03.12.2018 - 15:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Karolina eV. will Familienzentrum bauen

Der Weidener Verein Karolina eV. stellt in der Jahreshauptversammlung seine Idee eines Familienzentrums vor. Bei Erziehungsproblemen in Familien müsse rechtzeitig gehandelt werden, um Kinder zu schützen.

Die beiden Vorsitzenden Tina und Ralf Kiener mit dem neugewählten Protokollführer Dennis Peschel (rechts).
von Helmut KunzProfil

Der Verein "Karolina" plant 2019 die Errichtung eines Familienzentrums in Weiden oder in der näheren Umgebung. Wie Vorsitzender Ralf Kiener am Freitag in der Jahreshauptversammlung erklärte, habe man mit der Politik bereits Kontakt aufgenommen. "Es wurde Interesse signalisiert." Kiener stellt sich ein Haus für 20 zu betreuende Familien mit Erziehungsproblemen vor.

In diesem Zentrum würden die Betroffenen rund um die Uhr betreut. Um dies zu gewährleisten, würde sich die Vorstandschaft ein Projekt ähnlich eines Gesundheitszentrums wünschen. Um die Anlage mitzufinanzieren, wäre es überlegenswert, dass sich Logopäden und Therapeuten mit ihren Praxen im Gebäude einmieteten. Im restlichen Bereich sollten dann die Familien wohnen.

Vor Ort müsste ein ständiger Ansprechpartner sein. Man wolle den Problemfamilien insgesamt ein gesundes Wohnumfeld bieten, was ihnen helfen würde, aus ihrem Teufelskreis auszubrechen. Vom Aufwand her sei die Überlegung für den Verein ein völlig neues Kaliber. "Für die Umsetzung suchen wir Spender."

Schutz vor jeglicher Gewalt

Wie zweite Vorsitzende Tina Kiener erläuterte, begann der Verein 2016 mit sieben Gründungsmitgliedern. Inzwischen sei "Karolina" auf 38 Mitglieder angewiesen. Vier weigerten sich, Beiträge zu leisten. Weshalb ein Anwalt tätig werden musste. Der Verein kümmere sich um die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern. Auch um Schutz vor Ausgrenzung und vor Gewalt jeder Art. Dennis Peschel wurde zum Protokollführer gewählt.

Kiener weiter: "Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich unser Verein 2017 positiv entwickelt hat." Es sei vor allem darum gegangen, das Problem Kindesmisshandlung in die Öffentlichkeit zu bringen, Kontakte zu Jugendämtern herzustellen, Familien und Pflegeeltern zu betreuen und das Umfeld der Kinder zu sensibilisieren. "Wir haben Therapiestunden übernommen, die von den Kassen nicht bezahlt werden." Leider gebe es nach wie vor zu wenige Therapeuten. "Wir versuchen, Müttern die Angst zu nehmen, sich an uns zu wenden, weil sie glauben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden."

Vielfache Dunkelziffer

Nach offiziellen Angaben würden bundesweit jährlich 240 000 Kinder misshandelt. "Diese Zahlen müssen nach oben korrigiert werden", sagte Ralf Kiener. "70 Prozent der sexuell missbrauchten Kinder bleiben unentdeckt." Die Dunkelziffer misshandelter Kinder liege beim Vierfachen der offiziellen Zahlen. "Wir sprechen hier von schweren Misshandlungen."

Der Vorsitzende: "Wenn draußen zehn Kinder sind, ist eines statistisch gesehen, schwer geschädigt. Zwei weitere fallen immerhin noch unter unsere Vereinsstatuten." Das Problem: Sogar Jugendämtern seien Hände gebunden. "In Deutschland steht das Elternrecht über dem Wohl der Kinder." Es sei schwer, betroffene Kinder aus Familien zu holen.

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