23.04.2019 - 17:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Konzert in der Max-Reger-Halle: Rollstuhlfahrer des Saales verwiesen

Ein Vorfall mit Behinderten sorgt für Irritationen beim Osterkonzert in der Max-Reger-Halle. Der Intendant befürchtet Störungen bei den Rundfunkaufnahmen. Eine Gruppe aus Regensburg darf dem ersten Teil "nur" backstage lauschen.

Eine versöhnliche Geste. Ludwig Scharnagl schenkt einer jungen Geigerin namens der HPZ-Behindertengruppe eine Kerze in Herzform.
von Helmut KunzProfil

Ende gut, alles gut. Beim 25. Osterkonzert der Internationalen Orchesterakademie am Montag in der Max-Reger-Halle kam es zu Irritationen. Intendant Professor Dr. Ulrich Schubert hatte unmittelbar nach seiner Begrüßung einen Rollstuhlfahrer gebeten, den Saal zu verlassen. Das Konzert mit Werken von Richard Wagner und Anton Bruckner vor 750 Besuchern wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet, weshalb an die Zuschauer die Bitte erging, absolute Ruhe zu wahren. Der betroffene Rollstuhlfahrer verhielt sich aber unruhig, was die Aufnahme wohl gestört hätte.

Weiden in der Oberpfalz

Er durfte den ersten Teil des Benefizkonzerts für krebs- und schwerkranke Kinder in Absprache mit den Betreuern im Backstage-Bereich über einen Bildschirm verfolgen. Eine Handvoll Zuschauer verließ trotzdem aus Protest die Halle. "Wir sind raus gegangen, weil wir finden, wenn das Orchester bunt ist, ist auch das Publikum bunt. Eine Aufnahme muss sowas aushalten." Auch ein Teil der jungen Musiker fand die Aktion nicht fair. Nach der Pause informierte Schubert das Publikum, dass der Betroffene und seine Betreuer den zweiten Teil doch wieder im Saal mitverfolgen könnten. "Wir werden sie bei uns haben bei der Bruckner-Symphonie", sagte Schubert unter großem Beifall. Er entschuldigte sich auch für seine Reaktion zu Beginn: "Offenbar war in dem Moment für mich kein Kompromiss findbar zwischen einer Aufnahme und einer zwar leisen, aber gut hörbaren Regung einer unserer Gäste."

Am Ende der bombastischen Vorstellung verteilte eine unbeteiligte Gruppe vom HPZ Irchenrieth unter Leitung von Martina Grüner, die auf Einladung des Rotary-Clubs das Konzert verfolgt hatte, herzförmige Kerzen an die 107 Musiker aus 43 Ländern. Dies war zwar ursprünglich dem Jubiläumskonzert geschuldet, sollte jetzt aber doch als kleine Geste der Versöhnung verstanden werden. "Das war für uns alle heute keine leichte Situation", wandte sich die Leiterin für Offene Hilfen ans Publikum. "Aber ich glaube, wenn wir miteinander reden und voneinander lernen, ist das richtig."

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