20.05.2021 - 16:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kinderhilfe aus Weiden unterstützt mit Ziegen in Malawi

Die Mtendere Kinderhilfe Liwonde aus Weiden unterstützt Schulkinder im ostafrikanischen Malawi. Vor allem während der Coronapandemie ist diese Hilfe unerlässlich, betont Vorsitzender Norbert Freundorfer. Nun soll es tierisch werden.

Norbert Freundorfer wird von Kindern und Erwachsenen in Malawi inzwischen gleichermaßen wie ein Familienmitglied behandelt.
von Helmut KunzProfil

„Corona war in Malawi lange Zeit kein so großes Problem. Was damit zusammenhing, dass dort wenig getestet wurde“, erzählt Norbert Freundorfer, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Mtendere Kinderhilfe Liwonde“. Im Januar und Februar sei Corona dann allerdings wie ein Sturm über das ostafrikanische Land hinweggebraust. "Die hatten keine Welle, wie wir hier in Deutschland. Die hatten einen regelrechten Corona-Peak." Was Freundorfer darauf zurückzuführt, dass in Malawi gerade Regenzeit war und sich Versammlungen, die normalerweise unter freiem Himmel stattfänden, in die Häuser verlagert hätten.

Die Folgen seien fürchterlich gewesen. „Ich spreche hier von einem Land, in dem es praktisch keine intensivmedizinische Versorgung gibt.“ Inzwischen habe sich die Situation wieder normalisiert. Offiziell liege die Inzidenz in Malawi bei 0,5. „Selbst, wenn man einen Dunkelzifferfaktor von hundert heranzieht, liegt man bei 50. Momentan ist Corona dort handhabbar.“ Er danke all seinen regelmäßigen Spendern, die auch während der Coronazeit dafür gesorgt hätten, dass sein Projekt in Malawi habe weiterlaufen können.

Kaum Jobs wegen Corona

Die gut bezahlten Jobs im Land seien wegen Corona weggebrochen. „Ich spreche hier von einer Größenordnung zwischen 50 und 100 Euro Einkommen pro Monat. Verdient wird dieses Geld vor allem im Tourismusbereich.“ Das habe wirtschaftliche Auswirkungen auf das Land.

Der monatliche Durchschnittsverdienst in Malawi liege bei 25 Euro. Und leitet Freundorfer zum Kern seines Themas über: „Wir hatten schon länger vor, Familien mit Ziegen zu unterstützen.“ Ein Exemplar koste in Malawi einen kompletten Monatslohn, also 25 Euro.

Die Ziege sei dort die Kuh des kleinen Mannes. Rinder sehe man äußerst selten. Ein Großbauer besitze vielleicht drei Rinder. Der gelte aber als reicher Mann. „Wir wollen für die von unserem Verein betreuten Familien eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen.“ Die Idee: „Die Familien unserer Kinder bekommen eine Ziege auf Zeit zur Verfügung gestellt. Diese Ziege bleibt für drei Jahre im Stall. Das erste Zicklein, das geboren wird, bekommt die Schule, das zweite geht an eine weitere Familie und das dritte bleibt bei der Familie vor Ort.“

Geld in Dörfern durch Ziegen

„Wenn sie also die Alt-Ziege wieder zurückgeben, haben sie eine Jung-Ziege im Eigenbesitz.“ Das verbessere die Ernährungslage. „Ab und zu gibt’s Milch. Später dann auch Fleisch.“ Überschüssige Ziegen könnten weiterverkauft werden. Das bringe Geld in die Dörfer.

Norbert und Ursula Freundorfer betreuen inzwischen bereits zwei Dörfer in Malawi. „Im zweiten wurde 2020 die Schule fertiggestellt. Trotz Corona.“ Das Dorf liege 40 Kilometer von der nächsten Teerstraße entfernt. Wasser- oder Stromversorgung? "Vergiss es." Für einen Overhead-Projektor in der Schule würde man dort ein 25 Kilometer langes Anschlusskabel benötigen. „In diesen Dörfern ist auch Geld zum Häuserbauen Mangelware.“ Deshalb setze „Mtendere“ jetzt verstärkt auf Viehzucht.

Weitere Sponsoren nötig

Die ersten Ziegen seien gekauft und verteilt. „Wir wären natürlich glücklich darüber, wenn wir weitere Sponsoren finden würden“, sagt Freundorfer. Er finde es toll, was sich in den vergangenen Jahren in der Region entwickelt habe.

„Ich lobe vor allem das Eigenengagement der Leute dort. Ich denke da nur an den Bau der zweiten Schule, für die wir das Material beschafft haben. Die Fenster wurden in Eigenleistung von einem unserer Ehrenamtlichen vor Ort geschweißt.“ Aufgrund der Regenzeit sei das Dorf mit Fahrzeugen nicht erreichbar gewesen. „Die Männer haben die Fensterrahmen kilometerweit herangetragen und in Eigenleistung eingebaut.“

„Wir legen Wert darauf, dass die Bevölkerung vor Ort mitarbeitet. Was man nämlich selber macht, das schätzt man mehr.“ Unterstützt würden im HIV-geplagten Gebiet rund 150 Kinder, denen der Weidener Hilfsverein eine komplette Vorschul- und Schulausbildung ermögliche.

Das letzte Mal sei das Ehepaar vor Corona im Sommer 2019 vor Ort gewesen. „Die Reisekosten tragen wir selber. Die gehen nicht zu Lasten unseres Hilfsprojekts.“

Die Situation während der Coronakrise in Indien eskaliert

Weiden in der Oberpfalz

Mehr Infos zur Arbeit des Vereins

Hintergrund:

Da hilft der Verein "Mtendere Kinderhilfe Liwonde e. V."

  • grundsätzliches Ziel: Unterstützung der beiden "Mtendere Nursery & Feeding Center" in Malawi
  • Kinderernährungs-Projekt
  • Medizinische Versorgung
  • Finanzierung der Lehrer-Gehälter für mehrere Pädagogen
  • Errichtung eines Getreidelagers für die Vorratshaltung
  • Bau einer Mauer zum Schutz der Kinder
  • Brunnen-Programme zur Hygiene-Erziehung mit Absicherung
  • Schaffung von Sanitäranlagen
  • Patenschaften für die Förderung hochbegabter Kinder

 

 

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