09.04.2019 - 18:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kunstrasen mit Stolpersteinen

Das Fraunhofer-Institut schlägt Alarm, nennt Kunstrasenplätze als drittgrößte Quelle für Mikroplastik. Die Gewissensfrage hat der Stadtrat schon im März entschieden. Weiden setzt auf Kork, Parkstein seit jeher auf Plastik-Granulat.

Die zukünftigen Sportanlagen der SpVgg SV Weiden am Wasserwerk
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Sportfläche gegen Sportfläche. Das ist der Deal, den die Stadt Weiden mit der SpVgg SV eingegangen ist. Um das Areal im Stadtteil Stockerhut für die geplante Wohnbebauung freizuräumen, werden draußen am Wasserwerk zwei weitere Sportplätze angelegt. Auf dem künftigen B- und D-Platz soll nahezu ganzjährig gespielt werden können. Deshalb soll ein unempfindlicher Belag her. Das Zauberwort heißt hier immergrüner Kunstrasen. Davon schwärmen Sportvereine.

Als einer der ersten Vereine in der Region setzte im Jahr 2010 der SV Parkstein auf die moderne Rasentechnik. "Wir haben es nicht bereut", unterstreicht Erwin Glaubitz, der seit drei Jahren die Abteilung Fußball leitet. Jahrelang war er davor der Platzwart auf dem Naturrasen. "Der war im Sommer beinhart, im Frühjahr und Herbst nass. Im Sechzehner gab's stets kahle Stellen. Der Fünfmeter glich oft einem Acker. Wir haben mit unseren Mannschaften deshalb sehr oft unten in Schwand trainiert."

Kunstrasen bewährt

Der Kunstrasenplatz - "ein neuer Unterbau mit einer funktionierenden Drainage war sowieso überfällig" - habe sich beim SV Parkstein bewährt, unterstreicht Glaubitz. "Wir bekommen in der schlechten Jahreszeit viele Anfragen von Vereinen, die einen guten Platz suchen. Aber wir lassen niemand anderes drauf."

Sensationell einfach sei im Gegensatz zum Naturrasen die Pflege des Spielfeldes. Ein- bis zweimal im Monat sei der Rasen "zu bürsteln", um zum Beispiel die Halme zu reinigen, die "Einstreu" zu lockern und optimal zu verteilen. Eine Erosion, ein Abtrag der Gummi/Plastik-Teilchen, sei nicht zu beobachten. "Da wird nichts verweht." Im Hochsommer müsse bei großer Hitze die Fläche allerdings gewässert werden. Ideal für den Sportbetrieb eines Vereins sei die Kombination aus Kunst- und Naturrasen, so Glaubitz.

Estatos Umweltbeitrag

Nicht schlechtredenlassen will Alexander Prokein, Geschäftsführer der Estato Umweltservice GmbH, das Gummi-Granulat aus Weiden-West. Etwa ein Zehntel der Jahresproduktion des Weidener Unternehmens gehe in den Sportplatzbau. Es habe ihn überrascht, dass die Stadt Weiden das Gummi-Material (aus Altreifen) als umweltbelastender ansehe als Plastik- oder auch Korkgranulat. "Will denn niemand den Beitrag sehen, den wir mit dem Recycling der Reifen für die Umwelt leisten?"

Er biete den Mitarbeitern der Stadt und den Stadträten gerne an, sich im Estato-Werk Weiden umzusehen. "Alles, was nicht fest verbunden ist, kann abgeschwemmt oder weggeweht werden", meint Prokein. Kork könne zudem schimmeln. "40 Kilometer weiter, in Tschechien, wird der Sportplatzbau mit unserem Material gar gefördert."

Die Ergebnisse der Fraunhofer-Forscher, die laut dpa-Bericht vom Montag herausgefunden haben wollen, dass derzeit in Deutschland durch Sportplätze rund 11 000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangen, sind nicht unumstritten. Der bayerische Kunstrasenhersteller Polytan kritisiert die hohen Zahlen, die "nicht belastbar" seien.

Am Wasserwerk werden die beiden Kunstrasenfelder erst im nächsten Jahr realisiert. Der Nachtragshaushalt sichert die Finanzierung. Pro Feld mit "mittlerer Größe" wird rund eine halbe Million Euro fällig. Das ist deutlich teurer als ein Naturrasen. Doch ein Kunstrasen ist eben immergrün und super-pflegeleicht - wenn da nicht die Gewissensfrage wäre.

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