14.02.2021 - 12:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zu kalt für Schule und Krankenhaus: Weiden und das große Bibbern von 1956

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Bibbern bei zweistelligen Minusgraden: Das ist in Weiden und im Landkreis Neustadt angesagt. Doch minus 19 Grad muten im Vergleich zu Februar 1956 harmlos an: Damals gab’s in Weiden minus 32,8 Grad. Keine leichte Zeit.

Eiskalt mag es aktuell sein. Aber es ging schon weit kälter, wie das Bild mit dem Eisstau auf dem Flutkanal aus dem Jahr 2006 zeigt. Da können die Kristalle auf der Oberfläche gerade nicht mithalten.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Auch wenn die Hoffnung keimt, Weiden und die Region tauen bald wieder auf. Bislang herrschen extrem tiefe Höchstwerte: So nennen Wetterexperten den strengen Frost. Doch die klirrende Kälte in den vergangenen Tagen erscheint wohlig warm im Vergleich zum Februar 1956.

Im Stadtarchiv Weiden finden sich entsprechende Aufzeichnungen. Am 2. Februar 1956 zum Beispiel heißt es: "Seit Anfang der Woche hat sich eine beißende Kälte eingestellt, die neben anderen Unannehmlichkeiten auch eine Reihe von Zugverspätungen zur Folge hat." Hier ahnte noch keiner, dass es noch viel extremer werden würde. "Es herrscht strenges Frostwetter mit nächtlichen Tiefsttemperaturen unter minus 20 Grad", wird schließlich eine Woche später am 9. Februar niedergeschrieben. Die klirrende Krönung folgte in den Morgenstunden des 10. Februar, als "in der Wetterwarte Weiden 32,8 Grad unter Null gemessen [wurden], die tiefste Temperatur seit 1929". Damals war Weiden der fünftkälteste Ort Deutschlands, und dieser Rekordwert von einst gilt noch heute. Trotz heftiger Kältewellen auch im Winter 1996/1997 oder trotz eisiger Monate wie etwa der Januar 2006 einer war. Damals bildete sich gar ein "Eisstoß" auf dem Flutkanal, wie sich Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Weiden an die aufgetürmten Eisplatten erinnern.

Doch zurück ins Jahr 1956: Auch der Landkreis Neustadt lebte in einer Tiefkühltruhe. Bei minus 32,1 Grad froren laut den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes die Speinsharter. Für den östlichen Teil des Landkreises gibt es zwar keine offiziellen Messwerte, dafür Schlagzeilen im "Neuen Tag" über drohende Schulschließungen in Floß, weil das Schulhaus schlicht nicht mehr ausreichend beheizt werden konnte. Kohle als Heizmittel ging zur Neige.

Doch auch Weiden kämpfte mit Heizmittelknappheit. Mit Lockdown-ähnlichen Folgen. So heißt es im "Zeitbuch" des Stadtarchivs, dass es weiter um die 27 Grad Kälte hatte: "Um den Betrieb im städtischen Krankenhaus bei der augenblicklichen Kohlenknappheit aufrecht erhalten zu können, bleiben alle Volksschulen, die Berufsschule und die Mädchenoberschule sowie das städtische Wannenbad von Mittwoch, 22. Februar, bis Samstag, 3. März, geschlossen." Obendrein wird vermerkt: "Im Kraftwagenverkehr hatte der Abschleppdienst Hochbetrieb." Und: "Spengler und Installateure hatten vollauf zu tun, um Wasserleitungen etc. aufzutauen."

Das sagt der Wetterexperte aus Störnstein

Störnstein

Und wie steht es bei den aktuellen Frosttemperaturen um die Wasserleitungen? Drohen sie zu platzen? "Generelle Vorsichtsmaßnahmen gibt es nicht", heißt es seitens der Stadtwerke auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Akute Fälle von Rohrbrüchen wegen der Tiefsttemperaturen werden bislang nicht offenbar. "Aber der Verbrauch von Gas steigt bei diesen Temperaturen schon an", heißt es. Strom werde nur dann mehr benötigt, wenn damit geheizt werde.

Hintergrund:

Stadtwerke Weiden: Leitungsschäden bei Kälte?

  • Wann platzen Wasserleitungen? Wasser dehnt sich aus, wenn es gefriert, also bei 0 °C. Die Leitungen können platzen, wenn sie einfrieren – müssen aber nicht.
  • Wie gefährdet sind die Hauptleitungen? Hauptleitungen sind im Boden auf Frosttiefe verlegt, ein Einfrieren ist hier nicht möglich.
  • Wieso brechen Leitungen eher, wenn es schon wieder wärmer wird? Kritisch sind durch den Frost im Erdreich bedingte Erdbewegungen, da Wasser sich auch im Boden ausdehnt. Gerade beim Auftauen können weitere Bewegungen im Boden erfolgen
    - und eine Wasserleitung bricht.
  • Was raten die Stadtwerke-Experten? Vorsichtsmaßnahmen gibt es nicht. Aber nicht bewohnte Häuser und auch Wohnungen sollten dieser Tage zumindest etwas beheizt sein.

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