11.12.2018 - 16:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kräftemessen: Ehemaliger Zahnarzt geht gegen Fitnessstudio vor

Rainer Burkhard möchte etwas für seine Gesundheit tun. Für drei Monate schließt er einen Vertrag mit einem Fitnessstudio ab. Dann der Schock: Herzinfarkt. Er gewinnt den Kampf um sein Leben, steht dann aber vor einem neuen.

Weil er etwas für seine Gesundheit machen möchte, meldet sich der Weidener Rainer Burkhard in einem Fitnessstudio an. Nun liegt der Fall bei seinem Anwalt.
von Julia Hammer Kontakt Profil

„Vor dem Gesetz bin ich im Unrecht“, beteuert der Weidener. „Aber ich war in einer lebensbedrohlichen Ausnahmesituation. Und ich habe den Vertrag sofort gekündigt, als ich konnte.“

Der Weidener schließt die Übereinkunft mit dem Fitnessstudio am 21. März dieses Jahres ab. Er interessiert sich für das medizinische Training in Kleingruppen. Ausgebildeter Trainer, individuelle Anwendungen. „Ich wollte fit bleiben.“ 159,99 Euro ist er dafür pro Monat bereit zu zahlen. Kündigt er die drei Probemonate nicht zwei Wochen vor Ablauf der Zeit schriftlich, verlängert sich die Dauer automatisch. Das wird Burkhard zum Verhängnis. Das Leben des Weideners ändert sich am 19. Mai schlagartig. Herzinfarkt. "Eine lebensbedrohliche Situation." Nachdem er sich langsam erholt, will er den Vertrag mit dem Fitnessstudio sofort kündigen. "Schriftlich konnte ich das nicht. Ich war im Krankenhaus, gerade wieder ein wenig auf dem Weg der Besserung. Und natürlich hatte ich auch keine Unterlagen dabei.“

Deshalb greift der ehemalige Zahnarzt noch im Klinikum zum Telefonhörer und ruft bei dem Fitnessstudio an. „Ich habe die Situation erklärt und dem Mitarbeiter gesagt, dass ich den Vertrag kündige – und das auch schriftlich erledige, sobald ich wieder zu Hause bin.“ Der Angestellte versichert, er gebe „das so weiter“. Die Angelegenheit ist für Burkhard somit erst einmal erledigt. Für das Fitnessstudio nicht.

Als Burkhard nach wochenlangem Krankenhaus- und Rehaaufenthalt wieder zu Hause ist, erwartet ihn „der nächste Schock“. Noch immer bucht das Fitnessstudio den Mitgliederbeitrag jeden Monat von seinem Konto ab. „Ich habe sofort versucht, das Geld wieder zurückzuholen. Das ist mir aber nicht in allen Fällen gelungen.“ Wieder wendet er sich an die Verantwortlichen der Sporteinrichtung – diesmal schriftlich. Am 16. August schildert er „ausführlich“ den Krankheitsverlauf und den daraus resultierenden Grund für die Kündigung. Auch eine Bescheinigung des Krankenhauses legt er bei.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Doch sie kommt von unerwarteter Seite. „Mich hat direkt ein Anwalt kontaktiert.“ Die Forderung: Burkhard sei dem Studio noch 613 Euro schuldig – einschließlich des Mitgliederbeitrags für November. „Das Problem ist, dass ich keinen Beweis für die mündliche Kündigung am Telefon habe. Problematisch ist auch, dass im Vertrag festgelegt ist, dass eine Krankheit kein Rücktrittsgrund ist. Meine Situation aber war lebensbedrohlich.“ An insgesamt acht Trainingseinheiten hatte der Weidener teilgenommen, 480 Euro bereits dafür bezahlt.

„Wenn ich das restliche Geld auch noch zahlen muss, dann haben mich die acht Termine über 1000 Euro gekostet. Das ist doch Wahnsinn.“ Der Fall sei einem Anwalt übergeben worden, informierte eine Sprecherin des Fitnessstudios auf Nachfrage. Auch Burkhard steht in engem Kontakt mit seinem Anwalt.

„Er sagt, dass ich vor dem Gesetz nicht im Recht bin. Aber dass es dennoch eine absolute Abzocke sei. Schließlich habe ich alles versucht, um den Vertrag überhaupt zu kündigen. Mein Anwalt hat jetzt Rechtsmittel gegen den Zahlungsbescheid eingelegt.“ Burkhard hofft auf eine außergerichtliche Einigung. „Wenn nicht, kommt es zum Prozess.“

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