30.12.2020 - 12:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kein Jahr zum Vergessen: Der Rückblick für Weiden und den Kreis Neustadt

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Alles Corona oder was? Fast – aber eben doch nicht ganz. 2020 gab es in Weiden und im Landkreis Neustadt eine Reihe von anderen Themen, die es auch in "normalen" Jahren in den Rückblick geschafft hätten.

August: Der Kampf von Gian Paolo (4) gegen den Blutkrebs bewegt die Weidener.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Der Kampf des kleinen Gian Paolo

Tapfer erträgt Gian Paolo Chemotherapie und Stammzellentranplantation. Im Spätsommer wird Blutkrebs diagnostiziert. Sein 17-jähriger Bruder Gian Marco spendet im November im Uniklinikum Stammzellen. Endlich, am Heiligen Abend, stellt sich der Erfolg ein: Die Blutwerte stimmen. „Wie hergezaubert, welch ein Weihnachten“, freut sich Anna Lucko-Orru, die Mutter der Jungen. Gian Paolo will wieder spielen. Bald darf er nach Hause. Dann muss er die Infusionen im Rucksack mittragen. Sein Bruder Gian Marco, der überglücklich ist, dass sein Knochenmark funktioniert, hat die Ausbildung wieder aufgenommen. „Denkt alle daran, Gesundheit ist das Wichtigste“, mahnt Anna Lucko-Orru, die selbst am Klinikum in Weiden arbeitet. (wd)

Zutritt nur im Notfall

März: Schranke unten für Besucher des Weidener Klinikums.

Plötzlich senkt sich die Schranke. Besucher dürfen nur noch in Ausnahmefällen ins Weidener Klinikum. Auf den Intensivstationen kämpfen Ärzte und Pfleger um das Leben von Covid-19-Patienten. Ein ARD-Beitrag darüber sorgt für einen Sturm der Entrüstung: Zu sehen ist eine Schwester, die ein Beatmungsgerät abstellt. Eine andere Krankenschwester erhält dagegen viel Beifall für einen Leserbrief im NT: Sie rügt Demonstranten, die nach einer „Querdenken“-Kundgebung am Klinikum vorbeilärmten. Weit weniger emotional werden die Debatten um weitere Millionenhilfen für die Kliniken AG geführt. Weiden sowie die Kreise Neustadt und Tirschenreuth fällen wegweisende Beschlüsse, damit der Sanierungskurs in den nächsten Jahren erfolgreich sein kann. (rg)

Die letzte große Sause

Februar: Ein seltenes Bild – so viele Menschen auf so wenig Raum in Neustadt.

Solche Szenen muten mittlerweile ziemlich seltsam an. Feiernde, fröhliche Menschen, so weit das Auge reicht, und keiner achtet auf irgendwelche Abstände. Und es ist tatsächlich ein Bild von 2020! Rund 10 000 Zuschauer feiern den Neustädter Faschingszug. Eine der letzten Großveranstaltungen des Jahres. Schon einen Monat später ist alles anders. Veranstaltungen fallen in der Folge reihenweise aus: Theater, Konzerte, Gottesdienste, Bürgerfeste, Christkindlmärkte und und und. Ach ja: Der Fasching 2021 ist auch schon abgesagt. Masken trägt man mittlerweile im Alltag. (rg)

Abifeier mit Hupkonzert

Juli: Das Autokino Windischeschenbach wird zum Schauplatz einer Abifeier.

Die Abiturienten 2020 in Stadt und Landkreis werden ihre Abifeiern so schnell nicht vergessen. Ohne Mund-Nase-Maske und viel Abstand geht es auch hier nicht. Mancher Angehörige erlebt den besonderen Moment nur per Videostream. „Verrückt“ kommt es auch stellvertretendem Schulleiter Johannes Wagner vor, als die 116 Abiturienten des Kepler-Gymnasiums Weiden mit Hupkonzerten verabschiedet werden. Die Schule hat die Abifeier kurzerhand ins Autokino auf dem „Bergler Rasthof“ an der A 93 bei Windischeschenbach verlegt. Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen. Die Idee funktioniert. Statt Applaus ertönt ein Hupkonzert. Auf der Kinoleinwand sind die jungen Frauen und Männer selbst die Stars. Die Zeugnisse gibt’s nach dem Lauf über den Roten Teppich – in Anzug und Abendkleid, versteht sich. Zumindest etwas Glamour in schwierigen Zeiten. (shl)

Doch kein Knaller

September: Und dafür so ein Aufstand!?

Das wohl größte Weidener Nicht-Ereignis des Jahres! Über Monate plant die Stadt akribisch für den Tag X: eine Bombenentschärfung auf der Baustelle bei der SpVgg SV. 800 Einsatzkräfte sind eingewiesen, 1500 Weidener bereiten sich auf die Evakuierung vor, darunter ein komplettes Seniorenheim. Zwei Tage, bevor das Sprengkommando anrückt, gibt es Entwarnung: Bei der vermeintlichen schweren Fliegerbombe handelt es sich lediglich um einen Abwurfbehälter mit Brandsätzen. Alles halb so wild – abgesehen von „Spesen“ in Höhe von bis zu 300 000 Euro. (rg)

Gesperrter Kulm zur Hochsaison

Juli: Bis hierher und nicht weiter am Rauhen Kulm.

Der Sommer ist da, wandern in der Heimat wäre möglich – doch nicht auf dem Rauhen Kulm, dem Wahrzeichen der kleinsten Stadt in der Oberpfalz. Denn wegen vieler alter abgestorbener Buchen bleibt der Zugang zum Gipfel des markanten Bergs seit August verwehrt. Die Bayerischen Staatsforsten sind sich sicher, dass die morschen Bäume eine Gefahr für Wanderer darstellen und sehen sich gezwungen, zu handeln. Ende Dezember tut sich dann auch etwas. Arbeiter fällen die ersten Bäume. Kritik an der Vorgehensweise der Staatsforsten übt Bürgermeister Wolfgang Haberberger. Er ist der Meinung, dass das morsche Gehölz schon eher entdeckt hätten werden können – nicht erst zur Hochsaison. (spi)

Auszug aus dem Krankenhaus

Juli: Der letzte Tag im Kreiskrankenhaus Vohenstrauß.

Die Kliniken AG Nordoberpfalz verkündetet im April die Schließung der Akutversorgung des Krankenhauses Vohenstrauß zum 31. Juli. Obwohl das Haus noch im Frühjahr als Ausweichquartier für die Betreuung von Covid-Patienten aus Weiden genutzt wurde, ist sein Schicksal besiegelt. Damit endet die Geschichte des Krankenhauses der Pfalzgrafenstadt, die im Jahr 1865 begonnen hatte. Beim Abschied fließen beim Pflegepersonal Tränen. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende: Die Vohenstraußer Harald Kraus, Dr. Sinisa Markovic und Manfred Voit kaufen die Immobilie und planen neben der bereits bestehenden Pflegestation „Sanitacura“ eine Kurzzeitpflegeeinrichtung mit 24 Plätzen. (ck)

Maskengegnerin hinter Glas

November: Sonja Schuhmacher bekommt einen "Ehrenplatz" in der Stadtratssitzung.

In der November-Sitzung des Stadtrats hat Sonja Schuhmacher einen Ehrenplatz: hinter Glaswänden am Rande des Plenums. Auf ihrem Tisch findet sie eine kleine Auswahl an Getränken und Gebäck, so dass ihr der Gang zum Kaffee-Büfett erspart bleibt. Die parteilose Stadträtin darf sich willkommen fühlen nach dem Eklat vom Vormonat. Da wurde ihr der Zutritt zur Sitzung verwehrt, nachdem sie sich aus gesundheitlichen Gründen geweigert hatte, eine Maske aufzusetzen, das Attest aber nicht vorzeigen wollte. Schuhmacher trat im Foyer der Max-Reger-Halle in den Sitzstreik. Ohnehin hat sie ein bewegtes Jahr hinter sich: Erst ist sie OB-Kandidatin der Grünen, dann verlässt sie Fraktion und Partei im Streit. Ihr Umgang mit einer Journalistin bei einer Corona-Kundgebung beschäftigt sogar den Landtag. (rg)

Nachwuchs im Manteler Forst

Mai: Fünf kleine Wölfe samt Eltern laufen vor die Wildkamera.

Nach der Bestätigung im März durch das Landesamt für Umwelt, dass ein Wolfspaar durch die Wälder im Manteler Forst streift, ist im Mai die Freude besonders groß: Die Wölfin hat fünf Jungtiere bei sich. Der Fotobeweis trügt nicht. Während sich das Weibchen aus Sachsen und das Männchen aus dem Veldensteiner Rudel um die Großfamilie kümmern müssen, haben andere Wölfe nicht so viel Glück: In Pressath wird ein Tier überfahren, von einem Rüden in Grafenwöhr fehlt bis heute jede Spur. (shl)

Neue Sportstätte immer knapp am Start

Dezember: Die Realschul-Schwimm- und -Turnhallen sind fast fertig, aber noch immer nicht eröffnet.

Fertig sieht sie schon im August aus, eröffnet ist sie im Dezember noch nicht – und kaum einen stört’s: die Realschulsportstätte mit Schwimm- und Dreifachturnhalle. Die Stadt will sie nach zweieinhalb Jahren Sanierung und damit voll im Plan zum Schuljahresbeginn eröffnen. Auch wegen Corona kommt alles anders: Es gibt Lieferprobleme, Prallwände für die Sporthallen fehlen. Die von Schulen und Vereinen ersehnte Eröffnung muss vertagt werden. Nach den Herbstferien sind zwei der drei Turnhallen für den Schulbetrieb freigegeben, bis wegen der Pandemie ein Indoor-Sportverbot gilt. Und so fällt es kaum auf, dass Arbeiten, die insbesondere zum Brandschutz noch ausstehen, bis heute eine weiterführende Nutzung der Sportstätte nicht zulassen. Doch die letzten Gewerkeabnahmen laufen, die Stadt rechnet mit einer Nutzungsfreigabe für das Gesamtgebäude Anfang 2021 – sofern das Sportverbot dann hinfällig sein sollte. (mte)

"Dumba" entscheidet

September: Die Kirchenthumbacher treten zum Bürgerentscheid an.

Die Kirchenthumbacher sind zum Bürgerentscheid aufgerufen. 61 Prozent der Wähler stimmen für den Erhalt der alten Schulgebäude und des Elisabethenheimes, 39 Prozent dagegen, die Wahlbeteiligung liegt bei 58,2 Prozent. Damit wird gegen einen Beschluss des Marktgemeinderats entschieden. Der war für den Abriss der Gebäude. Den Bürgerentscheid initiierte eine Interessengemeinschaft (IG). „Der Marktgemeinderat hat nun die Möglichkeit sich nochmals Gedanken zu machen“, sagt Hermann Hummler von der IG am Wahlabend. Auch die CWG-Fraktion setzte sich für den Erhalt der Schulgebäude ein und erarbeitete ein Alternativkonzept. „Der Erhalt der Gebäude schafft neue Voraussetzungen und es wird eine Herausforderung“, kommentiert Bürgermeister Jürgen Kürzinger das Ergebnis. (sfo)

Zum Vergleich: Diese Schlagzeilen hätten wir uns für 2020 gewünscht

Weiden in der Oberpfalz

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