15.07.2019 - 11:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keramikmuseum wird verkannt

"Das schönste Museum bringt nichts ohne Leben in der Bude", weiß Konstantin Thomas. Genau dagegen wollen "Die Keramischen" angehen und das Keramikmuseum wieder im Bewusstsein der Bürger verankern.

Auch wenn Hedwig Bollhagen (1907-2001) selbst nicht am Bauhaus tätig war, gelten ihre Werke als lebendige Zeugnisse dieser Zeit.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Denn daraus ist es im Laufe der Jahre verschwunden, bedauern die Mitglieder des Fördervereins. "Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden." Dabei ist es alles andere als das. "Es ist eines der attraktivsten und schönsten Keramikmuseen in Deutschland. Selbst in Europa findet sich kaum Vergleichbares", betonte Konstantin Thomas.

Gemeinsam mit Thomas Kühn erläuterte der Vorsitzende die Ziele des Fördervereins im Kulturbeirat und hob hervor, welches Juwel die Weidener hier in ihrer Stadt haben. Thomas Kühn schlug in die gleiche Kerbe: "Wir haben hier das dritt-bedeutendste Ägyptische Museum. Aber das weiß keiner. Im Pergamon-Museum dagegen stehen die Leute Schlange."

170 Mitglieder

Als die Zukunft des Internationalen Keramikmuseums in Weiden angesichts des klammen Stadtsäckels auf der Kippe stand, haben sich "Die Keramischen" gegründet, um den Fortbestand der Einrichtung zu sichern und "das Museum in der Bürgerschaft zu vernetzen", so Thomas. Aus diesem Grund habe der Verein auch sieben Vorstandsmitglieder. Thomas Kühn, Chefdesigner bei Seltmann Weiden, sei der Designexperte in der Runde. Insgesamt zählt der Verein inzwischen 170 Mitglieder.

"Wir alle sind der Überzeugung, dass es für eine Stadt wie Weiden gut ist, so ein Aushängeschild zu haben", sagte Thomas. Wie hochwertig die Objekte im Keramikmuseum sind, das belege auch die aktuelle Sonderausstellung mit Werken von Hedwig Bollhagen, die erst kürzlich eröffnet wurde. Ihre Objekte seien ein lebendiges Zeugnis aus der Zeit des Bauhauses, das in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert.

Um das Museum wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, organisiert der Förderverein alljährlich mehrere Großveranstaltungen wie das Neujahrstreffen mit allen kulturtragenden Weidener Vereinen, den Museumsgeburtstag am Ostermontag, der bei freiem Eintritt auch viele Familien anlockt, die Teilnahme am Kunstgenuss bis Mitternacht sowie in Absprache mit der Neuen Sammlung in München Sonderveranstaltungen wie aktuell die Ausstellung mit Werken der Designerin und Keramikerin Hedwig Bollhagen.

Zu wenig Hinweisschilder

"Die Keramischen" übernehmen außerdem Werbungskosten für das Museum und unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit. Demnächst sollen drei Fahnenmasten, die seit Jahren verwaist vor dem Haus stehen, mit Fahnen bestückt werden, die auf das Museum hinweisen. Überhaupt müssten in der Stadt und auch auf der Autobahn Hinweise auf das Keramikmuseum angebracht werden, erinnerte Bürgermeister Lothar Höher an Ideen, die schon vor längerer Zeit angedacht waren.

Denkbar wären auch bunte Teller mit Pfeilen, die als lustige Wegweiser zum Keramikmuseum führen, schlug Thomas Kühn vor. Die Teller könnte man - wie andernorts Metallplatten - in Pflastersteine einlassen. Das wäre eine Aufgabe, die sich die Firmen Bauscher und Seltmann teilen könnten. Gerade weil Porzellan in der Region traditionell eine große Rolle spielt, sei es wichtig, den Fortbestand des Museums zu sichern, mahnte Konstantin Thomas. Der Freistaat selbst finanziere die Außenstelle der Neuen Sammlung München bereits mit "irrsinnig hohen Beträgen", betonte Kühn.

Der Förderverein sei ein entscheidender Grund gewesen, um mit dem Museum fortzufahren, gab sich Höher überzeugt. "Ich denke nicht, dass der Stadtrat sonst den Vertrag unterschrieben hätte." Kultur sei letztlich Daseinsfürsorge. "Zu dieser Überzeugung müssen wir kommen." In der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Waldsassener Kasten werde man einen gemeinsamen Weg suchen.

Auch wenn Hedwig Bollhagen (1907-2001) selbst nicht am Bauhaus tätig war, gelten ihre Werke als lebendige Zeugnisse dieser Zeit.

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