13.02.2020 - 17:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lebensmittelretter: Neue Initiative gründet sich in Weiden

Ein Aufstrich, der nicht schmeckt. Zu viel Brot. Joghurt, das morgen abläuft. Solche Dinge bleiben liegen, bis sie alt sind und landen dann im Müll. Die Initiative "Foodsharing" rettet und teilt Lebensmittel, jetzt auch in Weiden.

Auch in Weiden gründet sich eine "foodsharing"-Gruppe. Sie will Lebensmittel retten und teilen.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

"2 vegane Aufstriche, geöffnet Anfang Februar 20, schmecken mir leider nicht", steht neben einem Bild der zwei Schraubgläser. Gepostet hat das Bild eine Nutzerin namens "mirjam" aus Weiden. Es ist zu sehen im Internet auf einer interaktiven Karte der Initiative "Foodsharing". Die Mitglieder retten und teilen Lebensmittel.

In der Nordoberpfalz ist dieses Angebot noch auf weiter Flur. Die nächste Gelegenheit ist in Regensburg. Dort hat auch Carolin Schiml von der Aktion erfahren. Sie studiert in Regensburg, wohnt aber in Weiden. Die Aktivistin und Dolmetscherin hat sich bei der Internetplattform registriert, genau informiert, andere "Foodsaver" begleitet bei ihren Lebensmittelabholungen. Jetzt gründet sie eine Gruppe in Weiden.

"Foodsaver" holen Essen ab

Bei der Gründungsversammlung treffen sich Leute aus Weiden und dem Landkreis Neustadt, die Lebensmittelretter werden wollen. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen: Eine Frau ist auf dem Bauernhof aufgewachsen, wo nie etwas weggeschmissen wurde und will diesen Lebensstil, den sie aus der Kindheit kennt, weiterführen. Eine andere stammt aus einer Bäckersfamilie und will sich informieren, wie sie das übrig gebliebene Brot weitergeben kann.

Erst einmal wollen alle das Konzept auf der Webseite genau studieren. Fast die gesamte Organisation der Initiative läuft über das Internet. Auf "foodsharing.de" können sich Nutzer registrieren, Gruppen gründen, kommunizieren, Leuten ihr Essen anbieten. Das Herzstück des Projektes läuft jedoch weiterhin analog: Zertifizierte Mitglieder, "Foodsaver" genannt, fahren zu Betrieben und holen Lebensmittel ab, die diese sonst wegwerfen würden. Das Essen behalten die "Foodsaver" selbst, verteilen es an Freunde, oder sie machen davon ein Bild und stellen es auf die Plattform.

Lebensmittel-Retter aus Amberg

Amberg

Über Internet organisieren

Die Initiative "foodsharing.de" ist straff durchorganisiert. Eine Broschüre über 69 Seiten klärt auf darüber, wie man die Lebensmittel behandelt, wie man mit Betrieben Kontakt aufnimmt, wen man bei Problemen kontaktiert.

Die Weidener Gruppe hat schon erste Ideen für Aktionen: Kochrunden etwa, in denen übrig gebliebenes Essen gekocht und an Bedürftige verteilt wird. Andere wollen alten Menschen das gerettete Essen vorbeibringen.

Ergänzung zu den Tafeln

Das klingt alles etwas nach den Tafeln, doch es gibt Unterschiede. Dort etwa muss man einen Bedürftigkeitsnachweis vorzeigen, um Essen abzuholen. Das braucht es bei Foodsharing nicht, dafür braucht man Internet. Die Initiative versteht sich auch ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Tafeln, sondern als Ergänzung. "Wir begrüßen und unterstützen jegliches Engagement gegen Lebensmittelverschwendung", heißt es in der Infobroschüre. Ziel der Initiative sind vor allem auch kleinere Läden, die die Tafeln normalerweise nicht anfahren. 2012 entstand die Initiative in Berlin. Mittlerweile sind auf der Plattform 200 000 Nutzer registriert und auf ganz Deutschland verteilt. In größeren Städten gibt es öffentliche Abgabestellen, "Fair-Teiler" genannt, zu denen alle Menschen Lebensmittel bringen und kostenlos von dort mitnehmen dürfen. In Stuttgart gibt es sogar das Café "Raupe Nimmersatt", in dem Gäste kostenlos gerettete Lebensmittel verzehren können. Bezahlen müssen sie für das Essen nichts, sondern nur für die Getränke, die sie im Café bestellen.

Soweit ist es in Weiden noch nicht. Aber die Interessierten bleiben dran. Die Initiative trifft sich für alle Interessierten wieder am Mittwoch, 4. März, 19 Uhr, in der Hermannstraße 1 in Weiden.

Auch eine Initiative der Foodsharing-Mitglieder: Im Café "Raupe Immersatt" in Stuttgart gibt es kostenlos Essen, das anderswo weggeworfen worden wäre.
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