18.09.2021 - 15:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kinder aus Fenster geworfen: Gerichtsverfahren gegen Mutter

Im Frühjahr 2021 warf eine 30-Jährige zwei ihrer Kinder aus dem Fenster im ersten Obergeschoss. Die Mädchen überlebten mit schweren Verletzungen. Jetzt kommt der Fall vor Gericht. Inzwischen ist bekannt: Die Tat hat eine Vorgeschichte.

Die beiden verletzten Kinder wurden im April 2021 im Klinikum Weiden behandelt.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die vierfache Mutter, die im April 2021 zwei Töchter aus dem Fenster geworfen hatte, muss sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft strengt ein Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Weiden an. Der 30-jährigen Syrerin wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Allerdings geht die Staatsanwaltschaft von Schuldunfähigkeit aus.

Die Frau ist seit der Tat in einer psychiatrischen Klinik in Oberbayern untergebracht. Sie leidet nach Ansicht der Ärzte an einer akuten polymorphen pschyotischen Störung mit Symptomen einer Schizophrenie. Zum Krankheitsbild können Halluzinationen, Wahnphänomene und Wahrnehmungsstörungen gehören. Folgt das Landgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, würde die 30-Jährigen nicht zu einer Haftstrafe in einem Gefängnis verurteilt, sondern gegebenenfalls zum Maßregelvollzug in der Psychiatrie.

Die Ehefrau war in der ersten Aprilwoche vor ihrem Ehemann aus dem Landkreis Neu-Ulm (Schwaben) in das Frauenhaus in Weiden geflohen. Sie wurde mit ihren vier Kindern - zwei Söhne (6 Monate und 10 Jahre) und zwei Töchter (1,5 und 8 Jahre) - in einem Zimmer im ersten Stock untergebracht. Am 29. April 2021 kam es zur folgenschweren Tat: Laut Staatsanwaltschaft schubste oder warf die Beschuldigte ihre beiden Töchter aus dem Fenster. Die Mädchen stürzten 5,40 Meter in die Tiefe auf den Gehsteig. Die Kinder erlitten dabei Prellungen und Hämatome, das ältere Mädchen brach sich zudem den Fuß und die Augenhöhle.

Polizei verhindert Schlimmeres

Die Frau stand mit dem Baby im Arm am Fenster, als die Polizei die Tür aufdrückte und sie im Zimmer überwältigen konnte. Die Beamten der Polizeiinspektion Weiden verhinderten damit nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass sie auch den Söhnen etwas antat.

Das Landgericht hat nach Auskunft von Landgerichtssprecher Matthias Bauer noch nicht über die Eröffnung entschieden. Termine stehen damit noch nicht fest.

Auch Ehemann vor Gericht

Die Tat der Beschuldigten hat eine Vorgeschichte: Die Frau war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Zwei Vorfälle sind aktenkundig. So wurde die Polizeistation Senden eingeschalten, als die 30-Jährige im März 2021 Opfer eines Angriffs ihres Ehemann geworden war. Ein Haftrichter des Amtsgerichts Memmingen nahm den Mann am 25. März 2021 wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Bedrohung kurzzeitig sogar in Untersuchungshaft.

Schon kurz darauf kam es zu einem weiteren Gewaltakt: Der Mann trat am 4. April eine Wohnungstür ein, die sein zehnjähriger Sohn von innen zuhalten wollte. Das Kind wurde dabei am Auge verletzt. Diese Tat ist in erster Instanz abgeurteilt: Das Amtsgericht Memmingen hat gegen den Syrer sieben Monate Haft wegen Sachbeschädigung mit fahrlässiger Körperverletzung verhängt, dazu kam noch der Besitz von Marihuana in kleiner Menge. Das Urteil ist nach Auskunft von Amtsgerichtssprecher Nicolai Braun noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat Berufung eingelegt.

Der angebliche Angriff auf die Ehefrau hatte juristisch keine weiteren Folgen für den Mann. Dieses Verfahren wurde mangels Tatnachweis eingestellt.

2020: Schon einmal ein Verfahren gegen psychisch kranke Mutter

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

2020 bereits Sicherungsverfahren gegen eine Mutter

Erst vor etwa einem Jahr hatte es das Landgericht Weiden mit einem Sicherungsverfahren gegen eine Mutter zu tun.

  • Die Tat: Eine 26-jährige Spanierin, geboren in Afrika, hatte im Februar 2020 in einer Wohnung in Tirschenreuth ihr drei Monate altes Baby verhungern lassen.
  • Der Hintergrund: Psychiater attestierten ihr ebenfalls eine psychotische Störung, die mit Wahnvorstellungen einhergeht.
  • Die Folgen: Das Landgericht Weiden ordnete im Oktober 2020 die Unterbringung an, die aufgrund eines EU-Rechtsabkommens in Spanien erfolgt.

 

 

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