21.03.2019 - 12:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leere Flächen tun der Seele gut

Wichtig ist, dass die Dinge zu dem Menschen passen, der sich mit ihnen umgibt. Künstlerin Marthe M. Leithenmayr verrät ihr Geheimnis für ein schönes Zuhause.

Geschichtenerzähler: Der alte Werkstatt-Spind im Haus von Marthe M. Leithenmayr bleibt Besuchern im Gedächtnis.
von mvsProfil

(mvs) Die Weidener Künstlerin Marthe M. Leithenmayr ist vielen durch ihre Klatschmohn-Gemälde bekannt. Vielleicht unbewusst waren viele Oberpfälzer auch schon in Räumen von Firmen, die Marthe mit Bildern ausgestattet hat. Im Gespräch erzählt die gebürtige Österreicherin, was ihr Dekorieren bedeutet.

ONETZ: Marthe, Sie sind bekannt dafür, Dinge wunderschön zu arrangieren. Wo fangen Sie an?

Marthe M. Leithenmayr: Grundlage ist immer Ordnung und die beginnt immer mit Aussortieren von Dingen, die man nicht mehr braucht, die kaputt und irreparabel sind oder sich nicht mehr gut anfühlen. Ich bin selbst gerade mitten im Aufräumen. Heuer ist das wie eine Welle, an der wohl keiner vorbei kommt und die mich auch erfasst hat. Das ging zwischen Weihnachten und Neujahr los und hält immer noch an. Ich bin zwar kein Fan der Origami-Falt-Methode der Marie Kondō (japanische Ordnungsberaterin und Bestsellerautorin mit Netflix-Show; Anm. d. Red.), aber das Ausmisten, selbst am Computer den Daten-Wahnsinn in eine Form zu bringen, da bin ich dabei.

ONETZ: Also erst mal ... Platz für Leere schaffen?

Marthe M. Leithenmayr: Absolut, Leere hat eine große Bedeutung. Wir schaffen's oft zu wenig, dabei tun leere, gern weiße Flächen der Seele gut und geben den Gedanken Raum. Wir brauchen nicht nur schöne Dinge, sondern auch Luft und Fläche dazwischen. Stell Dir vor, ein voller Schrank, in dem Du nichts findest? Nicht der Hit ... Oder eben ein Schrank, wo sorgfältig Ausgewähltes drin steht, alles Raum hat, sich leicht herausnehmen und zurückstellen lässt, das ist doch pure Freude.

ONETZ: Also erst mal entrümpeln, und was passiert dann?

Marthe M. Leithenmayr: Das will ich nicht generalisieren, weil für jeden etwas anderes wichtig ist und alles seine Berechtigung hat. Es gibt auch Menschen, die auf ein schönes Zuhause weniger Wert legen als ich, und auch das ist in Ordnung. Ich dekoriere ja nicht bewusst. Ich habe nur die Eingebung, das muss da hin, und für jemand anderen sieht es aus, als wäre es dekoriert. Aber natürlich gibt es ein paar Sachen, an die ich mich - wohl unbewusst und einfach aus dem Bauch heraus - schon halte.

ONETZ: Haben Sie Tipps?

Marthe M. Leithenmayr: Ich fahre nicht irgendwo hin, so "heute kaufe ich Deko", und stelle das dann zusammen. Freilich hole ich mir bei "Westwing" und Co. Inspirationen, aber eigentlich mag ich keinen Look von der Stange und auch diesen schnellen Konsum nicht. Mein Möbel-Bestand sind geliebte, auch und gerade alte Stücke, die Geschichten erzählen.

ONETZ: Das ist schon ein Tipp. Worauf achten Sie beim Dekorieren, das bei Ihnen keines ist?

Marthe M. Leithenmayr: Wichtig ist mir, dass ich etwas kreiere. Ich umgebe mich einfach zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Dingen, die für mich eine Seele haben. An ihrem zweiten, dritten Tag zu Besuch bei mir hat meine Freundin gefragt, ob ich mich nur mit schönen Dingen umgebe? Ja, am liebsten schon! Die Küche und das Bad sind neu, der Rest darf Geschichten erzählen. Mein alter Spind im Esszimmer steht so, wie er jahrzehntelang in irgendeiner Werkstatt stand. Mein Tisch ist ein alter Wirtshaustisch und drum herum unterschiedliche Stühle, denen ich durch Schleifen und Streichen einen einheitlichen Look gegeben habe.

ONETZ: Welche Rolle spielt Wiederholung?

Marthe M. Leithenmayr: Eine große, und eine kleine, je nach Zusammenhang! (lacht) Die Stühle sind ein gutes Beispiel. Ich hatte keine Lust ein und dieselbe Stuhlform zu wiederholen, weil das für mich langweilig ausgesehen hätte, aber mir war schon wichtig, dass der Tisch einen stimmigen Rahmen bekommt. Farb-Wiederholungen sind angenehm, das merkt man in den Möbelhäusern: Beim schwedischen Möbelhaus in Neutraubling haben sie Hundert Mal dieselbe Vase, beim Möbelhaus über der Straße Hundert verschiedene - das macht mich müde und erschöpft mich viel schneller.

ONETZ: Freilich. Würden Sie sagen, jeder Raum braucht einen „Star“, das herausragende Bild, das eine Ding, das die Wahnsinns-Geschichte von der Atlantik-Überfahrt oder so erzählt?

Marthe M. Leithenmayr: Naa, muss ned sein, wichtig ist nur, dass die Dinge zu dem Menschen passen, der sich mit ihnen umgibt, die Authentizität ist wichtig. Ich brauche nicht den großen "Star", der dem neuesten Trend entspricht und alles dominiert, es muss nur passen. Der eine ist ein fröhlicher, sprudelnder Mensch, der alles bunt braucht, der andere klar und puristisch und deshalb beim skandinavischen, reduzierten Stil daheim, mit zwei Grundfarben und ab und an einem Akzent.

ONETZ: Sie beraten Firmen und Privatpersonen bei der Frage, wie sie ihre Räume mit Bildern gestalten können. Wie läuft das ab?

Marthe M. Leithenmayr: Entweder ich fahre hin und sehe mir alles an, die Architektur, die Nutzung, den Zweck der Räume, oder Privatpersonen schicken mir ein Handy-Foto von ihrem Wohnzimmer. Ich habe ein sehr gutes Gefühl dafür, welches Bild ein Raum braucht, als Bindeglied zu den Menschen, die sich darin aufhalten. Ich mache dann drei oder vier Vorschläge - mehrere, einfach weil es verschiedene Geschmäcker und Möglichkeiten gibt -, und da ist dann immer das Konzept dabei, das passt. Es ist ja so, Du hast für den ersten Eindruck keine zweite Chance, und wenn Du eine Firma hast, dann schaut sich der Kunde nicht so sehr die Möbel und den Fußboden an, sondern vor allem die Bilder. Die versteht er als Statement und zieht daraus Rückschlüsse auf Dich, deshalb sind sie so wahnsinnig wichtig. Ich kann dieses Statement vielfältig mit unterschiedlichen Stilen umsetzen, weil ich auf so viele Weisen in der Kunst daheim bin.

ONETZ: Marthe, womit umgeben Sie sich im Frühjahr?

Marthe M. Leithenmayr: Was ich im Frühling brauche, sind ständig Blumen. Sobald Weihnachten vorbei ist, will ich Tulpen, die Farbe und wie sie Frische signalisieren. Im Sommer habe ich den Garten, im Herbst die Fülle der Düfte und Farben, im Winter die Weihnachtsdekoration - aber im Frühjahr, da brauche ich Blumen.

Marthe im Netz:

Bilder von Bildern

Wer neugierig geworden ist auf die Gestaltungskünste von Marthe Leithenmayr, findet auf www.kunstkonzepte.com weitere Impressionen ihrer Arbeit. (mvs)

Kunst für alle: Marthe gestaltet in ihrem Atelier für jeden Raum die richtige Ergänzung.
Persönlich eingerichtet: Der von der Küche und dem Atelier zugängliche Innenhof von Marthes Haus spiegelt die Kreativität, Gastfreundlichkeit und Liebe der Hausherrin zur sich im Laufe der Zeit wandelnden Natur.
„Ich habe ein sehr gutes Gefühl dafür, welches Bild ein Raum braucht, als Bindeglied zu den Menschen, die sich darin aufhalten“, sagt Marthe.
„Wenn Du eine Firma hast, dann schaut sich der Kunde nicht so sehr die Möbel und den Fußboden an, sondern vor allem die Bilder“, weiß Marthe.
Marthe beschäftigt sich mit vielen Formen der Kunst: Fotografie, Malerei, Print. Bekannt wurde sie mit ihren Klatschmohn-Gemälden.

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