10.04.2019 - 22:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kliniken Nordoberpfalz AG: Vorstand rettet seinen Kopf

Diese Entwicklung hat sich die vergangenen Tage über abgezeichnet. Trotzdem kommt die Entscheidung völlig überraschend. Josef Götz, der die Kliniken Nordoberpfalz seit 2006 als Vorstand führt, bekommt zwei Vorstandskollegen an seine Seite.

Nicht gerade fröhliche Gesichter. Kliniken-Vorstand Josef Götz (links) konnte zwar in einer nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung seinen Kopf retten, aber er muss künftig zwei weitere Vorstandskollegen an seiner Seite dulden. So befand der Rat, dem auch (von rechts) die Landräte Andreas Meier, Wolfgang Lippert und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß angehören.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Nach Informationen von Oberpfalz-Medien hatte ein Mitglied des 21-köpfigen Aufsichtsrats der Kliniken AG am Mittwochabend sogar die sofortige Entlassung des 57-Jährigen gefordert. Der Antrag scheiterte aber deutlich mit 5 zu 15 Stimmen. Götz wird zur Last gelegt, dass er die wirtschaftliche Situation nicht mehr in den Griff bekommen habe. Seit 2017 schreibt die AG Verluste in Millionenhöhe. Im vergangenen Jahr werden es wohl wieder 3,5 Millionen Euro sein. Zu großer Verunsicherung haben die Pläne geführt, eine Dienstleistungsgesellschaft zu gründen. In der sollten überwiegend neue Service- und Reinigungskräfte sowie Küchenpersonal vom Gehalt her niedriger eingestuft werden. Vor allem Gewerkschaft und SPD wollten da nicht mehr mitspielen.

Vorgehalten werden Götz dem Vernehmen nach auch die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung. Diese wird angeblich noch unter Verschluss gehalten. Danach hätte der Vorstand Josef Götz auch keinen Draht mehr zu den Pflegekräften sowie zu den Ärzten gefunden.

Götz gelang es aber in der sieben Stunden dauernden Sitzung, die erst gegen 21 Uhr endete, seinen Kopf zu retten. Dazu beigetragen haben sein großes Renommee bayernweit, seine unbestrittenen Verdienste beim Aufbau des Krankenhausverbundes, der immer wieder als beispielhaft angesehen wird.

Der Schnaittenbacher Josef Götz ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist Diplom-Betriebswirt (FH). Im Klinikum Weiden ist er seit 2004 tätig. Mit der Schaffung des Kliniken-Verbundes im Jahre 2006 wurde er zum Vorstand ernannt. In den Jahren 2011 und 2016 wurde sein Vertrag jeweils verlängert. Er ist verantwortlich für die Geschäftsführung, Planung, Organisation und strategische Ausrichtung. Götz ist Vorsitzender des Verbandes der Krankenhaus-Direktoren in Bayern. In Weiden stehen ihm als seine Stellvertreter die vier Prokuristen Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger, Personalchef Martin Neuhaus, Finanzchef Manfred Tretter und Pflegedirektor Thomas Baldauf zur Seite. Aus diesem Kreis könnte ein zukünftiger weiterer Vorstand kommen. Der Dritte im Bunde soll von außen dazu stoßen.

Bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch sollte es hauptsächlich um ein „Zukunftskonzept 2020“ gehen. Das sieht neben der Gründung der Dienstleistungsgesellschaft für Wirtschaftsbetriebe unter anderem vor, die stationäre Akutversorgung in Waldsassen in der jetzigen Form zu beenden. Dort soll nur noch eine erweiterte ambulante Versorgung möglich sein.

Der Aufsichtsrat wird derzeit vom Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert geleitet. Stellvertreter ist sein Neustädter Kollege Andreas Meier. Aus Weiden gehören dem Gremium an: Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Bürgermeister Jens Meyer, Matthias Loew, Gerald Bolleininger (alle SPD), für die CSU Wolfgang Pausch und Stephan Gollwitzer, außerdem Stefan Rank (Bürgerliste) und Veit Wagner (Grüne).

Aus dem Landkreis Tirschenreuth kommen neben Lippert Hans Donko, Werner Nickl, Bernd Sommer und Franz Stahl (alle CSU), außerdem Rainer Fischer (SPD) und Christian Baumann (Freie Wähler). Als besondere Fachleute gehören dem Gremium Professor Clemens Bulitta, Günther Pfaffeneder und Dr. Wolfgang Fortelny an. Arbeitnehmer-Vertreter sind Monika Selch und Dr. Wolfgang Jurczyk.

Lesen Sie hier die Reaktion von Kliniken-Vorstand Norbert Götz

Weiden in der Oberpfalz

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Kommentare

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Thomas Bäumler

Das Ganze ist schon sehr merkwürdig. Man will 150000 € durch Outsourcing von Servicepersonal einsparen und bestellt im Gegenzug zwei neue Vorstände, die ihre Arbeit ganz sicher unentgeldlich machen werden. Hat man vielleicht schon mal darüber nachgedacht, dass der Ruf eines Hauses nicht von der Größe der Verwaltung, sondern von der Zufriedenheit und dem Engagement der Mitarbeiter am Patienten abhängt. Sparpotential sehe ich da mit Verlaub ganz wo anders.

11.04.2019