01.10.2020 - 14:46 Uhr
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Hundekot auf Feldern: Die Häufchen des Elends

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Kaum etwas lässt die Emotionen von Landwirten und Hundebesitzern so hochkochen wie die Hinterlassenschaften der Vierbeiner auf Feldern und Wiesen. Dabei ist Hundekot eine Bedrohung für die Gesundheit von Mensch und Rind.

Oft ignorieren Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner. Landwirten stößt das sauer auf. Der Hundekot ist eine Gefahr für die Gesundheit ihrer Rinder.
von Christa VoglProfil

Am Rande seiner Wiese hat der Landwirt einen mannshohen Holzpfosten in das Erdreich gerammt. Daran ist in Augenhöhe ein Schild befestigt, auf dem in großen Lettern steht: "Hier beginnt die Salatschüssel meiner Kuh und nicht das Klo Ihres Hundes." Warum der Landwirt das gemacht hat? Auf dem Weg entlang seines Feldes sind tagein, tagaus viele Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs. Und die hinterlassen Häufchen auf den Wiesen. Vorbildliche Herrchen und Frauchen entsorgen sie in "Dog Stations" oder werfen sie zu Hause in die Restmülltonne. Doch oft genug ignorieren Hundehalter die Kothaufen ihrer Lieblinge.

Doch ist es erlaubt, die Hunde-Hinterlassenschaften einfach auf Äckern und Wiesen, also landwirtschaftlich genutzten Flächen, oder an deren Randstreifen liegen zu lassen? Gabriele Dürer, die als Sachbearbeiterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg tätig ist, verweist auf das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG): Es gibt detailliert Auskunft darüber, wo Hunde in der Regel ausgeführt werden dürfen oder nicht, wo sie an der Leine geführt werden müssen, wo sie ihr Geschäft nicht verrichten dürfen (siehe "Hintergrund").

Extreme Verunreinigungen

Dürer wird oft von Landwirten angesprochen, die Probleme mit Hundekot auf ihren Feldern haben. "In manchen Gebieten ist das Aufkommen von Hundekot extrem", erzählt die Fachberaterin für Rinderhaltung am "Landwirtschaftsamt". Manche Flächen könnten zumindest in Teilbereichen gar nicht mehr zu Futterzwecken genutzt werden.

Da helfe laut Aussage der betroffenen Landwirte auch das Aufstellen von Schildern oder das freundliche Ansprechen und Aufklären der Hundebesitzer nicht. An häufig frequentierten Wegen würde das Gras schon gar nicht mehr als Futter genutzt, sondern nur noch "abgemulcht", also abgemäht und liegengelassen, weil die Verunreinigung durch Hundekot extrem sei. Die Landwirte sagen: "Das kann ich meinen Tieren nicht antun."

Auf der anderen Seite stehen die Hundehalter, die argumentieren: Auf dem Feld wird doch auch Gülle ausgebracht. Warum sollte ich dann die Hinterlassenschaft meines Hundes wieder mitnehmen? Das sei jedoch falsch. Denn, so Dürer: "Gülle ist ein wertvoller Wirtschaftsdünger, der mehr als 90 Prozent Wasser enthält und von reinen Pflanzenfressern stammt. Die Landwirte bringen diesen Dünger gleichmäßig verteilt und mit großem zeitlichen Abstand zur Futternutzung aus. Hundekot wird dagegen in konzentrierter Form oft unmittelbar vor der Mahd abgesetzt." Und das seien "ganz unterschiedliche Paar Stiefel".

Oft bekämen Landwirte auch zu hören, dass wegen "der paar Hundehaufen" die Qualität des Futters nicht leiden würde. Doch das lässt Dürer nicht gelten: "Jeder Hundebesitzer weiß, wie sein eigener Garten nach ein paar Tagen aussieht, wenn der Vierbeiner dort regelmäßig sein Geschäft verrichtet und der Kot nicht eingesammelt wird." Auf den Feldern und den dazugehörenden Randstreifen gerade in Stadtnähe sei es ähnlich: "Da marschieren jeden Tag so viele Menschen mit Hunden vorbei. Das sammelt sich an."

Parasiten im Hundekot

Hundebesitzer sollten im eigenen Interesse dafür sorgen, dass sie den Kot ihrer Vierbeiner aufsammeln, da dieser häufig Parasiten aufweist. Zum Beispiel Spulwürmer, die für andere Tiere, aber auch für den Menschen eine Gefahr darstellen. Die Landwirte werden allerdings noch von einer weiteren Sorge umgetrieben: Neospora caninum.

Der Parasit nutzt den Hund als Wirt. Er ist im Hundekot nachweisbar und steht im Verdacht, bei damit infizierten Rindern - zum Beispiel durch die Aufnahme von verunreinigtem Futter - zu Totgeburten oder Abgängen zu führen. Genau diese Gefahr animiert Landwirte immer wieder dazu, entsprechende Informationsschilder am Rande ihrer Felder aufzustellen.

"Das ist gut gemacht und gut gemeint", sagt Gabriele Dürer. Ob es jedoch etwas bewirkt, wagt sie zu bezweifeln. Oft würden sich Landwirte über das uneinsichtige Verhalten der Hundebesitzer beklagen und Unverständnis äußern. "Einerseits mahnen die Verbraucher gerade auch von den Bauern Hygiene an. Sie stellen hohe Forderungen an die von ihnen produzierten Nahrungsmittel und auch an das Tierwohl. Auf der anderen Seite finden sie nichts dabei, ihren eigenen Hund auf die Felder laufen zu lassen, damit er dort sein Geschäft verrichtet." Das sei irgendwie nicht nachvollziehbar.

Doch auch wenn der Hund die Felder nicht direkt betritt, sondern sein Geschäft "nur" am Randstreifen erledigt, sei das unhygienisch und auch rücksichtslos, erklärt die Sachbearbeiterin. Die Seitenstreifen werden als Kommunalgrund von Gemeindearbeitern gepflegt und ihnen würde im wahrsten Sinne des Wortes regelmäßig "der Kot um die Ohren fliegen". Auch Familien nuten die Spazierwege regelmäßig für Ausflüge - und dass gerade Kleinkinder alles Mögliche in den Mund stecken würden, sei doch allgemein bekannt.

Hundeführerschein

Beim Thema Hundekot auf Wiesen kochen die Emotionen hoch. Auf gesetzlicher Ebene regelt das Bayerische Naturschutzgesetz den Sachverhalt bereits mit seinen rechtlichen Hinweisen "zum Hundeausführen in der freien Natur". Politisch wird in regelmäßigen Abständen sogar die Einführung eines "Hundeführerscheins", also ein Befähigungsnachweis für Hundehalter mit theoretischer und praktischer Prüfung, diskutiert.

Gabriele Dürer selbst hätte ebenfalls eine gute Idee, wie das Problem ohne großen Aufwand und auch noch ziemlich schnell gelöst werden könnte: nämlich mit Rücksicht und gegenseitigem Verständnis. Und dazu gehöre nun einmal, dass jeder Hundehaufen in einer Tüte lande.

Tipps für das passende Hundegeschirr

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Hintergrund:

Hunde ausführen in der Regel erlaubt

  • Auf nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) beschilderten öffentlichen Straßen und Wegen sowie Privatwegen in der freien Natur ohne Beschränkung für Fußgänger.
  • Auf nicht nach der StVO beschilderten, aber öffentlich benutzten Privatwegen in der freien Natur.
  • Auf landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen.
  • Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen außerhalb der Nutzzeit.
  • Im Wald.
  • In Jagdrevieren, wenn die Hunde unter Aufsicht sind, also der Einwirkung ihres Besitzers unterstehen.
Hintergrund:

Hunde ausführen nicht erlaubt

  • Auf nach der StVO beschilderten öffentlichen Straßen und Wegen sowie Privatwegen in der freien Natur mit Verbot für Fußgänger (auch auf Sonderwegen für Radfahrer oder Reiter).
  • Auf nicht nach der StVO beschilderten, aber durch den Grundstücksberechtigten gesperrten Privatwegen in der freien Natur ohne dessen Zustimmung.
  • Auf Wegen und Flächen in Schutzgebieten oder Bereichen mit behördlichen Beschränkungen für das Betreten.
  • Auf vom Grundstücksberechtigten gesperrten Flächen in der freien Natur ohne dessen Zustimmung.
  • Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen während der Nutzzeit ohne Zustimmung des Grundstücksberechtigten.
  • In gesperrten Forstkulturen oder Forstpflanzgärten.
  • In Jagdrevieren, wenn die Hunde unbeaufsichtigt frei laufen gelassen werden.
Hintergrund:

Wo dürfen Hunde ihr Geschäft nicht verrichten?

  • Auf Wegen und Flächen in der freien Natur, auf welchen man ohnehin keine Hunde ausführen darf.
  • Auf kommunalen Grün- und Erholungsflächen mit entsprechendem Verbot nach der Benutzungssatzung.
Hintergrund:

Wo sollen Hunde ihr Geschäft nicht verrichten?

  • Auf Flächen, die der Freizeitgestaltung und Sportausübung dienen.
  • Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, einschließlich der Randstreifen an Straßen und Wegen.
  • Auf Grünflächen, die häufig gemäht werden, einschließlich der Randstreifen an Straßen und Wegen.
Zum Thema:

Hundebesitzer und Landwirte

Bei einem Beratungsgespräch mit Gabriele Dürer erzählte ein Landwirt, dass er jedes Jahr aufs Neue von einem Hundebesitzer angerufen werde, er solle doch endlich seine Wiese mähen, weil sein Hund sonst so viele Zecken bekäme, wenn er sich darin aufhalte.

Dazu Gabriele Dürer: Abgesehen davon, dass sich die angesprochene Wiese in einem Vertragsnaturschutzprogramm mit Schnittzeitpunktauflage befinde (sie darf erst relativ spät gemäht werden, um Insekten, Vögeln und anderem Getier Schutz und Nahrung zu bieten), dürften Hunde während der Nutzzeit "auf landwirtschaftlich genutzten Flächen" ohnehin nicht ausgeführt werden.

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