Weiden in der Oberpfalz
19.02.2019 - 12:11 Uhr

Kino-Ikone Helmut Platzer verstorben

Nachruf

Der langjährige Weidener Kinobetreiber Helmut Platzer. Bild: Kunz
Der langjährige Weidener Kinobetreiber Helmut Platzer.

Er holte den „Schatz im Silbersee“ und den „Weißen Hai“ in die Max-Reger-Stadt. Helmut Platzer war eine Weidener Kino-Ikone. Am Donnerstag verstarb er plötzlich und unerwartet im Alter von 87 Jahren im Weidener Klinikum. 70 Jahre lang wirkte Platzer cineastisch an vorderster Front, auch wenn er sich inzwischen aus dem aktiven Kinogeschäft zurückgezogen hat. Zuletzt stand er Tochter Evelyn Nadler, die das Familienunternehmen in der vierten Generation führt, und Enkeltochter Lisa, nur noch mit Rat und Tat zur Seite, wenn Not am Mann war.

Allerdings war der Musikfreund bei den Opern-Live-Übertragungen aus New York im „Neue Welt Kino-Center“ zugegen. Der in Ullersricht aufgewachsene Platzer hatte wegen des frühzeitigen Verlustes des Vaters schwere Kriegs- und Nachkriegsjahre erlebt. Er war Spross einer Weidener Kino-Dynastie.

Sein Großvater Josef Koch hatte die Bilder vor über hundert Jahren zum Laufen gebracht. Das war 20 Jahre nach den allerersten cineastischen Gehversuchen in der Stadt. Josef Koch aus Freising hatte gemeinsam mit Fanny Koch das alte „Anker“-Kino zum Leben erweckt. Nach dessen Tod führte Tochter Anni Platzer das Kino bis 1959 weiter.

Helmut Platzer, der 1948 in dritter Generation ins Kinogeschäft einstieg, betrieb derweil bis 1962 gemeinsam mit Ilse Kick das 1956 errichtete „Roxy“ in der Frauenrichter Straße. Von Ilse Kick erwarben Helmut Platzer und seine Frau Erika später das 1949 gegründete „Neue Welt Kino“. Als 1981 das alte „Anker“-Kino wegen der Neuplanung der Innenstadt abgerissen wurde, verlegten die Platzers den Mittelpunkt ihres Unternehmens in die Fichtestraße, wo später das neue „Anker“ und das „Bambi“ in den „Neue Welt“-Komplex integriert wurden.

„Kino ist mein Leben“, sagte er einmal. Ohne Arbeit ging das nicht. Geschätzt wurden vor allem Platzers technische und handwerkliche Kenntnisse. Sein Anliegen war zeitlebens, seine Kinos auf dem neuesten Stand zu halten. Platzer erlebte alle Höhen und Tiefen der Filmbranche. Filmbälle, Premierenfeiern, Set-Besuche, aber auch eine 20 Jahre anhaltende Krise. Es entstanden Freundschaften mit den Regisseuren Harald Reinl und Joseph Vilsmaier.

Privat liebte Platzer das Reisen. Er war in Australien, Neuseeland und Kanada. Die ersten Jahre noch auf eigene Faust mit Mietwagen oder Wohnmobil, später etwas geruhsamer auf Kreuzfahrtschiffen. Platzer besaß in früheren Jahren ein eigenes Boot, war Mitglied beim Stammtisch „Deckoffiziere“ und zog gerne im Schätzlerbad seine Bahnen. Die Familie stand bei ihm immer im Mittelpunkt. Umgeben von Ehefrau Erika, Tochter Evelyn, Schwiegersohn Alexander Nadler und Enkeltochter Lisa fühlte er sich am wohlsten. „Die Familie ist für mich das Schönste, das es gibt“, sagte er einmal. Besonders habe es hin gefreut, dass Enkelin Lisa von klein an großes Interesse am Kino zeigte. Der Trauergottesdienst ist am Mittwoch, 8 Uhr in der Herz Jesu Kirche. Anschließend Beerdigung im Stadtfriedhof.

Helmut Platzer im Kreis seiner Familie im Oktober 2017 beim Besuch von Regisseur Joseph Vilsmaier Bild: Kunz
Helmut Platzer im Kreis seiner Familie im Oktober 2017 beim Besuch von Regisseur Joseph Vilsmaier
 
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