19.01.2022 - 18:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommunikativer Katastrophenfall: Wie Politiker in der Pandemie Vertrauen zerstören

Querdenker treiben Politiker vor sich her. Das führt zum Chaos, wenn es darum geht, Corona-Maßnahmen zu erklären. So werden zunehmend auch vernünftige Menschen vergrault, kommentiert Wolfgang Würth.

Kommunikativ kein Fachmann: Karl Lauterbach
von Wolfgang Würth Kontakt Profil
Kommentar

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Kommentare

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Martin Pfeifer

Ihr Kommentar bringt es sehr schön auf den Punkt. Aber das noch nicht alles. Zumindest der bayrischen Staatsregierung fehlt auch die nötige Konsequenz bei der Umsetzung der Maßnahmen. Es wird hin und her gerudert und beschwichtigt. Dazu noch handwerkliche Fehler, die der normale Bürger nach fast 2 Jahren Pandemie nun wirklich nicht versteht.

Neuestes Beispiel: nach der generellen Abschaffung der 2G-Regel im Einzelhandel erklärt der Chef der bayrischen Staatskanzlei prompt, das mit der FFP2-Maske ein ausreichender Schutz existiert. Wenn es so ist, dann hätte man die 2G-Regel ja gleich lassen sein können. Oder die noch immer auf eine Klage wartende Ungleichbehandlung von Kultur-Veranstaltungen (2G-plus, 25% Auslastung, konsequente Maskenpflicht am Pflicht = Abschreckung sich überhaupt so etwas anzutun) und Gastronomie (nur 2G, keine Maskenpflicht am Platz, keine Begrenzung der Auslastung, höchstens eine Sperrstunde = Einladung zum Abholen einer Infektion mit der Omikron-Variante).

Gute Beispiele für die fehlende Konsequenz hat die bayr. Staatsregierung zusammen mit den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer zu Beginn der zweiten und der vierten Welle geliefert. Im Herbst 2020 und Herbst 2021 wurde jeweils gewartet, bis die Krankenhäuser schon voll waren. Gut, nach der ersten Welle konnte man durchaus der Meinung sein, das man zu rabiat eingriffen hat. Diesen Trugschluß sind auch andere Länder aufgesessen. Aber nachdem das Experiment "man muß ich wirklich bremsen, um nicht Szenen wie damals in Bergamo zu liefern" in der zweiten Welle noch gerade mal gut gegangen ist, hat man in der vierten Welle dann noch länger gepennt und nichts getan. Das Ziel der Übung war sicher nicht, Szenen wie im Frühjahr 2020 in Bergamo zu erreichen, aber zumindest fast wurde das dann doch erreicht. Es war immerhin notwendig, das aus Bayern und den anderen Freistaaten Patienten mit dem MediVac-Airbus "fliegende Intensivstation" der Bundeswehr in den Norden verlegt. Welche Aufwand. Es ist zu tiefst zu bedauern, das Herr Söder keinen dieser Flüge persönlich gesehen hat. Aber die Regierung zeigt wenigstens konsequent, das sie von irgendwelchen Beschränkungen nichts hält. Jetzt wurde wegen der Omikron-Welle und weiterhin nicht steigender Belkastung der Intensiv-Stationen in den Krankenhäusern die Hot-Spot-Regelung ausgesetzt.

Das Personal auf den Intensiv-Stationen hat nach vier Wellen sicherlich weitgehend die Schnauze voll. Im Sommer 2021 haben etliche Mitarbeiter diesen Bereich verlassen. Im Sommer 2022 wird sich das fortsetzen, auch ohne eine Impfpflicht für das Personal im medizinischen Bereich.

Das Personal in den Gesundheitsämtern und die dorthin abgestellten Soldaten etc freuen sich sicherlich, das sie jetzt noch den in dieser Größenordnung bisher nicht vorstellbaren Arbeitsberg der fünften Welle abarbeiten dürfen. Gleichzeitig ignoriert die Politik aber jeglichen fachlichen Rat.

Herr Söder hatte im Sommer 2020 einen guten Ruf und war ernsthafter Kanzlerkandidat der DSU / CDU, weil er den Mut zu harten Maßbahmen hatte, Mittlerweile agiert er wieder so wie wir ihn kennen: Hauptsache, ich habe die Lufthoheit über den Stammtischen. Ein langrfristiger Plan, auch in anderen Feldern wie der Klimapolitik, ist überhaupt nicht erkennbar.

20.01.2022