Heribert Stock ist zu beneiden. Mit 85 präsentiert er sich braungebrannt, topfit und voller Pläne. Gerade kommt er vom Paddeln auf der Donau zurück und schwärmt schon von weiteren Trips. "300 Kilometer die Elbe runter von Bad Schandau bis Magdeburg mit Frau und Zelt. Mir gefällt das."
Stock war früher Wanderwart der ehemaligen Kanuabteilung der SpVgg Weiden. 1977 organisierte er ein Treffen von Bootfahrern mit 500 Teilnehmern aus ganz Süddeutschland in seiner Stadt. Er wollte Kanufahren als Volkssport in Bayern etablieren und feierte dabei auch Erfolge. "Es war mal eine Zeit lang als differenzierter Sportunterricht am Gymnasium im Angebot." Vieles davon ist wieder eingeschlafen, bedauert der Vorreiter der Hospizbewegung in Weiden und frühere Kreditabteilungsleiter der Bayerischen Vereinsbank.
So vielseitig und tatendurstig Stock ist, so streitbar kann er sein. In den 1980er und 90er Jahren legte er sich mit einer Altenstädter Bleikristallfirma an, der er Säure-Einleitung in die Waldnaab vorwarf. Die wiederum nannte ihn einen Arbeitsplatzgefährder.
Gefährlicher Düker
Im Ruhestand wurde es ruhiger um den rührigen Sportsmann und Naturfreund. Seit einigen Wochen ist er aber wieder im Angriffsmodus. Polizei, Stadt, Wasserwirtschaftsamt, Bayerischer Kanuverband - bei all diesen Institutionen schwimmt Stock gegen den Strom. Sein Anliegen: Der neu gebaute und 2021 eröffnete Düker, wo die Waldnaab den Flutkanal zwischen Weiden und Schirmitz kreuzt, birgt Lebensgefahr für Kanufahrer, vor allem für Kinder. "Dort gibt es keine richtige Ausstiegsstelle, sondern nur einen Notausstieg. Da ist ein Sog, der in den Düker reinzieht." Das bringe auch Stand-Up-Paddler in Nöte. Die könnten dort nicht mehr wenden. Ein Schild, das auf die Gefahr hinweist, ist Stock zu wenig.
Seine Forderung: Bessere Beschilderung mit Gefahrenhinweis auf der Alten Naab schon ab dem Hammerweg-Wehr oder den Bereich vom Mittleren Wehr am Stadtbad bis zum Düker für den Wassersport ganz sperren. Kanuten, die die Alte Naab flussabwärts fahren, sollten spätestens im Stadtbad aussteigen müssen. Sie könnten ihr Auto am DJK-Heim abstellen und ihr Boot wieder bei Neubau oder hinter Rothenstadt bei der Stroblmühle zu Wasser lassen.
Bislang ist Stock bei den zuständigen Stellen damit abgeblitzt. Das Wasserwirtschaftsamt hat ihm schriftlich erklärt, warum: Sämtliche Sicherheitsaspekte seien während der Düker-Bauphase geprüft worden, auch in Abstimmung mit dem Bayerischen Kanuverband. Es gebe eine Ausstiegshilfe sowie Warnschilder "in ausreichender Zahl". Zusätzlich sei wie beim vorherigen Düker ein Seil samt Warnschild in genügend Abstand zum Düker gespannt worden. Am Bauwerk selbst sei als zusätzlicher Schutz eine Stange über dem Einlauf angebracht.
"Das ist mir als Antwort zu wenig", sagt Stock. In den 1950er Jahren seien nahe des Dükers zwei Mädchen ertrunken, er selbst sei dort auch schon mal als junger Kerl in Gefahr geraten.
Marcus Rudnik vom Verein Kanu Weiden, dem Nachfolgeclub der SpVgg-Kanuabteilung, stellt klar, dass das Mitglied Heribert Stock nicht im Namen des Vereins agiert. Für den von Stock beanstandeten Bereich seien das Umweltamt der Stadt und das Wasserwirtschaftsamt zuständig. Im Umfeld von Kanu Weiden klingt es manchmal genervt, wenn die Rede auf Stock kommt. Rudnik bleibt diplomatisch: "Ich habe keine Zahlen, aber es sind dort kaum Wassersportler unterwegs. Normalerweise kann man jedem nur abraten, in Weiden ins Kanu zu steigen." Allein die vielen Wehre zwischen Hammerweg und Leihstadtmühle machten eine Fahrt nicht zum Vergnügen. Ähnlich sehen es Josef und Stephanie Dostler von der Leihstadtmühle.
Empfehlung: Bootswanderweg
Der offizielle Kanu-Wanderführer des Verbands rät ohnehin, vor dem Düker auszusteigen und bei ausreichend Wasser nahe Neubau im Flutkanal weiterzufahren. Denn der eigentliche Bootswanderweg auf der Naab lässt Weiden aus und beginnt erst bei Oberwildenau. Dieser Einstieg wird in der Nordoberpfalz allen Ausflüglern empfohlen. Stock wundert das nicht: "Diese Wanderwege haben die Bootsverleiher angelegt, die damit Geld verdienen. Und den Wanderführer haben die Leute auch nicht immer einstecken."
Zurück an den Düker. Vorderhalb ist die Uferböschung voller Steine, was den Ausstieg schwierig macht. Stock hofft daher auf Reinhold Wildenauer. Der Dritte Bürgermeister ist zugleich DJK-Vorsitzender. Als solcher habe er in Aussicht gestellt, dass nahe des Vereinsgeländes eine Treppe zum Flutkanal angelegt werden könnte, als letzter Ausstieg vor dem Düker.
Was will Heribert Stock jetzt tun? Klagen möchte er nicht, aufgeben indes auch nicht. Denn dazu ist er noch zu fit.
Der Waldnaab-Düker
- Betonleitung, in der die Waldnaab den Flutkanal unterquert, 1938 angelegt
- 50 Meter lang, 18 Meter breit, 9 Meter unter dem Flutkanal
- 2014 Planung des Neubaus; 2019 Baubeginn, 2021 Fertigstellung
- Bauarbeiten in 10 Metern Tiefe in einem 55 mal 20 Meter großen Spundwandkasten
- Kosten: 3 Millionen Euro, finanziert durch den Freistaat















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