22.10.2019 - 18:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kliniken Nordoberpfalz AG: Mitarbeiter sollen zusammenhalten

Nun sind die 3179 Mitarbeiter der Kliniken AG gefordert: Sie sollen zur Ruhe kommen, fordert der Oberbürgermeister. Man müsse jetzt wieder auf "die medizinischen Tugenden blicken", wünscht Tirschenreuths Landrat. Einfach wird beides nicht.

Ob Ärzte oder Pfleger: Es mangelt an medizinischem Personal in der Kliniken Nordoberpfalz AG. Dafür sollen die aktuell 3179 Mitarbeiter wieder verstärkt zusammenstehen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Nun sind die 3179 Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz AG gefordert: Sie sollen zur Ruhe kommen, fordert Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Man müsse jetzt wieder auf "die medizinischen Tugenden blicken", wünscht Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert. Einfach wird beides nicht.

"Ich jedenfalls danke den drei Trägern, dass sie uns nicht an private Träger abdrücken", sagt Kliniken-Chef Josef Götz zu Lippert, Landrat Andreas Meier sowie zu Weidens Oberbürgermeister. Letztgenannter formuliert vier Tage nach der Gewährung des 50-Millionen-Euro-Kredits durch die drei Träger bei einer Pressekonferenz auch Erwartungen - an die Mitarbeiter der Kliniken AG.

Erste Reaktionen nach der Rettung der Kliniken AG

Weiden in der Oberpfalz

Bald "grundlegende Änderungen"

Vorbei sein sollen die Bestrebungen von Beschäftigten an den verschiedenen Standorten, sich unterschiedlich zu organisieren. "Nicht immer wird hier miteinander gearbeitet", will Seggewiß wissen und fordert alle 3179 Mitarbeiter auf, künftig "so wie die kommunalen Träger zusammenzustehen". Und das trotz der "grundlegenden strukturellen Änderungen in den nächsten drei bis fünf Jahren", von denen der Kliniken-Chef wenig später spricht.

Den Bedarf an strukturellen Änderungen sieht Landrat Meier auch. "Wobei wir im Landkreis Neustadt wohl mit Neustadt, Eschenbach und jetzt bald auch mit Vohenstrauß am schmerzhaftesten erlebt haben, was das heißt." Aber Änderungen seien nicht gleichbedeutend mit Schließungen. "Doch alles an allen Standorten vorzuhalten, wird künftig nicht möglich sein", weiß Götz. Wirtschaftlichkeit sei zentral. Entsprechend agiere die Kliniken AG nach dem Zukunftskonzept 2020.

Daraus ergebe sich nur mehr an drei Standorten eine akutstationäre Versorgung: Zuvorderst in Weiden. "Das Klinikum steht top da." Danach folge Kemnath, zuletzt Tirschenreuth. "Hier aber braucht es erhebliche strukturelle und personelle Veränderungen", sagt Götz. Generell betont er: "Die Neuausrichtung etwa in Eschenbach zeigt aber, dass wir tragfähige Lösungen finden können."

Gerade werde in Sachen Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) ein Konzept entwickelt. "Da sind wir bayernweit federführend", betont Götz. Sowohl Waldsassen als auch Vohenstrauß wollen zum Zug kommen. "Wir werden alles daran setzen, um beide Standorte mit leicht unterschiedlichen Konzepten durchzubringen." Dennoch sei eine hohe medizinische Versorgung wohnortnah garantiert. Sogar Patienten mit nahezu allen schweren Erkrankungen könnten in der Region versorgt werden. Und nach Götz' Erfahrung sei es für diese Patienten kein Problem, dafür 40 bis 50 Kilometer zu fahren.

Pflegersuche auch in Mexiko

Ein Problem sei aber der Fachkräftemangel. Da hilft auch der Erfolg im Projekt "Klinikenstudent" nicht wirklich, weshalb laut Vorstand aktuell sechs bis sieben zusätzliche Ärzte im Klinikenverbund deshalb ihre Arbeit aufgenommen haben. Es fehlt weiter an Medizinern. Massiv. "Und zunehmend auch an Pflegepersonal", weiß Götz. Alle aktuellen Schüler würden zwar bis auf ein, zwei Ausnahmen übernommen. Doch die neuen Ausbildungsplätze könnten nicht mehr voll besetzt werden. "Deshalb haben wir uns darauf verlegt, nun auch im Ausland nach Pflegekräften zu suchen", räumt Götz ein. In den ehemaligen GUS-Staaten etwa. In Serbien, Aber auch in Albanien oder Mexiko.

Tatsächlich zeigt ein Blick in die Beschäftigtenzahlen, dass seit der Kliniken-Fusion 2006 die Mitarbeiterzahl um 311 Beschäftigte auf 3179 gestiegen ist. Mitarbeiter, die künftig fest zusammenstehen: So wünscht sich's der Oberbürgermeister.

50 Millionen Euro sind "Keine Finanzspritze":

Keine Finanzspritze

Die drei Träger der Kliniken Nordoberpfalz AG gewähren dem Unternehmen einen 50-Millionen-Euro-Kredit: "Dabei handelt es sich nicht um eine neue Finanzspritze, sondern um eine neue Art der Sicherstellung der Liquidität", betont Kliniken-Vorstand Josef Götz. Erfolgte doch die Finanzierung des laufenden Betriebs seit der Gründung der gemeinnützigen AG über Bankkredite, die durch Bürgschaften der Träger abgesichert und in den vergangenen Jahren wiederholt verlängert wurden. Auch nicht geförderte Investitionen wurden so abgesichert. Bis zum Tag der neuen höchstrichterlichen Rechtsprechung. Seither verweigert die Regierung der Oberpfalz den Trägern, die Bürgschaften weiterhin rechtsaufsichtlich zu genehmigen, erläutert Götz. "Daher wurde ein neues Finanzierungskonzept nötig: Dieses Trägerdarlehen ersetzt damit die bisherige Finanzausstattung." Die Kliniken Nordoberpfalz AG leiste dafür Zins und Tilgung.

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