„Vor noch nicht allzu langer Zeit haben viele, neben den Beschäftigten in den Kliniken, auch die Kollegen im Einzelhandel von den Balkonen aus beklatscht. Statt besserer Arbeitsbedingungen gab es leider nur folgenlosen Applaus. Denn die Situation der Beschäftigten hat sich seitdem ja gar nicht verbessert: die Löhne sind nicht gestiegen, die Arbeitszeiten haben sich nicht verbessert und die Arbeitsbedingungen sind in den meisten Fällen unverändert, nicht einmal wir Kunden sind im Laden freundlicher geworden", schimpft KAB-Kreisvorsitzender Hermann Stadler und verweist auf eigene Beobachtungen.
Die Beschäftigten im Einzelhandel und in den Krankenhäusern seien noch im Frühjahr 2020 als Helden gefeiert worden. "Sie standen in der Zeit der höchsten Infektionszahlen durch den hohen Publikumsverkehr und die Patientenzahlen und damals noch fehlenden Masken, dem Virus im Grunde fast schutzlos Auge in Auge gegenüber", formuliert Stadler die Situation bildlich.
Stattdessen solle es jetzt zusätzliche verkaufsoffene Sonntage geben, um den Einzelhandel, wie es heiße, wieder zu beleben. Zusätzliche verkaufsoffene Sonntage bedeuteten eine weitere wesentliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vor allem für Frauen, die, oft genug alleinerziehend, auf einen verlässlichen freien Tag in einer ohnehin extrem harten Arbeitswoche angewiesen seien.
Die Profiteure einer solchen Sonntagsöffnung seien ausschließlich große Einzelhandelsketten auf Kosten kleiner und mittlerer Betriebe. "Wir alle können jeden Euro nur einmal ausgeben. Jetzt in der Coronakrise haben viele Menschen weniger Geld zur Verfügung, weil sie beispielsweise in Kurzarbeit sind", berichtet Stadler. Viele lebten in wirtschaftlicher Unsicherheit, weil die Zukunft des Arbeitgebers in den Sternen stehe. "In solchen Zeiten halten Menschen verständlicherweise ihr Vermögen zusammen und geben ihr Geld nur für das Nötigste aus." Daran werde auch ein verkaufsoffener Sonntag nichts ändern. Viele kleine und mittlere Einzelhändler könnten sich eine Ladenöffnung am Sonntag gar nicht leisten, weil sie das Personal gar nicht bezahlen könnten. Wer streiche den Gewinn ein: "Die großen Ketten, die sich auf diese Weise lästiger Konkurrenz entledigen."
Zitiert wird ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. „Anlassbezug“ zur Sonntagsöffnung bedeute, dass Märkte von sich aus einen großen Besucherstrom auslösten, um Ladenöffnungen zu rechtfertigen. Jetzt fordere aber der Aktionskreis City- und Stadtmarketing Bayern genau den Wegfall dieser Anlassbezogenheit. Für Kreisvorsitzende Daniela Ernstberger wäre dies das Ende für den Sonntag, wie man ihn seit nunmehr 2000 Jahren kenne. Niemals dürfe der Sonntag zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen werden, unterstreicht Diözesanleitungsmitglied Alfons Ernstberger. und betont mit Nachdruck die kirchlich-gewerkschaftliche „Allianz für den freien Sonntag“.















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