08.08.2019 - 18:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wer kauft denn so ein Haus?

Für die einen ist es "eine alte Bruchbude", für die anderen "der größte Schandfleck" der Stadt. Besonders schlimm: Das total heruntergekommene "Hammer-Haus" ist im städtischen Besitz. Aber auch das soll sich nun ändern.

Seit über 30 Jahren ist das „Hammer-Haus“, Frauenrichter Straße 21, unbewohnt und inzwischen wohl auch unbewohnbar. Die Stadt, die das Gebäude Mitte der 80er Jahre erwarb, um es für die Verbreiterung der Frauenrichter Straße abzureißen, hat nie investiert. Nun steht das Haus zum Verkauf.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Seit Jahrzehnten verhandeln die Stadt und der Nachbar um die Beseitigung des Missstandes. Und damit ist nicht nur das Hammer-Haus gemeint, sondern auch die verkehrliche Engstelle vor dem Eingang zum "Brezen-Beyer". Immer wieder wurden neue Lösungsvarianten durchgespielt, aber nie verwirklicht. Immer noch unklar ist, ob und wie das Problem an der Engstelle der Frauenrichter Straße zu lösen ist.

Unsicherheiten

Mitte der 80er Jahre erwarb die Stadt Weiden das "Hammer-Haus" (übrigens aus dem Besitz der Familie Beyer, die es aus der Insolvenz der Hammer-Seilerei gekauft hatte), um es abzubrechen und zumindest einen Teil der Fläche der Frauenrichter Straße oder dem Gehsteig zuzuschlagen. Allerdings zeigte sich schnell, dass dies einfacher gewünscht als getan war: Beyer- und "Hammer-Haus" teilen sich nämlich im Giebel eine "gemeinsame Kommunwand". Da das "Hammer-Haus" älter ist, "lehnt" sich das Nachbar-Anwesen an. Beim Abbruch wäre ein enormer Aufwand nötig, um den Giebel des bereits sanierten Beyer-Anwesens zu erhalten.

Seit sechs Jahren liegt ein neuer Bebauungsplan-Entwurf in den Schubladen, der den derzeitigen Zustand festschreibt. Er findet aber nicht die Mehrheit im Stadtrat: Erst im März vertagte der Bau- und Planungsausschuss eine Entscheidung. Im neuen bereits im Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten soll besonders die Situation an dieser Engstelle untersucht werden. Auch die Antwort auf die Frage, was dort möglich und nötig ist, wurde in die städtebauliche Entwicklungsstudie Innenstadt West verschoben. Die Stadträte ziehen nämlich zunehmend das Verkehrsgutachten von Dr. Reinhold Baier in Zweifel, das die derzeitigen Verkehrsflächen als ausreichend einstuft.

Gehsteig durchs Haus

Gültig ist damit immer noch die Planung aus dem Jahr 1995, die die Beseitigung der Engstelle am "Beyer-Eck" vorsieht: mit Abbruch/Zurücksetzen des "Hammer-Hauses" und die Weiterführung des Gehweges der Frauenrichter Straße über das Beyer-Grundstück. Dazu soll das Beyer-Gebäude entweder ebenfalls von der Frauenrichter Straße "abrücken" oder seine Fassade geöffnet werden, um - in einer Arkadenlösung - den Gehweg durchs Haus zu führen. Dafür gab es bereits einen notariellen Vorvertrag, der dann aber nicht vollzogen wurde.

Geplant war auch, dass die Familie Beyer, in deren Areal das "Hammer-Haus" "wie auf einer Insel" steht, das Gebäude erwirbt und mit einer neuen Bebauung die Lücke hin zum modernen Wohn- und Geschäftshaus auf dem Eger-Grundstück schließt. Diese Variante wurde ebenfalls zu den Akten gelegt.

Die Stadt versucht nun mit einer radikalen Maßnahme, die Probleme auf einen Schlag los zu werden. Wenngleich sich viele im Finanzausschuss die Frage stellten, wer denn - außer dem Nachbarn - "so was kauft", beschlossen sie, das "Hammer-Haus" "an den Meistbietenden" zu verkaufen. Diesen Beschluss setzt die Stadtkämmerei derzeit um: Immobilien-Experten zeigen sich dabei keineswegs überrascht, dass innerhalb von nur zwei Tagen eine handvoll Angebote bei der Liegenschaftsabteilung eingingen. "Die Innenstadtlage macht's. Sie zieht."

Trotz der vielen Unwägbarkeiten sind deshalb die 127 Quadratmeter Grund mit darauf 290 Quadratmetern Nutzfläche bei den Investoren gefragt. "Für uns deutet sich ein sehr spannendes Verfahren an", verlautet aus dem Rathaus. Die Stadt hatte übrigens selbst versucht, das seit 40 Jahren leerstehende Haus zu revitalisieren. Trotz der Förderung im sozialen Wohnungsbau ließ sich das Projekt "nicht rechnen". Angemerkt

Info:

Nachbar Philipp Beyer: "Das kostet Nerven"

Die Stadt sei mitunter ein schwieriger Partner, stellt Philipp Beyer fest, der selbst dem Stadtrat angehört. Der Zickzack-Kurs bei der Gestaltung der Frauenrichter/Ecke Lerchenfeldstraße, mit der auch die Zukunft des angrenzenden "Hammer-Hauses" verbunden sei, "kostet uns Nerven". Es bleibe unverständlich, dass gerade jetzt der Verkauf des "Hammer-Hauses" ausgeschrieben werde, wo doch wichtige Fragen offen seien. "Ich erwarte, dass die Stadt die längst beschlossene Änderung des Bebauungsplanes umsetzt, damit jeder Bieter rechtliche Klarheit erhält." Zur Klarheit gehöre auch, dass jeder Interessent wissen sollte, dass das "Hammer-Anwesen" selbst keinen Quadratmeter Umgriff habe. "Weil jeder Quadratzentimeter rund um das Haus uns gehört." Bei einem Abbruch verfalle das bisher eingeräumte Gehrecht über Beyer-Flächen zum Eingang an der Rückseite

Kommentar:

Die Katze im Sack

In den 80er Jahren erwirbt die Stadt das „Hammer-Haus“, um es abzubrechen und die Frauenrichter Straße zu verbreitern. Das sieht der noch heute gültige Bebauungsplan vor. Das Haus steht seitdem leer, wird zum Schandfleck. Über Jahre erstrecken sich die Gespräche mit dem Nachbarn, der es zurückkaufen will. Doch man kommt auf keinen grünen Zweig.
Die vor fünf Jahren angestoßene Änderung des Bebauungsplanes, die den Status quo an der Engstelle festschreibt, lässt sich nicht durchsetzen. Es scheint auch der Mut der Verzweiflung zu sein, mit dem die Stadt nun den Verkauf des Hammer-Hauses an den Meistbietenden ausschreibt.
Trotz der gänzlich ungeklärten Rechtslage gibt es Investoren, die die Katze im Sack kaufen wollen. Sie wissen nicht, wie sie die 127 Quadratmeter große total überbaute Fläche nutzen können. Müssen sie doch noch das Haus abbrechen, den Nachbargiebel abfangen? Dürfen sie sanieren? Lohnt der Aufwand? Eine handvoll Interessierter ist in nur zwei Tagen bereit, Risiko zu gehen. Kann die Innenstadtlage so begehrt sein?

Josef Johann Wieder

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Kommentare

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Natascha Horn

Sehr interessanter Artikel. Ich würde ihn gerne lesen, wenn da nicht immer diese Pop-up Werbungen wären, die sich stellenweise auch nicht mit dem Schließen-Kreuzchen schließen lassen

08.08.2019
Natascha Horn

Sehr interessanter Artikel. Ich würde ihn gerne lesen, wenn da nicht immer diese Pop-up Werbungen wären, die sich stellenweise auch nicht mit dem Schließen-Kreuzchen schließen lassen

08.08.2019