21.02.2020 - 21:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kuriose Ampel in Weiden: Fußgänger sehen Rot – und zugleich Grün

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Das ist selten in Weiden, gibt's aber an der Dr.-Pfleger-Straße gleich doppelt: Fußgängerampeln, die bei einer Straßenquerung versetzt von Rot auf Grün umschalten. Ein Programmierfehler? Mitnichten, wissen Experten.

Wer an der Dr.-Pfleger-Straße vom Neuen Rathaus in Richtung Großparkplatz die Straße als Fußgänger queren will, stellt fest, dass die Fußgängerampeln unterschiedlich geschalten sind. Das scheint ungewöhnlich, ist aber volle Absicht.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Nein, hier handelt es sich nicht um einen Fehler. Das ist Absicht", sagt Johann Wurm. Der Verkehrssachbearbeiter der Polizei spricht über die Fußgängerampel an der Dr.-Pfleger-Straße auf Höhe des Rathauses. Sie zeigt - genauso wie die bei der Max-Reger-Halle für kurze Zeit unterschiedliche Signale.

Während Fußgänger deshalb auf der einen Seite bei Grün in Richtung Mittelinsel loslaufen, müssen die auf der anderen den Gehreflex unterdrücken und ausharren, weil ihre Ampel auf der Mittelinsel weiter Rot zeigt. Tun sie's nicht, drohen schwerwiegende Folgen.

Zur Vorgeschichte

Weiden in der Oberpfalz

Auto fährt Schülerin an

So wie am 12. Februar. Nach Schulschluss fuhr eine Autofahrerin die Dr.-Pfleger-Straße in Richtung Innenstadt und schließlich eine 11-Jährige an, die gerade den Fußgängerweg bei der Ampel am Neuen Rathaus überquerte. Nur, bei welcher Signalfarbe? Die Ermittlungen laufen, informiert die Polizei.

Die versetzt geschaltete Fußgängerampel könnte eine Rolle gespielt haben. Die Funktion an sich ist laut der Servicefirma "üblich und [...] teilweise gar nicht anders möglich". Auch der Verkehrsexperte der Polizei betont die Sinnhaftigkeit: "Die Ampelschaltung berücksichtigt Räumzeiten und den Verkehrsfluss", sagt Wurm. Der Begriff Räumzeiten ist laut Wurm der Zeitraum, ab dem die Autofahrer Rot sehen und bis die Fußgänger das Grünsignal bekommen.

Die Stadt Weiden erklärt es am konkreten Beispiel Ecke Dr.-Pfleger-/Weigelstraße: Hier erhalten die Fußgänger zur Querung der rechten Spur - der Verkehr fährt auf die Kreuzung zu - schneller das Grünsignal als im Bereich der linken Spur. Denn auf der linken Spur sind noch die Räumzeiten der Fahrzeuge abzuwarten, die von der anderen Seite weiter einfahren.

Kuriose Verkehrsstellen in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Versetzte Schaltung verringert Wartezeiten

Die versetzte Schaltung sei zudem nur möglich, weil die Straße an der Stelle mit je zwei Fahrbahnen pro Fahrtrichtung entsprechend breit ist, es eine Mittelinsel für die Installation einer weiteren Ampel gibt und das Verkehrsaufkommen entsprechend hoch ist, weiß Verkehrssachbearbeiter Wurm. Und die versetzte Schaltung verringere Wartezeiten - für Fußgänger sowie Autos. Gerade der öffentliche Nahverkehr profitiert, meint Wurm.

Oder wie es die Stadt Weiden formuliert: "Durch diese Schaltung kann die Grünphase und damit die Leistungsfähigkeit der Fußgängerfurten und der gesamten Kreuzung optimiert werden." Übrigens würden die Grünzeiten je nach Uhrzeit und Verkehrsaufkommen zwischen 10 und 30 Sekunden variieren. Das steuere der Verkehrsrechner der Servicefirma. "Die Sicherheitszeiten, unter anderem die Räumzeiten, sind aber immer eingehalten", betont die Stadt Weiden. Die Servicefirma erklärt: "Grundsätzlich gilt, dass ein Fußgänger das Signal auf der Mittelinsel beachten muss, da dies ja auch eindeutig der Fußgängerfurt zugeordnet ist."

Unfallstelle bislang unauffällig

Und trotzdem passierte der Unfall auf dem Fußgängerüberweg. Hätte er sich mit einer einheitlichen Signalschaltung vermeiden lassen? "Bislang ist diese Stelle nicht auffällig", sagt Wurm. Und: Nicht Ampeln, sondern individuelle Fehler an Ampeln führten zu Unfällen. "Wobei EIN Fehler oft durch die Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer kompensiert werden kann. Erst bei zwei Fehlern, kommt es zum Unfall."

Restrisiko bleibt

So könnte es beim Zusammenstoß mit der Schülerin gewesen sein: Die Autofahrerin könnte die Dr.-Pfleger-Straße weitergefahren sein, obwohl die Ampel nicht mehr Grün zeigte. Ein möglicher erster Fehler. Den zweiten könnte die Schülerin gemacht haben, als sie womöglich losging, obwohl die Fußgängerampel auf dem Mittelstreifen noch Rot und nur die dahinter bereits Grün zeigte. Die Ermittelungen aber laufen noch.

Versetzte oder gleichzeitige Ampelschaltung - Wurm warnt generell: "Die Teilnahme am Straßenverkehr fordert stets eine gewisse Aufmerksamkeit und Vorsicht. Trotzdem bleibt im Leben ein Restrisiko."

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