16.04.2019 - 17:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kunden bleiben aus: "Oase Naturkostladl" in Weiden schließt

Bio-Gemüse und Käse reißen es nicht raus. Schweren Herzens wird Christine Ring ihr "Naturkostladl" in der Weidener Bahnhofstraße im Mai schließen. Über die Ursachen, warum die Kunden weniger wurden, kann sie nur spekulieren.

Das "Oase Naturkostladl" in der Weidener Bahnhofstraße schließt im Mai.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Schweren Herzens wird Christine Ring das "Oase Naturkostladl" in der Bahnhofstraße 31 schließen. Über die Gründe, warum die Kunden weniger wurden, kann sie nur spekulieren. Am 10. Mai soll Schluss sein.

Den Bioladen hatte die Moosbacherin im Februar 2018 mit großem Elan von den Vorgängerinnen Christine Schäfer und Rita Kick übernommen (wir berichteten). Sie freuten sich mit den Kunden über den nahtlosen Übergang. Kick stand der neuen Inhaberin anfangs noch beratend zur Seite. Der Laden war nur kurz wegen Umbau geschlossen. Nach der Wiederöffnung kam die Ernüchterung. "Ich höre definitiv auf", sagt Christine Ring ein Jahr später. Sie sei geknickt. "Das Angebot war da. Wir haben viele neue regionale Produkte ins Sortiment aufgenommen. Was fehlte, haben wir auf Wunsch bestellt", sagt Ring. "Probieraktionen, eine Homepage sowie Facebook-Seite, wir haben alle Möglichkeiten zur Werbung genutzt."

Doch die Resonanz blieb hinter den Erwartungen zurück. Die gelernte Großhandelskauffrau zog einen Schlussstrich. "Da fällt Dir einfach nichts mehr ein, wenn Kunden plötzlich über die schlechte Lage jammern, obwohl Parkplätze seit 15 Jahren direkt vor der Ladentür liegen", sagt die 45-Jährige. Sie vermutet eher die Konkurrenz der Lebensmittelmärkte und Biomarkt-Ketten als Ursache. "Jeder Discounter hat mittlerweile eine eigene Bio-Marke. Da können wir als kleiner Bioladen auch preislich nicht mithalten, auch wenn wir verstärkt auf Regionalität setzen." Ihre Lieferanten bestätigten, dass landauf, landab kleine Läden Probleme hätten. Und das, obwohl Bio boomt. "Schade, wenn sich die Kundschaft anders entscheidet."

Die Schließung treffe auch ihre zwei Mitarbeiterinnen, bedauert Ring. Sie selbst werde erstmal im Betrieb ihres Mannes aushelfen. "Irgendwie wird es weitergehen."

Kommentar:

Verdrängt

In der Bio-Branche scheint sich die gleiche Entwicklung abzuzeichnen wie im klassischen Lebensmittelhandel. Auch hier herrscht ein brutaler Verdrängungswettbewerb. Der Tante-Emma-Laden ist längst passé. Kleine Bioläden, vor Jahren als Vorreiter für nachhaltiges Einkaufen gestartet und gefeiert, kämpfen mittlerweile ums Überleben.
Scheinbar genügt es nicht mehr, ein gut sortiertes Warenangebot, ökologisch und regional produziert, mit persönlicher Einkaufsatmosphäre vorzuhalten, um selbst Stammkunden langfristig zu binden. Auch Parkplätze vor der Haustür, das Totschlagargument bei jeder Geschäftseröffnung, reißen es nicht raus. Dabei müssten Bioläden – auch kleine – eigentlich boomen. Bio ist Trend, und nicht erst, seit Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen oder jeder Acker zur Blühfläche für Bienen wird.
Liegt es also doch wieder nur am Preis, dass Kunden lieber für ein paar Cent weniger zu den Bio-Marken der Discounter und Supermärkte greifen, und so das eigene grüne Gewissen beruhigen? Das wäre schade. Dann aber bitte auch kein Gejammer, wenn der nächste Einzelhändler um die Ecke schließt. Zur Verdrängung trägt letztendlich auch der Kunde bei.

Stephanie Hladik

Christine Ring übernimmt die "Naturkost Oase"

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