts- und Glückwunschgrüße gebe es von ihr nur handschriftlich. „Die Schreibwarengeschäfte sind voll von schönem Papier.“

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