22.11.2019 - 15:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kein Geld fürs "Leuchtturmprojekt"

Mit 30 000 Euro will der Bayerische Jugendring eine Weidener Jugendkultur-Reihe fördern. Von einem "Leuchtturm-Projekt" ist gar die Rede. Doch dann gehen die Lichter aus.

Sie haben es sich so schön ausgemalt. Drei Jahre sollte das "Schlüsselloch"-Kulturprojekt dauern. Mit einer Open-Air-Ausstellung und Live-Kunst startete es Ende Oktober. Doch jetzt ist erstmal Schluss.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Verantwortlichen des Bayerischen Jugendrings (BJR) erkannten eine "herausragende Idee", schwärmten öffentlich von einem "Leuchtturmprojekt": In einer ausgedehnten dreijährigen Veranstaltungsreihe sollten Weidener Jugendliche ihre Träume und Ängste schildern - unter anderem in Theaterstücken, Bildern und Musik. Titel: "Durchs Schlüsselloch geschaut - Wer bin ich? Was kann ich? Was macht mich aus?" Im September sicherte der BJR begeistert die Übernahme der Kosten zu - 30 000 Euro -, mit einer nächtlichen Open-Air-Ausstellung am 25. Oktober lief das Projekt an. Doch nach weiteren Aktionen wie einer Musikproduktion und einem Poetry-Slam-Workshop muss Betreuerin Julia Zimmermann vom Jugendzentrum schon wieder auf die Bremse treten. Der Bayerische Jugendring hat die zugesagten Mittel für die Jahre 2020 und 2021 völlig überraschend gestrichen.

Plötzliche Finanznöte in München

Zimmermann ist gerade dabei, Briefe an die Projektpartner aufzusetzen, in denen sie die "Schlüsselloch"-Reihe ab dem Jahreswechsel für zunächst beendet erklärt. Unter Federführung des Jugendzentrums arbeiten bei dem Projekt fünf Weidener Schulen sowie der Verein "Das magische Projekt" zusammen. Bisher 8000 Euro seien für die Aktionen 2019 geflossen, berichtet sie. Ob es aber auch die restlichen 22 000 irgendwann noch geben wird, steht in den Sternen. "So wie's aktuell aussieht, wird daraus nichts", bedauert Florian Vogel, Vorsitzender des Stadtjugendrings (SJR). Am Donnerstag informierte er zunächst im Jugendhilfeausschuss, dann in der Vollversammlung des SJR über die Entwicklung. "Da wird ein Förderprojekt abgelehnt, obwohl es als förderwürdig erachtet wird."

Als Grund nennen Vogel und SJR-Geschäftsführer Ewald Zenger plötzliche Finanznöte des Bayerischen Jugendrings. "Er braucht das Geld, um vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen - sprich: um die eigenen Mitarbeiter zu bezahlen." Die Staatsregierung habe dem BJR zwar viereinhalb neue Stellen genehmigt, aber tarifliche Steigerungen bei den Personalkosten nicht berücksichtigt. Nun fehlten insgesamt eineinhalb bis zwei Millionen. Der BJR behelfe sich, indem er das Geld von Förderprogrammen abzieht, die eigentlich der Basis zugute kommen sollten. Betroffen sind unter anderen Bau- und Bildungsmaßnahmen von Jugendverbänden. Oder Sonderförderungen für die Jugendkultur - wie eben für das "Schlüsselloch"-Projekt.

Hoffen auf Nachtragshaushalt

"Wir hoffen noch, dass ein Wunder passiert", meint Zenger: Die hiesigen Landtagsabgeordneten von CSU, SPD und FDP seien eingeschaltet. Stephan Oetzinger (CSU) muss die Hoffnungen auf NT-Nachfrage allerdings dämpfen: Der bayerische Sozialhaushalt sei schon jetzt "stark überdehnt". Nach Auskunft des Staatsministerium für Soziales kürzte der BJR die Mittel für "schulbezogene Jugendarbeit 2020" Ende Oktober in eigener Verantwortung auf 210 000 Euro. 2018 hatte der 320 000, 2019 gar 364 500 Euro zur Verfügung gestellt.

Per Antrag will Annette Karl (SPD) die vermeintlich notorische Unterfinanzierung des Jugendrings im Landtag beleuchten. Thomas Vitzthum vom Bezirksjugendring erkennt immerhin "vorsichtig positive Signale", dass die fehlenden Mittel noch im Nachtragshaushalt 2020 auftauchen könnten. Den allerdings würde der Landtag erst im Mai verabschieden. Würde der BJR das "Schlüsselloch"-Projekt dann erneut als förderwürdig anerkennen, könnte es frühestens im September fortgesetzt werden, sagt Julia Zimmermann. Eine neunmonatige Zwangspause müsste sie also auf jeden Fall hinnehmen. Zenger: "So kann man nicht planen."

Vollversammlung des Stadtjugendrings:

Empörung über AfD-Antrag

Von wegen „Aufstockung“: Sogar eine Mittelkürzung um zwei Millionen Euro beantragte die Landtags-AfD für den Bayerischen Jugendring. Begründung: Die Förderung komme auch dem SPD-nahen Mitgliedverband „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“ zugute. In der Vollversammlung des Stadtjugendrings zeigte sich nicht nur Bürgermeister Jens Meyer (SPD) über dieses Ansinnen entrüstet. Thomas Vitzthum vom Bezirksjugendring rechnete vor, dass den Jugendverbänden dann zusammengerechnet vier Millionen Euro fehlen würden: „Nicht auszudenken, was es dann alles nicht mehr geben würde.“

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