13.07.2020 - 17:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Komet Neowise über dem Kreis Neustadt

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Lange haben Hobbyastronomen, Naturliebhaber und Landschaftsfotografen auf einen hellen Komet gewartet. Nun glänzt seit ein paar Nächten Neowise. So lässt er sich beobachten und fotografieren.

Man braucht kein Teleskop, um Neowise zu beobachten oder zu fotografieren. Wie hier neben dem Fernmeldeturm bei Letzau zeigt der Komet einen ausgeprägten Schweif.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Kometen sind immer am Himmel unterwegs. Die meisten bleiben Astronomen mit Teleskopen vorbehalten. Selten taucht ein Schweifstern auf, der mit bloßem Auge sichtbar ist. Auf Neowise hatten Sternenfreunde und Naturfotografen ihre Hoffnungen gesetzt. Sie werden nicht enttäuscht: Dank guter Sichtbarkeitsbedingungen und klaren Nächten, zeigte sich der Komet in den vergangenen Tagen als relativ leicht zu beobachtendes Objekt.

Neowise ist am Himmel zwischen den hellen Sternen Kapella (Sternbild Fuhrmann) und Castor/Pollux (Sternbild Zwillinge) zu finden. Tagsüber steht er hoch am Himmel und ist unbeobachtbar. Nachts zieht er eine Bahn von Nordwest nach Nordost. Er steht etwa so hoch über dem Nordhorizont, wie die Breite einer ausgestreckte Hand. In der Dämmerung sind Kometen zunächst schwierige Objekte, zumal wenn Dunst hinzukommt. Abends ist Neowise ab etwa 22.30 Uhr zunächst im Fernglas gut aufzuspüren, später mit bloßem Auge. Morgens ist gegen 4 Uhr Schluss, wenn es zu hell am Himmel wird.

Geduld und ein Stativ

Das Zeitfenster hat sich auch Wilhelm Daubner gut durchgetaktet. Der Friedenfelser hat Erfahrung in der Astrofotografie, etwa mit der Milchstraße. Neowise ist aber sein erster Komet. Daubner wollte ein markantes Objekt mit abbilden und wählte den KTB-Bohrturm bei Windischeschenbach. Diesen steuerte er nun gleich zwei Mal an, damit es perfekt wird. "Man muss zur richtigen Zeit an den richtigen Ort beim richtigen Wetter," erzählt der Hobbyfotograf. Eine Profiausrüstung sei nicht nötig. "Aber man braucht ein Stativ." Und dann gehe es um die passenden manuellen Einstellungen an der Kamera mit sauberem Scharfstellen und gut zwei Sekunden Belichtungszeit. "Mit Automatik geht da gar nichts."

Ein weiteres astronomisches Phänomen ist vielen Menschen in den vergangenen Wochen aufgefallen: Leuchtende Nachtwolken. Diese zerfaserten Formationen sind eher selten in Süddeutschland anzutreffen. Es handelt sich um Wolken, die weiter oberhalb der üblichen "Wetterwolken" in gut 80 Kilometer Höhe stehen. Sie bekommen aufgrund ihrer Höhe derzeit auch nach der Dämmerung noch Sonnenlicht ab und leuchten mystisch.

"Neowise" in Bildern

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Hintergrund:

Komet Neowise

Der aktuell sichtbare Komet ist wissenschaftlich nummeriert als C/2020 F3. Den Beinamen Neowise hat er, anders als etwa Halley, Hyakutake oder Hale-Bopp nicht von seinen Entdeckern übernommen, sondern von der gleichnamigen Weltraummission, in deren Beobachtungsprogramm er erst im März ins Netz ging. Er gilt bereits als hellster Komet in unseren Breiten seit Hale-Bopp 1997 und soll noch den Juli über gut sichtbar sein. Danach lohnt sich Warten nicht. Laut bisherigen Berechnungen des Nasa-JPL ist eine Wiederkehr in 6768 Jahren zu erwarten.

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