16.09.2021 - 18:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eltern in Weiden und Neustadt/WN finden Geschmack an Corona-Lollitests

Lollis lutschen statt mit einem Stäbchen in der Nase bohren. Dank dieser Methode sollen Bayerns Grund- und Förderschüler dem Heimunterricht dauerhaft entkommen. Doch so einfach ist es nicht, berichten Lehrer.

Nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen sind ab Montag auch in Bayern Lollitests in Schulen zweimal pro Woche an der Tagesordnung. Für die Auswertung in Ostbayern ist das Synlab-Labor in Weiden zuständig.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Laut wollten sie es am Dienstag nicht sagen, aber hinter vorgehaltener Hand stöhnten viele Schulleiter am ersten Tag nach den Sommerferien auf. Auf ihren Schreibtischen und in ihren E-Mail-Postfächern lag eine drei Tage alte Aufforderung des Kultusministeriums, bis Anfang nächster Woche alles in die Wege zu leiten, damit Kinder statt mit lästigen Nasenabstrichen mit "Lollitests" auf eine Corona-Infektion getestet werden.

Das bedeutet: Alle Eltern anschreiben, ob sie damit einverstanden sind, die entsprechenden Daten einpflegen und mit einer neuen Software arbeiten. Wohlgemerkt innerhalb einer Woche. Viel zu kurzfristig, ärgert sich der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband.

Inzwischen sieht die Welt der Pädagogen in dieser Hinsicht etwas entspannter aus. "Es ist sportlich, die Dateneingabe ist auch anspruchsvoll, ich kann mich aber über die Zusammenarbeit nicht beschweren", sagt Johannes Arndt. Der Chef der Clausnitzerschule freut sich über den Rücklauf der Elternbriefe. 98 oder 99 Prozent der Eltern hätten ihr Einverständnis für die Lollitests erteilt.

Verweigerer bleiben zu Hause

Arndts Kollege Armin Aichinger von der Grundschule Parkstein sieht es ähnlich. "100 Prozent Rücklauf bei einem Elternbrief am ersten Tag, das haben wir noch nie gehabt. Das zeigt, wie wichtig den Eltern der Präsenzunterricht ist, dafür ein dickes Lob", atmet der Rektor auf. Nur in zwei Fällen hätten Eltern Nein gesagt. Die Parksteiner Schule besuchen 125 Kinder.

Diejenigen, die die sanften Lolli-PCR-Tests für Sohn oder Tochter verweigern, hätten dies bereits bei den zuletzt praktizierten Nasenabstrichen getan, erklärt Aichinger. Diese beiden Kinder bleiben im Distanzunterricht, das Lehrmaterial müssen die Erziehungsberechtigten dann in der Schule abholen.

Das ist aber in Weiden und im Landkreis offenbar wirklich die Ausnahme. Das bestätigt die Pirker Schulleiterin Claudia Piehler ebenso wie Rainer Hetz, der das Förderzentrum in Neustadt leitet. Gerade im Umfeld von Förderschulen mit bildungsfernen Elternhäusern oder hohem Migrantenanteil waren Befürchtungen laut geworden, dass es viel mehr Vorlauf für die Lollitests bedarf. "Ich hätte das nie gedacht, aber von 60 Briefen fehlen nur drei, wirklich super", freut sich Hetz. Was ihm mehr Kopfzerbrechen macht, ist die Software, die dahintersteht. "Ich hab gestern über eine Stunde versucht einen Link zu öffnen und heute früh wieder, dann hat sich herausgestellt, dass er noch nicht freigeschaltet war."

Um die Tests zu verwalten, werden jedem einzelnen Schüler erstmals Barcodes zugeteilt. Dazu gibt es eine 30-seitige Handreichung für die Lehrer. Riecht nach viel Arbeit, "aber es wird funktionieren", blickt Hetz zuversichtlich auf den Start am Montag.

Auswertung bei Synlab

Das ist ein gutes Geschäft für ein Weidener Unternehmen. Wie das Gesundheitsministerium in München bestätigt, ist die Oberpfälzer Synlab-Niederlassung einer von zehn Laborpartnern des Freistaats, die flächendeckend die Tests auswerten und die Ergebnisse noch am gleichen Tag übermitteln sollen. Synlab Weiden ist für Ostbayern zuständig, dem Vernehmen nach könnten aber auch Teile Frankens dabei sein.

Wie viele Tests aus Schulen pro Tag dann im Gewerbegebiet Mitte analysiert werden, teilen das Ministerium und das Unternehmen nicht mit. Es dürften Zehntausende sein. Der große Vorteil daran: Diese PCR-Tests sind wesentlich exakter als Antikörper-Schnelltests. Zwar dauert das Ergebnis länger, dafür werden Infektionen bereits erkannt, bevor die Testperson ansteckend ist.

Was halten Oberpfälzer Unternehmen vom Stopp der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte?

Hirschau

Die Impfsituation an Schulen in Weiden und Neustadt/WN

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

So funktionieren die Lollitests

  • Zweimal pro Woche lutscht jeder Schüler an einem Stäbchen, das einen Wattetupfer als Kopf hat. Diese Stäbchen kommen klassenweise in einen Behälter.
  • Anschließend lutscht jedes Kind an einem zweiten Stäbchen. Diese Tupfer werden einzeln aufbewahrt.
  • In Abstimmung mit Landratsämtern und kreisfreien Städten kommt ein Kurierfahrer. Er holt auf seiner Route die Testabstriche mehrerer Schulen ab und bringt sie ins Labor.
  • Im Labor wird zunächst der Behälter mit den Stäbchen der gesamten Klasse auf einmal getestet. Ist dieser Pool negativ, ist am nächsten Tag Unterricht für alle.
  • Fällt dieser Test positiv aus, werden die Einzelproben untersucht. Das positiv getestete Kind muss dann in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne.
  • Den Befund der Klasse ihres Kindes bekommen die Eltern am Testtag ab 19 Uhr per E-Mail übermittelt.
  • Sollte ein Kind positiv getestet werden, werden dessen Eltern ab 6 Uhr des Folgetages informiert, ob ihr Kind betroffen ist oder nicht.

 

 

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