22.09.2021 - 17:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lollitests noch kein Zuckerschlecken an Schulen in Weiden und Neustadt/WN

Lollitests an Grund- und Förderschulen sollen seit Montag für mehr Sicherheit sorgen. Auch in der Region. Doch noch läuft es nicht rund. Was tun Eltern und Lehrer, wenn die Ergebnisse der PCR-Pooltests tagelang auf sich warten lassen?

Die Kinder in Weiden und im Landkreis Neustadt sind schon fleißig dabei beim Lollitest. Nur an der digitalen Übermittlung der Ergebnisse hapert es noch.
von Redaktion ONETZProfil

Seit Montag versuchen die Grund- und Förderschulen im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden, mit einem neuen Testverfahren im Freistaat den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten. Bei den PCR-Pooltests, kurz Lollitests, werden in Stadt und Land Speichelproben von insgesamt knapp 6500 Schulkindern klassenweise in einer Gesamtprobe (Pool) untersucht. Die Schüler müssen dabei für 30 Sekunden an einem Abstrichtupfer lutschen. Alle Tupfer einer Klasse kommen gemeinsam in einen Behälter und werden am gleichen Tag untersucht. Sollte so eine Sammelprobe positiv auf Covid-19 getestet werden, wird noch am gleichen Abend mit individuellen Nachtests ermittelt, welches Kind der Klasse betroffen ist und in häusliche Quarantäne muss.

Fast nirgends lief alles glatt

Bei fast keiner Schule in der Region lief die Einführung ganz glatt. Zunächst ließen die Zugangsdaten zum System, in das die Daten von den Lehrern eingepflegt werden müssen, ein paar Tage auf sich warten. Am Montag starteten aber schon viele Bildungseinrichtungen mit den Tests. Zwei Tage später liegen zum Beispiel an der Hans-Schelter-Schule in Weiden-West vielen Eltern und Schülern immer noch keine Ergebnisse vor, der Schulbetrieb läuft dennoch wie gehabt. Schulamtsleiterin Christine Söllner verweist darauf, dass diese Woche immer noch als Testphase anzusehen ist. Daher sei es für eine Bewertung der Effizienz noch zu früh.

Problem mit digitaler Schnittstelle

Claudia Prößl, Pressesprecherin am Landratsamt Neustadt/WN, erklärt auf Anfrage: "Es gibt ein überregionales Problem mit der Verfügbarkeit der digitalen Schnittstelle ,Pooltests'. Dies könnte mit der seit gestern sehr hohen Zahl an Lolli-Tests zusammenhängen. Damit funktioniert die Dateneingabe der Schulen aktuell nicht, was zur Folge hat, dass nicht-aktivierte Proben bei Synlab ankommen und nicht zugeordnet werden können." Es sei angekündigt worden, dass das Problem ab Mittwochmittag behoben sein soll. "Wenn die Schnittstelle wieder zuverlässig funktioniert, werden wir die Schulen umgehend per Mail informieren."

Wieder zurück zu Schnelltests?

Am Nachmittag dann kristallisiert sich heraus: Ein Grundschulkind aus Weiden wurde laut Ergebnissen von Synlab, das für das Einzugsgebiet Weiden und Landkreis Neustadt zuständig ist, positiv getestet, informiert das Landratsamt Neustadt. Zudem erklärt die Sprecherin Claudia Prößl: Da die digitale Pooltestung-Schnittstelle nicht funktionierte, war die Behörde zuerst informiert worden. Sie wiederum setzte aber umgehend Eltern und Schule in Kenntnis. "Sollten die Probleme entgegen der Betreiberangaben aber nicht im Laufe des Tages behoben werden können, werden die Schulen am Donnerstag wieder die bisher verwendeten Schnelltests anwenden", heißt es weiter seitens des Landratsamtes.

Allgemein sei es so gedacht: Eine digitale Schnittstelle verbindet Labor, Erziehungsberechtigte und Schulen. Die Erziehungsberechtigten und Schulen werden von den Laboren über ein sicheres Portal über die Befunde informiert. Die Ergebnisse der Pooltestungen liegen bis etwa 19 Uhr des gleichen Tages vor, die Ergebnisse der Rückstellproben bis 6 Uhr des nächsten Tages.

Die Lage im Förderzentrum Vohenstrauß

Michael Raab, Leiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Vohenstrauß, hatte am Mittwoch Probleme mit dem Einpflegen der Daten in die EDV. "Am Montag und Dienstag haben wir noch sehr gut damit arbeiten können. Ich denke, es liegt daran, dass nun mehrere Schulen gleichzeitig aufs System zugreifen." Neben den Eltern würden auch Schulleitung und Klassenleiter per Mail von Synlab Weiden über die Testergebnisse informiert. "Und auch das ging heute leider nicht", erklärt Raab am Mittwoch.

Grundsätzlich klappe die Versorgung mit Testkits an seiner Schule mit 60 Mädchen und Buben in fünf Klassen sehr gut. Allerdings müsse man für die Lolli-Tests am Morgen mindestens 20 Minuten einplanen. Allein das Bekleben der Röhrchen mit den Barcodes sei enorm aufwendig. Danach müssen die Klassenleiter die Tests in Tüten verpacken und sich im System einloggen, um die Daten einzuspeisen.

Die Lage in Eschenbach

An der Markus-Gottwald-Schule in Eschenbach konnte mit den Tests laut Schulleiter Wolfgang Bodensteiner erst am Mittwoch begonnen werden. "Es gab Anfangsschwierigkeiten wegen fehlender Zugangsdaten", erklärt er. Beim Start klangen die Rückmeldungen der Lehrer am Mittwoch jedoch recht vielversprechend. Die Schüler der Klassen eins und zwei hatten offenbar mit den Lollitests keine Probleme. "Aber die Anmeldung im System dauerte heute sehr lang." Bodensteiner hofft, dass sich in den nächsten Wochen eine gewisse Routine einspielen werde.

Die Lage in Pressath

Laut Konrektor Holger Popp von der Grund- und Mittelschule Pressath hakt es vor allem beim Hochladen im Portal mit den Schülerdaten. Zwar sollte das schon vergangene Woche funktionieren, doch erst am Montag konnte er die benötigten Informationen hinterlegen und Lehrer-Accounts für die Klassen anlegen. Allerdings warteten er und seine Kollegen am Montag und Dienstag auch vergebens auf Ergebnisse. "Am Dienstag um 6 Uhr habe ich es wieder probiert. Aber die Anmeldung hat ewig gedauert, vermutlich wegen der hohen Zugriffe." Hintergrund: Bei den Pooltests ist vorgesehen, dass Eltern und Lehrer am Folgetag des Tests ab 6 Uhr im E-Mail-Postfach eine Nachricht haben, welches Kind ansteckend ist und zu Hause bleiben muss. Um diese Zeit greifen also vermutlich fest alle Eltern und Lehrer der rund 500.000 bayerischen Grund- und Förderschüler auf einmal auf das Portal zu.

Die Pressather Schule hatte jedoch von Anfang an einen Plan B. Sie hat ihre Kinder wie im vergangenen Schuljahr am Montag sicherheitshalber auch per Nasenabstrich getestet. So schreibt es das Kultusministerium vor. Kein Kind soll ungetestet in den Unterricht.

Die Lage in Pleystein und an der Gerhardinger-Schule Weiden

Die Zottbach-Schule in Pleystein berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Sie hat bereits einen Schnitt gemacht und dem Schulamt gemeldet: Wir fangen mit den Lollis erst nächste Woche an. Man kommt entweder selber nicht ins Portal rein und kann auch keine Ergebnisse abrufen: So ist es auch an der Gerhardinger-Schule in Weiden zu hören. Die Eltern gehen mit der Unsicherheit "realtiv entspannt" um, berichtet Chefin Alexandra Wildenauer.

Klingt alles nach Kinderkrankheiten, die jedes neue EDV-System mit sich herumschleppt. Wären sie zu vermeiden gewesen? Unter Umständen, sagt der Pressather Holger Popp. Ihm kommt die Einführung einen Tick zu flott. "Vielleicht wäre es besser gewesen, das erst in einem Regierungsbezirk zu testen und es dann auf die anderen auszuweiten."

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Lollitests auf dem Vormarsch

  • Nordrhein-Westfalen nutzt bereits seit Mai den Lolli-PCR-Test zwei Mal wöchentlich für 730.000 Schüler an knapp 3800 Grund- und Förderschulen - mit Unterstützung der Synlab-Gruppe
  • Bayernweit machen zwei Mal wöchentlich 500.000 Grund- und Förderschüler in 25.000 Klassen an 3300 Standorten den Lollitest
  • In Weiden und im Landkreis Neustadt/WN nutzen 6500 Schüler nun zwei Mal wöchentlich den Lollitests. Ausgewertet werden sie im Synlab Labor in Weiden. Laut Pressesprecher des Unternehmens sind "für die Testungen ausreichend Kapazitäten vorhanden".

 

 

Kommentare

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Martin Pfeifer

Ach sieh einer an. mal wieder Probleme mit einer Computeranwendung des Kultusministerium. Unterdimensionierte Server und Zugänge hatten wir in der Corona-Pandemie im Bereich des Bildungsministerium ja auch schon einige Male. Im Kultusministerium beherrscht man anscheinend noch nicht einmal die Grundrechenarten, um ermitteln, wieviel Daten der Schüler etwa gleichzeitig eingegeben werden müssen, wenn alle Schüler morgens beim Schulstart gleichzeitig ihren Pooltest machen sollen.

Peinlich für ein Bundesland, das sich mal Lederhose, Dirndl und Laptop auf die Fahnen geschrieben hat.

22.09.2021