18.08.2019 - 18:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Lichtblick für St. Michael

Es sind Menschen wie Heinz Müller, die eine Kirchengemeinde tragen. Seit bald 40 Jahren schenkt der heute 82-Jährige seiner Gemeinde viel von seiner Zeit. Laut Dekan Dr. Wenrich Slenczka ist Heinz Müller ein „Licktblick“ für St. Michael.

Dekan Dr. Wenrich Slenczka (rechts) hat Heinz Müller als „Lichtblick“ vorgeschlagen; Müller liest nun auf eigenen Wunsch zwei Jahre kostenlos den „Neuen Tag“.
von Gabi EichlProfil

Heinz Müller musste nie lange überredet werden, ein Amt zu übernehmen. Wenn er sah, dass jemand gebraucht wurde, stellte er sich zur Verfügung. Und wenn er das Gefühl hatte, in einem Gremium etwas bewirken zu können, war er sich nicht zu schade, wie im Fall des Kirchenvorstandes mehrmals zu kandidieren, bis er gewählt wurde. 1988 dann erstmals berufen, entließ man ihn so schnell nicht mehr aus der Verantwortung, nachdem sich bald zeigte, dass er gut vermitteln konnte.

Das Amt des Vertrauensmannes, des Sprechers der Ehrenamtlichen gegenüber den Hauptamtlichen, war ihm auf den Leib geschneidert, auch wenn er sich anfangs nicht vorstellen konnte, dass man ihm den entsprechenden Respekt entgegenbringe, wie er sagt. Vertrauensmänner waren vor ihm stets bekannte Weidener Honoratioren. Doch er hat sich die Achtung schnell erarbeitet. 2006 kandidierte Müller nicht mehr, als er in den Handreichungen für Kirchenvorstände las, dass man mit über 70 nicht mehr antreten sollte, „ich wäre sonst bestimmt noch dabei.“

Seine Frau Hannelore, mit der er seit 56 Jahren verheiratet ist und eben erst Diamantene Hochzeit gefeiert hat, hat ihm nie Steine in den Weg gelegt, wenn er wieder einmal für St. Michael unterwegs war. Wohlwissend, wie wichtig ihm dieser ehrenamtliche Einsatz war und ist. Dabei hatte ihr Heinz auch in seinem Brotberuf als Eisenhändler bei der Firma Knorr gut zu tun, etwa dann, wenn er „nebenbei“ noch Lehrlinge ausbildete und sich abends zu Hause mit dem Lehrmaterial beschäftigte.

Zwetschgen für den Stollen: Wenn die reif sind, bekommt sie der Bäcker, der im Gegenzug im Advent die Stollen für den Männerverein spendiert.

Heute ist Müller mehr im Martin-Schalling-Haus unterwegs, das bei ihm gleich um die Ecke liegt, als in St. Michael. Dort kümmert er sich um die Einteilung der Lektoren bei den Samstagabend-Gottesdiensten. In seinem Viertel trägt er den vierteljährlich erscheinenden Gemeindegruß aus, ein ihm keineswegs unangenehmer Spaziergang von etwa zwei Stunden. Dasselbe gilt für die Sammlungen für das Diakonische Werk, für die er gut 30 Jahre gelaufen ist: „Ich hab´ immer gewusst, wo ich läuten muss.“

Vor kurzem war Müller bei der Beerdigung einer früheren Pfarramtssekretärin, die in den 1940er Jahren Kindergottesdiensthelferin war; mit ihr verbindet er seine ersten Schritte in die Kirchengemeinde. Auch wenn er viel für die Gemeinde tut, sein Herzensanliegen ist der Männerverein, für den er schon viele Mitglieder geworben hat. 1981 vom damaligen Dekan Georg Wenzel in den Verein aufgenommen, war er schon zwei Jahre später Schriftführer. 2000 übernahm er den Vorsitz für drei Perioden bis 2009. Der Verein zählt heute immerhin gut hundert Mitglieder, die Vereinsabende sind gut besucht. Und weil der Verein so mitgliederstark ist, geht es diesem auch finanziell sehr gut. Geld, das der Verein jedes Jahr spendet. Und dann ist da noch der jährliche Ausflug des Vereins, der organisiert sein will. Die Teilnehmerlisten liegen bei Müllers auf dem Küchenbüfett, auch hier hat Heinz Müller seine Pappenheimer gut und sehr liebevoll im Griff. Schließlich kann man im Bus nicht einfach den und den nebeneinander setzen.

Zur Person:

Heinz Müller hat immer schon gearbeitet - und gearbeitet. Einmal für den Lebensunterhalt, knapp 50 Jahre als Eisenhändler bei der Firma Knorr, einmal für seine Kirchengemeinde St. Michael. Wobei er selbst die Arbeit für die Gemeinde, vor allem für „seinen“ Männerverein, nicht als Arbeit bezeichnet. Er ist hineingewachsen in die Kirchengemeinde, und er ist ihr bis ins hohe Alter treu geblieben. Der 82-Jährige leitet den Männerverein zwar nicht mehr, auch den Kirchenvorstand hat er aus Altersgründen abgegeben, aber er ist nach wie vor die „gute Seele“ des Männervereins. Er besucht die Geburtstagskinder, hält vor den Versammlungen die Andachten, kennt Sorgen und Nöte der Mitglieder. „Seelsorgerlicher Begleiter“ nennt Dekan Dr. Wenrich Slenczka ihn.

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