30.05.2021 - 12:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kein Hunde-Häufchen in Wiesen liegen lassen: Weil den Rindern nicht nur der Appetit vergeht

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Hundekot im Futtertrog. Das darf nicht sein. Denn die Häufchen sind gefährlich: Gelangen Parasiten mit den Kotkrümeln ins Tierfutter, bedeutet dies für die Rinder Krankheit und Tod. Bei der Grasernte fährt bei den Bauern die Angst mit.

Vorbildlich: Die Hunde sind angeleint. Und die gefüllten Tütchen an der Leine zeigen, dass auch die Hinterlassenschaften der Tiere nicht in der Wiese liegen blieben.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Sorgen der Landwirte über Hundekot auf den Wiesen treibt auch den Bayerischen Bauernverband um: Kreisbauer Josef Fütterer und Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl bitten die Gassi-Geher um besondere Rücksicht und Sorgfalt: "Hunde-Häufchen" sollten unter allen Umständen aus dem Gras entfernt und entsorgt werden. Am besten aber: Herrchen und Hund machen einen großen Bogen um die derzeit hoch bewachsenen Wiesen.

Gras nicht mehr nutzbar

"Je näher unsere landwirtschaftlichen Flächen an Siedlungsgebieten liegen, umso größer sind die Probleme mit dem Hundekot. Dies gilt von Kirchenthumbach bis rüber nach Eslarn", betont BBV-Kreisobmann Josef Fütterer beim Ortstermin in Rupprechtsreuth. Hier, zwischen Weiden und Mantel, sind besonders viele Gassi-Geher mit ihren Hunden unterwegs. Und vielen Herrchen ist es schlichtweg egal, wo sich die Tiere erleichtern. Der Hundedreck bleibt liegen. Auch in den Wiesen, die auf den ersten Schnitt warten.

An manchen Stellen häufen sich nicht nur bei Rupprechtsreuth die Häufchen derart, dass eine Mahd nicht mehr sinnvoll ist. Josef König betreibt mit seinem Sohn Lorenz und Enkel Johann einen Biobetrieb im Manteler Ortsteil. Er setzt mit Nachbar Christian Ziegler, ebenfalls Landwirt, die Hinweisschilder, die Hundebesitzer und Fellnasen von ihren Wiesen fernhalten sollen.

Gefährliche Kotkrümel

Die Bauern in der Nordoberpfalz starten derzeit mit dem "Silieren". Die meisten Wiesen sind - mit etwa dreiwöchiger Verspätung - endlich abgetrocknet und befahrbar. Das Gras steht hoch. Die Landwirte dürften eigentlich eine gute Silage alswertvolles Grundfutter für ihre Rinder erwarten, das nun eingefahren und auf den Höfen "gebunkert" werden kann.

Aber die Freude bleibt verhalten. Das liegt auch an den Hundehäufchen, die im Gras verborgen liegen, vom Mähwerk erfasst, zerkleinert und verteilt werden könnten. Auf Krümelgröße wird der Hundekot dann im Häcksler geschreddert und nochmals verteilt. Stecken die gefährlichen Parasiten in den "Fremdkörpern", explodieren die "Tretminen" bei der Fütterung der Rinder.

20 Kühe eingegangen

Der Bauernverband wolle um Verständnis für die Anliegen der Landwirte bei den Hundebesitzern werben. "Sie lieben ihre Vierbeiner. Die Hunde brauchen sicher ihren Auslauf. Auch wir lieben unsere Tiere. Aber wir müssen von ihnen leben", betont Ulrich Härtl, der die Kreisverbände Weiden-Neustadt und Tirschenreuth als Geschäftsführer betreut. Er widerspricht auch der landläufigen Meinung, Äcker und Wiesen seien für jedermann frei zugänglich. Während der Vegetationszeit bis hin zur Ernte sei das Betreten von landwirtschaftlich genutzten Flächen schon gesetzlich nicht erlaubt. Gerade die oftmals "gereizt" reagierenden "Landtouristen", die ihre Hunde frei durch die Fluren toben ließen, wollten dies leider nicht akzeptieren.

Bei den Landwirten in der Region unvergessen ist das Unglück, das einen Betrieb vor gut einem halben Jahrzehnt in Windischeschenbach traf: Durch Hundekot im Futter gingen einem Neuhauser Betrieb 20 Hochleistungskühe verloren. "Die Tierseuchenkasse springt in diesen Fällen nicht ein: Der Bauer blieb auf seinen Schaden von über 40 000 Euro sitzen. Der Eintrag der Parasiten durch Hundekot wurde damals per Untersuchung bewiesen", erklärt Kreisbauer Fütterer.

Beutelautomaten helfen

Jeder Kotbeutelautomat, den die Gemeinden aufstellen, helfe den Bauern, betont der BBV-Kreisobmann. Allerdings müssten die Kommunen noch deutlich mehr Abfalleimer installieren, "denn viel zu viele benutzte Beutel landen immer noch irgendwo in der Natur". Nicht jedes Herrchen oder Frauchen sei bereit, die Hinterlassenschaften ihres Hundes - wenn sie denn schon eingesammelt wurden - auch noch kilometerweit durch die Landschaft zu tragen. Und deshalb müssten zumindest entlang der bekannten Hundestrecken auch immer mehr Abfalleimer angeboten werden.

Hundekot: Die Häufchen des Elends

Amberg
BBV-Kreisvorsitzender Josef Fütterer (rechts) und BBV-Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl machen auf die großen Gefahren aufmerksam, die von Hundehäufchen auf den Wiesen ausgehen.
Die ganze Familie König wirbt bei den Hundebesitzern um Verständnis. Lorenz König wird dabei von Enkel Johann, Sohn Josef und Nachbar Christian Ziegler (von links) unterstützt.
Erwischt. Was macht denn der da?
Hintergrund:

Parasiten im Hundekot

  • Hundekot auf der Wiese ist nicht nur unappetitlich, sondern auch gefährlich für Weidetiere.
  • Wenn Weidetiere Hundekot fressen, können sie sich mit Parasiten infizieren. Mit Silage oder Heu kommen die Erreger in den Stall.
  • Neospora Caninum: Bei diesem Parasit ist der Hund der sogenannte Endwirt, das heißt, der Hund trägt den Parasit, ohne dass das von außen zu erkennen ist. Nimmt eine Kuh verseuchten Hundekot auf, wird sie zum Zwischenwirt. Sie infiziert sich also. Der Parasit führt dazu, dass Kälber tot geboren werden
  • Sarkosporidien: Diese Parasiten nisten sich beim Rind in dessen Muskulatur ein. Auch Menschen können sich beim Verzehr von Rindfleisch infizieren. Die Parasiten können Brech- und Durchfallsymptome erzeugen. Die Rinder magern stark ab und sterben.
  • Für Gassi-Geher: Landwirtschaftlich und gärtnerisch gewidmete Flächen dürfen während der Nutzzeit (in der Vegetation bis einschließlich Ernte) nur auf vorhandenen Wegen betreten werden.

 

 

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