Ein ganz neues Selbstbewusstsein bei den Kliniken Nordoberpfalz: Beim Presse-Vorstellungstermin hat der neue Vorstand Ralph Junghans ungewohnte Töne angeschlagen. Kein Klagen über schwierige Rahmenbedingungen, keine vorauseilende Rechtfertigung für erwartete Defizite. Stattdessen betonten Junghans und der neue Klinikdirektor Tim Egger, man habe den Anspruch, die Zeit der Defizite hinter sich zu lassen. „Wir sind gekommen, um das Haus nachhaltig zu entwickeln.“
Dabei wolle man „nicht mit dem Rotstift“ arbeiten. Zusammen mit dem zweiten Klinikdirektor Stephan Schumacher sei das Ziel, in den bestehenden Strukturen mindestens kostendeckend zu arbeiten. Und dieses Ziel solle nicht irgendwann erreicht werden. Die Kalkulation der alten Klinikumsleitung sehe für das laufende Jahr 2026 ein Defizit von rund acht Millionen Euro vor. „Unser Ziel ist es, besser zu sein“, betonte Junghans. Das zweite Halbjahr solle besser laufen, die Zahlen für Juni würden bereits in diese Richtung deuten, erklärte Junghans.
Kind zweier Ärzte
Der 36-jährige Gesundheitsmanager ist seit April in Weiden, im Mai übernahm er den Vorstandsposten von Vorgänger Michael Hoffmann. Nach seinem Studium der Gesundheitsökonomie in Bayreuth durchlief der verheiratete Vater eines einjährigen Sohnes ab 2016 verschiedene Stationen im Helios-Konzern. „Man kann nirgendwo so viel über Krankenhäuser lernen wie in Deutschlands größter Krankenhauskette.“ 2019 berief der Konzern den Sohn zweier Ärzte zum Leiter des Helios-Vogtland-Klinikums in seiner Heimatstadt Plauen. „Mit 29 Jahren als einer der jüngsten Geschäftsführer eines Krankenhauses mit Schwerpunktversorgung“, wie Junghans betont.
Auch Tim Egger kommt von einem privaten Klinikumbetreiber. Der 37-Jährige führte zuletzt eine Privatklinik der Schön-Gruppe in München-Harlaching. Zuvor war der gebürtige Allgäuer ebenfalls bei Helios, habe aber auch Erfahrung in der kommunalen Rhein-Neckar-Klinik gesammelt. Die Entscheidung für den Wechsel nach Weiden und damit zurück unter kommunale Trägerschaft habe er bewusst getroffen, sagt Egger.
„Von außen mag der Unterschied sehr groß wirken“, sagt Egger über den Vergleich zwischen privaten und kommunalen Kliniken. Seine Arbeit unterscheide sich aber nicht. „Das Geschäft ist das gleiche.“ Tatsächlich könnten in großen Klinik-Konzernen die Entscheidungswege deutlich länger sein als in kommunalen Strukturen. Und außerdem sei es leichter, wenn man keine Gewinne für Aktionäre erwirtschaften müsse, sondern die ganze Arbeit Patienten und Mitarbeitern zugutekomme.
Mehr Gemeinwohl als Gewinn
Auch Junghans deutete an, dass dieser Aspekt einer der Beweggründe für seinen Wechsel von Sachsen in die Oberpfalz gewesen sei: weniger Gewinnmaximierung, mehr Gemeinwohl. Er sei überzeugt, dass sich auch in den bestehenden Strukturen gut wirtschaften lasse. Ausdrücklich und mehrfach betonte der Manager, dass er dabei nicht auf Einsparungen setzen will. Er verstehe den Klinikenverbund vor allem als Dienstleistungsunternehmen, bei dem die Servicequalität über den Zuspruch der Kunden oder Patienten entscheide. Und die Qualität leide unter zu hohem Spardruck.
Es gebe sicher kleinere Einsparpotenziale. „Aber vor allem da, wo es Patienten und Mitarbeiter nicht bemerken.“ Schwarze Zahlen schreiben sollen die Kliniken Nordoberpfalz, indem „in den bestehenden Strukturen“ mehr Patienten behandelt werden. In organisatorischen Veränderungen sehen Junghans und Egger hier Potenzial. In Gesprächen mit niedergelassenen Ärzten habe er bereits mehrfach von Wartezeiten bei der Überweisung von Patienten gehört. Diese Wartezeiten abzubauen, sei ein Ansatz.
Zeit der Berater ist vorbei
Keine Veränderung soll es bei den Standorten geben. Am Dreieck aus den Standorten Weiden, Kemnath und Tirschenreuth wolle man festhalten. Unter Umständen solle das ambulante Angebot ausgebaut werden. Schon wegen der Demografie dürften sich im regionalen Gesundheitswesen neue Anforderungen ergeben, und auch an die Kliniken-AG würden Erwartungen gestellt. Diesen Erwartungen wolle man sich stellen, versprach Junghans.
In einem Punkt kündigten die beiden Gesundheitsmanager aber Veränderungen an: Die Zeit der Beraterfirmen sei beendet. Er wolle die Entscheidung seiner Vorgänger nicht bewerten, erklärte Junghans. „Ich bin damals nicht am Tisch gesessen.“ In seiner bisherigen Zeit in Weiden seien ihm in den verschiedensten Bereichen nicht nur viel Motivation und Identifikation begegnet, sondern auch viel Kompetenz. Er sehe deshalb keinen Bedarf, externes Wissen hinzuzuziehen.






















Hör sich mal sehr positiv an,
Was definitiv auch zu begrüßen ist dass man auf die ganzen hochbezahlten Berater verzichten will
Wenn man für das Tagesgeschäft Berater benötigt dann wäre die Stelle fehlbesetzt
Ich hoffe dass dem neuen Managment dies alles gelingt
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Ich hoffe, dass der Sohn zweier Ärzte auch wieder das Trias Ärzte, Pflegekräfte, Patienten und deren Wohl im Blick hat. Aus Menschen und deren Krankheiten kann man keinen Gewinn erwirtschaften, ebenso wenig funktioniert das Optimalprinzip, möglichst wenig Pflegekräfte auf möglichst viele Patienten. Aber wie gesagt, es ist eine Hoffnung. Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass das Optimalprinzip bei den Wirtschaftern das Non-plus-ultra ist, obwohl genau das für den massiven Pflegekräftenotstand verantwortlich ist. Ich würde mir wünschen, dass sowohl die Ressource Mensch in der Pflege als auch der Patient wieder gesehen wird. Wir werden sehen, Papier ist geduldig, Taten werden am Ende zeigen, welches Geistes Kind der neue Vorstand ist.
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