27.04.2020 - 16:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lieber langsam als gar nicht: Weidener Geschäfte öffnen verhalten

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Zum ersten Mal seit Beginn der Coronakrise durften viele Geschäfte in Weiden am Montag wieder öffnen. Wir haben Geschäftsleute und Kunden nach ihren ersten Eindrücken gefragt.

Auch bei Haushaltswaren und Geschenke Sonna werden die Abstände eingehalten. Hier dürfen nur zehn Kunden gleichzeitig ins Geschäft.
von Helmut KunzProfil

Ein Reisekoffer wurde am Montag noch keiner verlangt, versichert Susanne Kaufmann-Würfl, Geschäftsführerin bei Leder Hackl. Wohin sollte momentan die Reise auch gehen? „Die Leute kommen schon, kaufen aber gezielt ein.“ In den letzten Wochen hätte sich bei den Menschen einiges an Bedürfnissen angestaut. „Unsere Kunden wissen was sie wollen. Finden sie das Richtige, kaufen sie es.“ Der Geschäftsbetrieb müsse erst langsam wieder anlaufen. „Aber lieber langsam als gar nicht", sagt Kaufmann-Würfl.

Der erste verkaufsoffene Tag für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern verlief eher verhalten. Auch wenn die Händler den Termin herbeigesehnt hätten, wie der Vorsitzende des Weidener Einzelhandelsverbandes, Tobias Sonna, unterstreicht. „Jeder will sich schützen.“ Dass jetzt die Stadt gestürmt werde, halte er für unwahrscheinlich. Für eine erste Bilanz sei es noch zu früh, die lasse sich erst Ende dieser Woche ziehen.

„Wenn man sechs Wochen lang geschlossen hat und keinerlei Einnahmen bezieht, dann liegt der Umsatz, wie bei mir, bei zehn Prozent.“ Dabei habe er alle die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt: Die Kunden informiert über Newsletter, Telefon, einen neu eingerichteten Onlineshop oder Schaufensterumgestaltung.

„Schon unsere ersten Kunden haben uns ein deutliches, positives Signal gesendet", sagt Sonna. Gekauft worden seien vor allem Haushaltswaren oder Präsente zum Muttertag. Alle Sicherheitsvorkehrungen würden eingehalten. Es gebe eine Glasscheibe im Kassenbereich, die Kunden und Personal schütze sowie selbst hergestellte Mund- und Nasenmasken. Die gegenseitige Rücksichtnahme sei mittlerweile selbstverständlich.

Nur zehn Personen – „weniger als erlaubt“ - dürften gleichzeitig in den Laden hinein. Kontrolliert werde die Kundenzahl über bereitliegende Einkaufskörbe, die nach Gebrauch desinfiziert würden. „Wir können, indem wir Regale abgebaut haben, überall den Sicherheitsabstand gewährleisten." Sonna geht davon aus, dass die Polizei in dieser Woche kontrollieren wird.

„Jeder Händler in der Innenstadt versucht jetzt das Möglichste, damit er gut durch die Krise kommt", betont Sonna. Er glaube auch, dass für das NOC eine zeitnahe Lösung gefunden werde. "Wir müssen die nächsten beiden Wochen abwarten. Die Begrenzung auf 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Auch größere Betriebe können die Vorschriften durch die entsprechenden Einlasskontrollen gewährleisten."

Die Kontrolle gelingt auch Renate Weidacher-Herzig, die dem Montag entgegengefiebert hat, wie sie sagt. Sie schützt ihre Kundinnen mit Plexiglas, Maskenpflicht und Desinfektionsmitteln. Nur vier Personen dürften gleichzeitig in den Modeladen. „Wir empfangen unsere Kunden an der Tür." Dort werde eine Vorauswahl der Kleidung getroffen, die dann in der Kabine anprobiert werde. "Wer jetzt zu uns kommt, weiß was er will." Probierte, aber nicht gekaufte Ware werde hinterher übrigens mit Dampf gereinigt.

Kundin Annette Suttner schaute sich mit ihrer Tochter im Schuhhaus Weiß um. „Ich bin froh, dass geöffnet ist. Wir brauchen dringend Frühjahrsschuhe.“ Schuhe online bestellen und womöglich wieder zurückschicken, das sei nicht ihr Ding. „Schuhe muss man anprobieren und fühlen.“ Das könne sie nur lokal tun.

Auch Stefan Gruhle fällt ein Stein vom Herzen. Am Montag begrüßt er vor allem Kunden, die seit Wochen in Auftrag gegebene Reparaturen abholen oder ihre Uhren mit neuen Batterien versorgen. „Verkauft wird heute weniger. Das typische Shoppen, nein, das ist heute nicht.“ Auch die Galerie Recknagel musste in der Coronakrise schließen. Viele Rahmenarbeiten wurden inzwischen fertiggestellt und am Montag abgeholt. „Zu uns kommen viele Leute, die einfach wieder fröhliche Farben sehen wollen“, macht Verkäuferin Maria Greß deutlich.

Aus einem anderen Blickwinkel sieht Sabine Aumüller vom Teeladen im Alten Rathaus die veränderte Situation. Als Lebensmittelladen durfte sie ihr Geschäft zwar geöffnet halten, viel gebracht habe ihr das aber nicht. „Mein Umsatzeinbruch lag bei 60 Prozent. Die Schließungen ringsum hatten sich erheblich negativ ausgewirkt. "Das war ja gruselig. Seit heute Vormittag ist wieder mehr Frequenz." Das habe sie auch am Samstag gespürt, als der Wochenmarkt erstmals wieder stattfand.

Auch der Weidener Wochenmarkt hat zum ersten Mal wieder geöffnet.

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