08.11.2019 - 10:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Klimawandel im Filmgespräch

Der dramatische Rückgang der Insektenwelt zeigt sich besonders an Wiesen, die an Ackerland angrenzen. Artenvielfalt contra Landwirtschaft? Gibt es Lösungsmöglichkeiten für diesen Konflikt? Darum geht es im Filmgespräch.

Der Diskussion mit den Zuschauern stellen sich (von links) Peter Gach, Simone Schaller, Nicole Merbald, Peter Schönberger und Gerhard Gradl.
von Autor hczProfil

Eine kontroverse Diskussion entspann sich nach einem Naturfilm im „Neue Welt Kinocenter“. Regisseur Jan Haft gilt als wohl erfolgreichster Naturfilmer Deutschlands. 200 Preise auf internationalen und nationalen Naturfilmfestivals haben seine Filme eingeheimst. Im Fernsehen erreichten sie Spitzenquoten. Nach „Das grüne Wunder“ und „Magie der Moore“ ist „Die Wiese – ein Paradies nebenan“ Hafts dritter Kinofilm. „Agenda 21“ und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) luden zu diesem Film und anschließender Diskussion ein.

In „Die Wiese“ stellt Haft in unglaublichen Bildern das reichliche Leben in unseren Feucht- und Trockenwiesen vor. Herrliche Sequenzen mit unglaublicher Kameratechnik zeigen bodenbrütende Vogelarten, zirpende Feldgrillen, faszinierende Heuschrecken und andere Insekten in Nahaufnahmen. Wenig später führt der Filmemacher vor Augen, welche Auswirkungen die immer schnellere, gründlichere und intensivere Bodenbearbeitung der Landwirte für die Tier- und Pflanzenwelt hat. Mit Monstergleichen Agrarmaschinen, die die Wiese bearbeiten, können die kleinen Lebewesen nicht mithalten. Die Gülle von zehn Millionen Rindern und 30 Millionen Schweinen in Deutschland vernichtet jegliches Leben in der Wiese radikal. Umwandlung von Grünland in Ackerfläche zum Maisanbau führt zu ökologisch wertlosen Flächen. „Die Wiese – ein Paradies nebenan“ ist faszinierend und bedrückend zugleich.

Im Filmgespräch danach stellten sich Simone Schaller von der „Agenda 21“, Peter Schönberger von der KEB, Gerhard Gradl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Peter Gach, Abteilungsleiter bei der Landesanstalt für Landwirtschaft, und Dr. Nicole Merbald vom Landesbund für Vogelschutz der Diskussion mit den gut 100 Kinobesuchern. Aus dem Zuschauerkreis wurden Forderungen nach „radikalem Umdenken“ laut. „Keine Kosmetik, keine Lobbyarbeit mehr!“ forderte eine Frau. Der Erhalt der Artenvielfalt müsse als Produktionsziel verankert werden. Zahlreiche Zuschauer verlangten eine umfassende Reform der Agrarpolitik. Das Essen von Fleisch, so eine Frau, sei der Grund für das Entstehen von so viel Gülle. Darum sei Umkehr nötig. Verteuerung von Lebensmitteln, die in Industrienationen ohnehin viel zu billig seien, sei ebenfalls erforderlich. Es sei bereits „fünf nach zwölf“. Merbald bemerkte dazu, dass die in Deutschland hergestellten Lebensmittel in alle Welt exportiert würden, aber „die Gülle bleibt bei uns“. Verbraucher sollten durch ihre Kaufentscheidung für regionale Produkte die Produzenten beeinflussen.

Schaller berichtete, dass Biogasanlagen ursprünglich zur Entsorgung von Gülle gebaut worden sind. Mittlerweile hätten sie aber nur die Maisproduktion angekurbelt, die zur Energieerzeugung benutzt werde. Gradl gab zu bedenken, dass es im Landkreis nur 40 Biogasanlagen gebe und „hoher Technikeinsatz uns alle ernährt“. Inzwischen gebe es sogar schon ein Grünland-Umbruch-Verbot. Gach stellte fest, dass „Landwirtschaft in anderen Zeiträumen denke“. Rufen aus dem Publikum, die radikale Verbote und Zwänge forderten („Freiwilligkeit funktioniert nicht“) hielt Gach Appelle an die Verbraucher entgegen. Landwirte unter den Besuchern erinnerten daran, dass mit Subventionen nicht nur die Bauern unterstützt würden, sondern auch die Konsumenten. Einer, der nach eigenen Angaben schon jahrzehntelang ökologisch bewirtschaftet, bezeichnete den Klimawandel als größte Bedrohung für die Landwirtschaft.

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