04.09.2018 - 10:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lieber Afghanistan, als nach Mallorca

Bernd Wohlgut geht den Dingen gern auf den Grund. Auf seinen Reisen in Kriegsgebiete möchte der Weidener sich selbst ein Bild von der politischen Lage und den Machenschaften vor Ort machen.

Bernd Wohlgut (links) zusammen mit seinen Kontaktpersonen bei der vorletzten Reise nach Kurdistan.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Wer Bernd Wohlgut trifft und nichts über seine Reisen weiß, kommt kaum auf die Idee, dass er ein mehr als außergewöhnliches Hobby hat. Der Mitarbeiter bei der US-Armee in Grafenwöhr erinnert eher an den freundlichen Kollegen aus dem Nachbarbüro als an jemanden, der regelmäßig in die gefährlichsten Regionen auf der Welt reist. Seit acht Jahren fliegt der gebürtige Weidener, Jahrgang 1968 und wohnhaft in Pressath, in Länder mit den größten Krisen auf der Welt. Afghanistan, Pakistan, zweimal Äthiopien, zweimal irakisches und einmal türkisches Kurdistan, Sudan und zuletzt Jordanien waren seine Stationen. In fünf Büchern hat er seine Erlebnisse niedergeschrieben. Außerdem berichtete er alleine im letzten Jahr in 20 Vorträgen über seine Erlebnisse. Oberpfalz-Medien traf Wohlgut bei einem Besuch in Weiden und wollte mehr über seine Beweggründe und Erfahrungen wissen.

ONETZ: Während die meisten ihre Ferien lieber am Meer oder im Gebirge verbringen, zieht es Sie regelmäßig zu den Krisenherden auf der Welt. Wie ist es dazu gekommen?

Bernd Wohlgut: Begonnen hat alles durch meine Kontakte mit US-Soldaten, die aus Afghanistan zurückgekehrt sind. Das hat mich auf die Idee gebracht, mich selbst vor Ort zu überzeugen. Die Soldaten zeichneten ein ganz anderes Bild dieses Landes, als es in den Medien in Deutschland dargestellt wird. Deshalb führte meine erste Reise auch nach Afghanistan. Und an Politik und Geschichte war ich schon immer interessiert. Schließlich war ich aktives Mitglied der Pfadfinderbewegung und besuchte dort zahlreiche Geschichtswerkstätten. Um kennenzulernen, was die Welt bewegt, fahre ich in meiner Freizeit lieber nach Afghanistan als beispielsweise nach Mallorca.

ONETZ: Ihre letzte Reise im Frühjahr dieses Jahres führte nach Jordanien. Was haben Sie dort gesehen?

Bernd Wohlgut: Im Irak und in Kurdistan wurde ich immer wieder mit der Flüchtlingssituation konfrontiert. Da war es naheliegend auch Jordanien zu besuchen, wo gut zwei Millionen Flüchtlinge leben. Außerdem hat auch die Bundeswehr zwischenzeitlich dort einen Standort, den ich kennenlernen wollte. Die politische Situation in Jordanien wird vor allem vom Konflikt mit Israel im Zusammenhang mit den in Jordanien lebenden arabischen Palästinensern und den salafistischen Strömungen bestimmt. Die Integrationsleistung und die Toleranzpolitik des Jordanischen Staates möchte ich ausdrücklich loben. Selten berichtet wird in Deutschland allerdings, dass Jordanien ausschließlich Araber aufnimmt. Bestätigt fand ich dort auch, dass die Ursache für die Massenzuwanderung nach Europa im Jahre 2015 vor allem in der Halbierung der EU-Zuschüsse für UNHCR-Unterhaltszahlungen an Flüchtlinge lag.

ONETZ: Ist es in diesen Krisenländern nicht sehr gefährlich?

Bernd Wohlgut: Sehr wichtig ist eine gründliche Vorbereitung, bevor ich die Reise antrete. Das beginnt schon viele Monate vorher. Ich suche fast immer hier im Lande eine wichtige Kontaktperson oder Organisation zu finden, die im jeweiligen Land eine größere Rolle spielt. Beispiele waren die kurdische Gemeinde in Deutschland oder der Zentralrat der Jesiden. Das öffnet Türen und bringt Gesprächspartner im Ausland. Im Ausland profitiere ich auch von Flüchtlingen, die aus Deutschland in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Völlig ausschließen kann ich aber die Gefahren nicht, doch manche Vorsichtsmaßnahme hilft. Und man muss sich an die Regeln des jeweiligen Landes halten. Im Koffer liegt bei mir häufig ein Koran ganz oben. Und Risikobilder schicke ich per Mail an meine Heimatadresse und lösche sie danach. Und ich darf nie erwähnen, dass ich bei der US-Armee beschäftigt bin. Aber wenn etwas schiefgeht ist man in den Händen der Polizei.

ONETZ: Was war Ihre gefährlichste Situation?

Bernd Wohlgut: Da gab es mehrere. Zwei Mal wurde ich schon von der Polizei verhört. Einmal zum Beispiel in Äthiopien, als Polizisten nach illegalen Geldgeschäften von Pakistanern fahndeten und sie einen Stempel aus Pakistan in meinem Reisepass fanden. Das andere Mal war ich im türkischen Kurdistan bei kurdischen Kontaktpersonen und durfte zunächst nicht in mein Hotel zurückkehren. Doch irgendwie hatte ich auch immer etwas Glück

ONETZ: Gibt es wichtige Erkenntnisse von Ihren Besuchen?

Bernd Wohlgut: In mehreren Ländern habe ich erlebt, dass dort Religion als Brandbeschleuniger eingesetzt wird. Dies wirkt, weil zum Beispiel Araber im Durchschnitt religiöser als Europäer sind. Die US-Amerikaner haben weniger Anteil an den Nah-Ost-Konflikten, eher ist es Saudi-Arabien und dort weniger das offizielle, sondern insbesondere die religiösen Stiftungen. In Äthiopien habe ich das Desinteresse von Europa an Afrika erlebt und die Ausbreitung von China. Oftmals habe ich auch festgestellt, wie die herrschende Klasse das Interesse ihres Landes immer mit dem eigenen Profit verband. Vor allem in Afghanistan.

ONETZ: Nächste Reise?

Bernd Wohlgut: Ich denke über Saudi-Arabien nach.

Zurück in Deutschland. Von Reisestrapazen ist bei Bernd Wohlgut nichts zu bemerken.

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