05.06.2020 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Kostenexplosion ist selbst verschuldet"

Schießen die Regensburger Planer übers Ziel hinaus? Mit optimierten Plänen für die Sanierung der Pestalozzischule in Weiden schnellen die Kosten auf 36 Millionen Euro. Der Vor-Vorplaner, der 28 Millionen Euro nannte, meldet sich zu Wort.

Der Außensportplatz wird nicht mehr benötigt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Im Bauausschuss hatte Angelika Greßmann vom Regensburger Büro dp-Architekten einen Teil der Kostenmehrung auch damit begründet, dass der "Vor-Vorplaner", Teile der Planungsaufgabe "vergessen" habe. Dagegen verwahrt sich der Weidener Architekt Kresimir Kruz. Die Kostenerhöhung für die Generalsanierung der Pestalozzischule habe seines Erachtens mehrere Gründe, betont Kruz gegenüber Oberpfalz-Medien.

Bereits im Verlauf seiner Vorentwurfs-Planung bis Oktober 2018 gab es seitens der Regierung der Oberpfalz drei Änderungs-/Erweiterungswünsche mit zusätzlichen Klassen- und Differenzierungsräumen, einer neuen Art der Speisenvorbereitung, neuen Speiseräumen mit 160 Plätzen, usw., was zu einer Kostensteigerung von anfänglich 19,125 Millionen Euro auf 27,8 Millionen Euro geführt habe.

Auch an Kleinigkeiten gedacht

Diese Summe und auch der Vorentwurf sei in enger Abstimmung mit der Regierung, der Schulleitung, dem Baudezernat und auch dem Weidener Stadtrat angenommen worden. In dieser Kostenschätzung waren damals sämtliche Baukosten und "Kleinigkeiten" enthalten, versichert Kruz. Selbstverständlich waren Serverräume (in allen Stockwerken), ein barrierefreier Zugang (sogar mit zwei Aufzügen) im Vorentwurf berücksichtigt. Es sei zudem besprochen gewesen, dass auf die detaillierten Brandschutzmaßnahmen an den alten Geschossdecken erst in der Entwurfsplanung und gegebenenfalls unter neuem Planer, da das "VGV-Verfahren" anstand, Bezug genommen werden sollte. "Ziel war es, nachhaltig, zeitgemäß und kostensparend zu arbeiten."

Nach dem "VGV-Verfahren" übernahmen dann neue Planer das Projekt. "Es war eigentlich auch verankert, dass sie die Architekten an die Linien der Vorentwurfsplanung orientieren. Jedoch haben die neuen Planer eine andere Richtung eingeschlagen. Statt einer Sanierung wurde nun ein totaler Abbruch der alten Sporthalle samt Sockelgeschoss forciert, in dem ursprünglich Technikräume und Unterrichtsräume gelegen sind/geplant waren. Diese werden nun in einer bisher nicht vorgesehenen Unterkellerung des Neubaus untergebracht", erklärt Kruz.

Erkenntnisgewinn

"Dass es hier zu einer Kostenexplosion kommt ist nicht verwunderlich, jedoch auch selbst verschuldet." Ein Kontakt zum Vorplaner und Interesse, wie und warum vorab etwas geplant wurde, hätte hier sicher nicht geschadet. "Jedoch kam von den neuen Planern nie eine Nachfrage an mich. Ich wollte an der Schule erhalten, was gesund ist, und erweitern nur dort, wo es notwendig ist", unterstreicht Kresimir Kruz. "Das läuft jetzt anders."

Baudezernent Oliver Seidel bestätigt, dass die neue Planung deutlich von der Vorplanung abweiche "und auch teurer ist". Im Laufe des Planungsprozesses gebe es aber auch Erkenntnisgewinne, die es zu berücksichtigen gelte. Die nun vorliegende Vorplanung berücksichtige das neue Raumprogramm der Regierung und Wünsche der Schulleitung. Erneut skeptisch äußerte sich Seidel zur Forderung von Stefan Rank (Bürgerliste) im Bauausschuss, dass ein Projektsteuerer und Controller die Generalsanierung und Erweiterung der Pestalozzi-Mittelschule begleiten solle. Personell besser ausgestattet, könne dies das Baudezernat auch selbst.

Die Diskussion im Bauausschuss

Weiden in der Oberpfalz

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