1600. So viele Behandlungen wurden allein in 2025 in der medbo Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden behandelt. 30 Prozent mehr als noch in 2019. Und die Kurve zeigt nach oben. „Wenn der Bedarf steigt, müssen wir Versorgung so gestalten, dass sie für Familien erreichbar bleibt“, sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler. „Vor allem in Krisen.“
Genau deshalb bringt der Bezirk Oberpfalz die stationäre Versorgung für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen erstmals in die Nordoberpfalz nach Weiden. Kern ist ein Vollangebot an einem Standort: 32 stationäre Betten (darunter acht für suchtkranke Jugendliche), eine Tagesklinik mit 18 Plätzen (inklusive Spezialangebot für Vorschulkinder) sowie Institutsambulanz und staatliche Schule für Kranke. Geplant wurde das Projekt von der Dewan Friedenberger Architekten GmbH in München.
Löffler: „Familien nicht unversorgt lassen“
Die Geschichte der medbo in Weiden beginnt bereits 1998. Die medbo nimmt hier ihre erste dezentrale Institutsambulanz für Kinder und Jugendliche in Betrieb. 2001 folgt eine Tagklinik mit zunächst 12 Plätzen.
Was lange als tragfähiges Angebot für die Region gilt, stößt in den vergangenen Jahren an Grenzen: Bedarf, Belastungen und Häufigkeit akuter Fälle nehmen zu – und für viele Familien bedeutet stationäre Behandlung bisher vor allem eines: weite Wege.
„Wir wissen längst: Wenn die Versorgung mehr als 30 Kilometer weg ist, nimmt die Behandlungswahrscheinlichkeit um 50 Prozent ab“, zitiert Bezirkstagspräsident Franz Löffler aktuelle Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung. „Diese Familien dürfen nicht unversorgt bleiben.“
Rexroth: „Versorgung muss sich an der Lebensrealität orientieren“
Der Ärztliche Direktor der medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Amberg| Cham|Weiden, Dr. Christian Rexroth, bestätigt: „Mit Fahrtzeiten von einer Stunde und mehr zur nächsten stationären Behandlungsmöglichkeit stoßen Kinder und Eltern auf Hürden, die gerade im Familienalltag schwer wiegen.“ Manche Kinder kämen daher sehr spät in die Behandlung, andere gar nicht.
Aue: „Nicht nur Regeln, sondern Spielraum“
Der Chefarzt der neuen Klinik David Aue beschreibt den Start in Weiden als bewussten Kulturaufbau: „Wir wollen, dass junge Menschen hier wieder Handlungsspielräume erleben – nicht nur Regeln.“ Die Klinik denkt Behandlung nicht als „Drinnen und Draußen.“ Sondern als Bewegung zwischen Rückzug, Stabilisierung und wieder mehr Aktivität und Selbstwirksamkeit im Alltag: mit großzügigen Therapieflächen, klaren Strukturen und bewegungsorientierten Elementen.
Von Sport- und Bewegungsangeboten bis hin zu geschützten Bereichen, die Sicherheit geben, wenn es eng wird. Das Konzept beinhaltet auch: Gruppen gehen regelmäßig raus, Teams arbeiten erlebnispädagogisch, und Angebote wie etwa Klettern oder tiergestützte Therapie sollen Schritt für Schritt wachsen.
Vor der eigentlichen Inbetriebnahme bereitete sich das Klinikteam im Lehrbetrieb – bewusst noch ohne Patientinnen und Patienten – auf die Eröffnung vor. Das neue Team nutzte diese Zeit, um sich kennenzulernen, sich einzuarbeiten und Abläufe unter Realbedingungen zu testen.
Diesen April ist der Klinikbetrieb schließlich stufenweise angelaufen. „Schon jetzt zeigt sich, wie sehr das Angebot gebraucht wird“, betont Chefarzt David Aue. In den ersten Wochen steigt die Auslastung planmäßig und schnell an; auch tagesklinische Plätze sind stark nachgefragt.























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