Das Jubiläum zur Einführung des Frauenwahlrechts war für „Starke Weidnerinnen“ Anlass genug, sich am Donnerstagabend auf einen „Flammenden Weg“ durch die Innenstadt zu machen. Die Frauenstadtführung leitete Stadtarchivarin Petra Vorsatz. Eingeladen hatten Landkreis Neustadt, IG BCE Bezirk Nordostbayern, Stadt Weiden, OTH Amberg-Weiden und Bundesagentur für Arbeit. Die Führung startete vor der Freitreppe am Alten Rathaus. Anschließend trafen sich alle Teilnehmer zum Austausch im Kulturzentrum Hans Bauer.
Petra Vorsatz begann ihre Ausführungen mit der akademischen Kunstmalerin und Tochter des Weidener Marienapothekers Heinrich Vierling, die 1919 als erste Frau in den Weidener Stadtrat für die Bayerische Volks- und Mittelpartei einzog. Stadtratsprotokolle aus jener Zeit, bewiesen, wie schwer sich die damals 37-jährige im Kreis ihrer männlichen Stadtratskollegen tat.
Gleichzeitig wies die Archivarin auf das Relief mit der pflügenden Frau am Alten Rathaus hin. Eines der wenigen Denkmäler, das an die Zeit der arbeitenden Frauen während des Ersten Weltkriegs erinnere. Das Relief wurde 1921 im Zuge des Rathausumbaus angebracht und stammte vom Münchener Bildhauer Göhring.
Vor dem Ratskeller erzählte die Historikerin von der Tochter des Ziegeleibesitzers Lorenz Forster aus Sulzbach-Rosenberg, die 1908 den Brauereibesitzer Johann Landgraf heiratete. Auch sie kandidierte 1919 für die Wahlvereinigung für Hausbesitz, Handel und Gewerbe für den Weidener Stadtrat, wurde aber nicht gewählt. Fünf Jahre später scheiterte sie nochmals. Diesmal als Kandidatin für die Deutschnationale Volkspartei. Allerdings gelang es ihr, die gut gehende Brauerei nebst Schänken auszubauen.
Dritte Station war der Orden der Armen Schulschwestern von „Unserer lieben Frau“. Schon 1890 habe sich in Weiden ein Frauenverein gegründet, mit dem Ziel eine „Kinderbewahranstalt“ ins Leben zu rufen. Der niedrigste Monatsbeitrag für Mitglieder: Fünf Pfennig. Zweck der Anstalt sei es gewesen, Kindern jeder Konfession, die schon gehen konnten, aber noch nicht die Schule besuchten, Aufenthalt, Pflege und dem Alter entsprechenden Unterricht zu erteilen.
Der unermüdlichen Arbeit von Stadtpfarrer Max Josef Söllner und des Braunmüllers Martin Janner, der das Grundstück spendete, wurde 1893 die Kinderbewahranstalt in der Asylstraße eröffnet. Im selben Jahr zogen zwei Schulschwestern ein, die für 500 Mark Jahresgehalt 150 Kleinkinder, die beiden unteren Klassen der Katholischen Mädchenschule und eine Handarbeitsschule betreuten. Später wurde ihnen, inzwischen personell verstärkt, auch die beiden oberen Klassen übertragen. Die ständige Erhöhung der Schülerzahlen machte den Neubau der Gerhardingerschule nötig. Die Armen Schulschwestern zogen 1907 in ihr Schwesternhaus an der Luitpoldstraße.














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