31.03.2020 - 19:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kleinere Unternehmen in Weiden besorgt: Wie lange halten wir in der Coronakrise durch?

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Fahrstunden, Frisuren oder Fahrradverkauf – auf viele Dienstleistungen müssen Kunden in der Coronakrise verzichten. Vor allem Einzelkämpfern und kleineren Unternehmen fehlt der Umsatz. Für manche ein Kampf ums wirtschaftliche Überleben.

Den Reparaturservice darf Ralf Schramek (links) in seinem Fahrradgeschäft noch anbieten. Den erledigt Mitarbeiter Manuel Weigl, während sich die restlichen vier Mitarbeiter in Kurzarbeit befinden.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Ralf Schramek atmet tief durch. „Wie lange wir durchhalten werden? Kann ich nicht sagen, aber lange geht es nicht gut.“ Schramek verkauft seit 42 Jahren Fahrräder bei Fahrrad Brunner und ist seit 1998 Geschäftsführer. Solch eine Situation hat er noch nicht erlebt. Von fünf Mitarbeitern musste er vier in Kurzarbeit schicken. Ein Mechaniker verrichtet kleinere Reparaturen in der Werkstatt. Das sei noch erlaubt. Im Laden warten die Frühjahrsmodelle auf Käufer. „Die werden hoffentlich nach der Krise wiederkommen“, sagt Schramek. Denn der Internet-Shop könne den Umsatz im Laden nicht ersetzen.

Der Geschäftsführer hat bereits die 5000 Euro Soforthilfe vom Freistaat Bayern beantragt. Auch um Bundesmittel wolle er sich bemühen. „Die monatlichen Lohnkosten und andere regelmäßige Kosten laufen ja weiter. Die Gelder, die es gibt, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts,“ sagt Schramek. Alles andere müsse man abwarten.

Um die Zukunft ihrer zehn Mitarbeiter macht sich Tatjana Hair Sorgen. Die Chefin des Friseursalons „La Coupe“ musste sie ebenfalls in Kurzarbeit schicken. Das Geschäft bleibt bis 20. April zu. „Schwieriger wird aber, was danach kommt“, sagt die 50-Jährige. „Drei, vier Wochen halte ich schon mal durch, aber auch meinen Mitarbeitern fehlen Lohn und Trinkgelder. Hinzu kommen die laufenden Kosten.“ Sehr dankbar sei sie ihrem Vermieter. Er hat für den Moment die Miete um die Hälfte reduziert.

Friseurin: Kein Umsatz, kein Gewinn

Die Friseurmeisterin hat die staatliche Soforthilfe beantragt und steht in Kontakt mit ihrer Hausbank. „Doch KfW-Darlehen dauern zum Beispiel bis zum Juni. Das hilft mir in der aktuellen Situation wenig.“ Kein Umsatz, kein Gewinn. „Wenn der Salon länger geschlossen bleibt, werde ich über Entlassungen nachdenken müssen.“ Bei dem Gedanken daran muss die Chefin schlucken. „Das belastet mich sehr.“

Dennoch muss es weitergehen. Für die Zeit nach der Coronakrise nimmt Tatjana Hair bereits telefonisch Terminanfragen entgegen, um wenigstens „einen Teil der Kunden“ aufzufangen“. „Wir werden in der ersten Zeit danach sicher länger geöffnet haben, vermutlich vorübergehend auch am sonst arbeitsfreien Montag“, sagt sie.

Unruhiger schläft zurzeit auch ihr Kollege Jörg Schiml von „Cityfriseur“. Seine sechs Mitarbeiter bauen aktuell Resturlaub und Überstunden ab. Danach droht auch ihnen die Kurzarbeit. Der 37-Jährige führt seit sechs Jahren den Betrieb seines Vaters in dritter Generation – und möchte das auch noch möglichst lange tun. Dass letztendlich auch die Friseurbetriebe wegen Corona schließen mussten, findet er in Ordnung. „Eine einheitliche Lösung ist gut, damit kann ich als Unternehmer leben. Wir sitzen alle in einem Boot. Die Gesundheit steht im Moment über den wirtschaftlichen Interessen“, sagt Schiml, der im Moment viel Zeit im Büro und mit Aufräumen verbringt.

Staatliche Hilfe habe er noch nicht beantragt, wolle sich aber informieren. „Ich tausche mich viel mit Kollegen, mit der Innung oder der Handwerkskammer aus. Von dort kommen täglich neue Informationen.“ Schiml will optimistisch bleiben. Auch für die Krebspatienten unter seinen Kunden. Nur sie darf der Zweithaarexperte im Notfall beraten. „Kontaktlos per Mail oder Telefon versteht sich, da will ich nichts riskieren.“

Als Einzelkämpfer ist Sepp Greiner unterwegs. Das Schulungsauto des 59-jährigen Inhabers einer Fahrschule steht still. „Am 18. März war die letzte Fahrstunde. Alles ist abgesagt. Theorie, Praxis und alle Prüfungen.“ Einen Monat könne er durchhalten, vielleicht auch zwei. „Dann müssen wir mal schauen.“ Als Selbstständiger könne er das ganz gut steuern, habe keine Lohnfortzahlungen an Mitarbeiter zu leisten oder Miete zu zahlen. Seinen Verdienstausfall könne er nach dem Infektionsschutzgesetz geltend machen. „Die ausgefallenen Fahrstunden und Prüfungen versuche ich später durch Mehrarbeit aufzufangen. Es wird schon irgendwie werden“, bleibt Greiner zuversichtlich.

Malermeister sucht nach Lösungen

Genügend Aufträge verzeichnet Norbert Ringer, dessen Malerbetrieb noch arbeiten darf. „Aber, was hilft es mir, wenn die Leute Angst haben, uns in die Wohnung zu lassen. Wir haben viele Privatkunden“, sagt der Unternehmer. „Die nächsten Wochen und Monate tun uns richtig weh. Ein Vierteljahr halten wir hoffentlich durch.“ Doch der Chef von sechs Mitarbeitern sucht auch nach Lösungen. „Stadt und Staat könnten zum Beispiel für Aufträge für alle Gewerke sorgen. Warum nicht jetzt die Schulen, die Mehrzweckhalle oder Kindertagesstätten renovieren? Da gäbe es genügend zu tun“, sagt Ringer, der seine Idee als Gedankenanschub verstanden wissen will. „Vielleicht greift die Politik das ja auf.“

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